Er ist mit der Dietenheimer Fasnet aufgewachsen und einer ihrer größten Fans: Jürgen Peter, der neue Präsident der Ranzenburger Narrenzunft (RNZ), freut sich auf die Kampagne. Er sieht sich als Moderator und Ideengeber.

Ihre erste närrische Erinnerung?

Jürgen Peter: Als Pimpf habe ich den Umzug als Cowboy verfolgt. Mit meinen Eltern war ich dann selber Teilnehmer bei der Laufgruppe der Mittwochs­-Turnfrauen. Als Jung-Spund bei den TSV-Fußballern habe ich in der legendären Sauschdall-Bar vie­le Jahre mein Ausschank­Talent unter Beweis gestellt. Auftritte bei den TSV-Bällen waren immer Highlights. Ich erinnere mich gut an meine tragende Rolle als Tannenbaum: (lacht) einfach in voller Montur dastehen und die Arme ausstrecken. Und dann natürlich die Auftritte mit Rudi Brechenmacher und Christoph Wellhäuser. Als Trio haben wir uns einige Jahre Programmnummern ausgedacht und das Publikum zum Lachen gebracht.

Was macht für Sie den Reiz der Ranzenburger Fasnet aus?

Uns Dietenheimern wird nachgesagt, dass wir an der Fasnet aus unserem Dornröschenschlaf erwachen. Alles ist auf den Beinen, jeder staubt sein Häs ab und feiert mit. Zur fünften Jahreszeit kommen alle wieder heim. Man trifft viele alte Bekannte.

Fasnet als Instrument im Stadtmarketing?

Genau dies. Viele Städte bemühen sich um Lebensqualität und Alleinstellungsmerkmale. Unsere Fasnet erfüllt beides.

Im Elferrat mitwirken oder als RNZ-Präsident Verantwortung tragen: Das sind zwei Paar Stiefel.

Ich habe viel Vereinserfahrung. Insofern sind mir die Aufgaben nicht fremd. Im Grunde unterscheiden sich meine Aufgaben nicht so sehr von denen im Elferrat. Wir alle müssen in wenigen Wochen ordentlich was stemmen, nämlich die Rahmenbedingungen für eine glückselige Fasnet setzen. Als Präsident be­­­halte ich die Fäden in der Hand, leite Sitzungen und treffe Entscheidungen, wenn es mal zu Diskussionen kommt. Es ist wie im Job: Das Oberhaupt ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Alleine wäre ich aufgeschmissen. Mich begeistert, mit wie viel Engagement sich unterschiedliche Talente einbringen.

Es ist Ihre erste Fasnet als Chef: Ziele? Neues?

Die Tradition liegt mir am Herzen. Sie über eine moderne Führung weiterzuentwickeln, hat für mich Priorität. Unser Verein ist zuletzt immer mehr gewachsen, auch beim Nachwuchs. Mein Ziel ist es, die Zunft auf ein gesundes Fundament von vielen Förderern zu stellen. Ich wünsche mir, dass wir im Schulterschluss mit anderen Vereinen gemeinschaftlich die Tradition bewahren.

Wie laufen die Vorbereitungen für die aktuelle Kampagne?

Nach der Fasnet ist vor der Fasnet. Wir gönnen uns nur eine kurze Pause. Die Prinzengarde und die anderen Garden trainieren seit Mai. Die Schreiberlinge des Narrenblatts haben sich im September das erste Mal getroffen. Die Einladungen zum Umzug gehen im Sommer raus. Auch für den Gaudiwurm müssen die Weichen früh gestellt werden.

Viel Arbeit, viele Verpflichtungen, wenig Schlaf: Wie bereiten Sie sich auf die heiße Phase vor?

Schlaf an Fasnet wird völlig überbewertet (lacht). Ich glaube wir Ranzenburger sind mit einem besonderen Gen ausgestattet. Unser Immunsystem läuft hochtourig. Spaß beiseite: Wir haben Arbeits­schichten, so dass für jeden eine Ruhephase drin ist und zur Not ein Powernap eingebaut werden kann. Bei mir ist es nicht ganz so einfach, da ich neben meinem Präsidentenamt noch meinen Job als Bauhofleiter zu erfüllen habe. Auch dort herrscht in dieser Zeit Hochbetrieb. Doch ich habe einen sehr närrischen Chef und ein Spitzenteam, das mich unterstützt, entlastet und Verständnis für meine Doppelfunktion hat.

Vergangenes Jahr gab es bei einem Umzug im Land einen schweren Unfall. Eine Frau wurde in einem Hexen-Kessel mit heißem Wasser verbrüht. Hat das in Ihrem Verein eine Sicherheitsdebatte ausgelöst?

Tragische Geschichte, die uns auch nachdenklich gemacht hat. Natürlich versuchen wir, unsere Fasnet so sicher wie möglich zu gestalten. Bei einer Präventions­-Sitzung werden mit Stadtverwaltung, Polizei und Vereinen viele vorbeugende Maßnahmen besprochen. Unser Umzugsleiter setzt die Vorgaben des Landratsamts gewissenhaft um und kontrolliert die Umzugs-Gruppen höchstpersönlich. Bei rund 3000 Mitwirkenden gibt es aber nie eine 100-prozentige Garantie.

Wie sieht die Fasnet der Zukunft aus? Wie gelingt es, auch Zugezogene ans Brauchtum zu binden?

Durch unsere Besuche machen wir alle Kindergärten mit der Fasnet bekannt. Es gibt einen Schulsturm am Gompigen. Ich freue mich, dass wir dieses Jahr auch die Gemeinschaftsschule wieder im Boot haben. Unsere vier Garden sind das Aushängeschild für die Jugend. Die Nachfrage für die Kindergarde ist so groß, dass Eltern ihre Mädchen bereits bei der Geburt anmelden.

Eine eigene Kappe für „Jocky“, den Präsidenten


Biografie Jürgen „Jocky“ Peter (53) ist der Dietenheimer Fasnet seit Kindesbeinen verbunden. 1994/95 erfüllte er mit seiner heutigen Ehefrau Tanja Prinzenpflichten. Seither engagieren sich beide im Elferrat. Die Töchter Amelie und Antonia tanzen in der Prinzengarde und in der Showtanzgruppe. Neben seinem größten Hobby, der Fasnet, ist der Bauhof-Leiter ein leidenschaftlicher Motorbootfahrer, schnallt gern auch Skier unter die Beine und engagiert sich als Laienschauspieler im Stadtheater.

Elferrat In der Ranzenburger Narrenzunft besteht der Elferrat nicht aus elf, sondern aktuell aus 33 Mitgliedern. Er hat vor allem organisatorische Aufgaben.