Kultur Poetische Trauer im Kloster

Mit Musik und Poesie berührten Pianistin Elena Gevedon-Gordeeva und die Sprecher  Albert und Rachel Rau.
Mit Musik und Poesie berührten Pianistin Elena Gevedon-Gordeeva und die Sprecher  Albert und Rachel Rau. © Foto: Manuela Rapp
Regglisweiler / Manuela Rapp 21.11.2018

Können Worte trösten? Sie können. Aber vielleicht ist es noch mehr die Musik, die das Herz berührt. Noch nuancierter, abgewogener scheint sie die Sprache der Trauer zu beherrschen, noch tiefgründiger scheint sie Gefühle und Stimmungslagen ausdrücken zu können. „Ich begegne dem Tod und finde keine Worte“, nannten Sprecher Albert und Rachel Rau und Pianistin Elena Gevedon-Gordeeva ihr Zusammenspiel aus Musik und Poesie im Kloster Brandenburg.

„Es gibt in dieser Welt den besten Augenblick, es gibt in dieser Welt die schrecklichste Stunde; aber dies alles ist uns verborgen.“ Dieser Text, den Albert Rau zitierte, stammt von Jewgeni Jewtuschenko. Zeilen, die eines besagen: „Zum Leben gehört der Tod, es kann alle treffen“, so Rau.  Trauer sei so umfassend wie der Tod. Ein Thema, das alle Menschen verbinde und das jeder kenn. „Trauer kann man nur von den Trauernden lernen“, weiß Rau. „Sie lehren uns das, was sie selber lernen mussten.“ Nicht nur das: „Sie stellen die Grundfragen des Lebens.“ Etwa: Wofür lohnt es sich zu leben? Wann beginnt der Mensch zu leben? „Sinn der Trauer ist es, uns zu neuem Leben zu führen“, findet der Trauerbegleiter.

„Die Menschen gehen fort … Da gibt es keine Rückkehr“, schreibt Jewtuschenko. Trauer sei vielseitig, individuell, und komme bei den meisten nie zum Schluss. Diese Resttrauer sei die Liebe, die ein Kleid aus Trauer trägt, formuliert es Albert Rau. Trauer habe mindestens genauso viele Klänge. „Dumpf und schwer kann sie sein, laut und leise, plätschernd und leicht, kann Hoffnung wecken, gar Freude pur“.

Wunderschön einfühlsam, verzaubernd, interpretierte Elena Gevedon-Gordeeva auswendig Stücke großer Meister, aber auch Selbstgeschriebenes. Da blieb Raum zum Nachdenken, zum Erinnern. Unberührt blieb davon wohl niemand. „Und jedes Mal möchte ich von Neuem diese Unwiederbringlichkeit hinaus schreien“, endet Jewtuschenkos Gedanken.

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