Ich kann meinen Stall aufmachen. Ich muss nichts verstecken“, sagt Stefanie Hofelich, die mit ihren Eltern Annegret und Uli Hofelich und Bruder Sascha eine Straußenfarm in dem 280-Einwohner-Ort Holzkirch betreibt. Sie hat sich vor ein paar Jahren in die großen Vogeltiere mit dem langen Hals und den schönen Augen „verliebt“, wie sie es nennt, und 2013 – als die Familie vor der Entscheidung stand, ihre Landwirtschaft aufzugeben oder auf andere Weise weiter zu machen –, für die Straußenzucht plädiert. Die Milchkühe mussten weichen, stattdessen baute die Familie eine Straußenfarm mit zurzeit 59 ausgewachsenen Tieren und 20 Jungvögeln auf. Sie leben auf einer zwei Hektar großen Fläche.

Der Hof ist einer von 40 Betrieben, die unter der Dachmarke „Lernort Bauernhof“ moderne Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion für Verbraucher erlebbar machen, Kindern und Erwachsenen ihre Abläufe zeigen und erklären.

Die Besucher erfahren: Ein Straußenei entspricht etwa 25 Hühnereiern, die Schale ist so dick, dass sie mit einer Bohrmaschine aufgebohrt werden muss, und den Inhalt friert man am besten portionsweise ein – zumal kaum jemand Verwendung für so viel Ei auf einmal haben dürfte. Besucher erstarren, wenn im Stall in unmittelbarer Nähe kämpfende Hähne mit Wucht aneinandergeraten, es ist noch nicht lange her, „da haben zwei eine Wasserleitung verbogen“, erzählt Landwirtschaftsmeisterin Annegret Hofelich.

Kilo Straußen-Steak kostet 32 Euro

Besucher erfahren, dass das Gefährliche im Umgang mit diesem Tier dessen Füße sind: Wenn der Strauß damit zuhaut, „kann er mich aufschlitzen“. Gemessen an diesem Risiko ist die Vorliebe des neugierigen Straußes, alles und jeden anzupicken, das kleinere Übel. Besucher erfahren auch: Bei dieser Art der Lebensmittelproduktion wird alles verwertet, nicht nur das Spitzenfleisch (der Preis für Straußen steak liegt bei 32 Euro/Kilo). Es gilt als fett- und cholesterinarm. Knochen holen Hundebesitzer, Haut wird zu Leder verarbeitet, Federn zu Staubwedeln. Das Ei als Alternative schätzen Allergiker, die Eiweiß herkömmlicher Hühner nicht vertragen.

Indes: Straußenhaltung ist nicht unumstritten, der Deutsche Tierschutzbund lehnt sie ab. Er vertritt die Auffassung, es sei nicht möglich, diese in Afrika und früher auch in Asien beheimateten Wildtiere in Deutschland unter den gegebenen Bedingungen tierschutzgerecht zu halten. „Im Grunde ist jedes Tier mal ein Wildtier gewesen“, argumetiert Stefanie Hofelich. Und sie sagt: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ihnen hier etwas fehlt.“ Die Straußenfarm werde nach den Kriterien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft geführt, das ein „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Straußen, Nandus, Emus und Kasuaren“ herausgab.

„Straußenvögel verfügen über eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit an die jeweilige Umgebung und deren spezielle Lebensbedingungen“, heißt es in einer Stellungnahme des Landratsamts. Und: Unter Berücksichtigung der in dem Gutachten des Ministeriums genannten Anforderungen sei eine artgemäße Haltung in Deutschland möglich. Im Alb-Donau-Kreis gibt es nur diese eine Straußenfarm, sie wird von Amtstierärzten kontrolliert – ohne Ankündigung. Es gab bislang keine Beanstandungen. „Da sieht man kein verletztes Tier“, sagt Hilde Lampert, die kürzlich an einem Hofrundgang teilnahm, „ich glaube schon, dass es denen gut geht.“ Die Straußenfarm mache einen sehr sauberen Eindruck. „Lehrbuchartig.“

Weg der Direktvermarktung

In den Nachbarlandkreisen stiegen auch einige Betriebe in die Straußenfleischproduktion ein. Das ist offenbar eine Reaktion darauf, dass es eine Nachfrage nach regional erzeugtem Straußenfleisch gibt. Der Verkauf der Produkte läuft aber anders, als sich Familie Hofelich das ursprünglich vorstellte. „Es kommt kein Viehhändler und kauft die Tiere“, sagt Annegret Hofelich. Die Farm geht deshalb den Weg der Direktvermarktung: Sie bietet die Erzeugnisse (Fleisch, Wurst, Eierlikör, Nudeln) im Hofladen an und auf Märkten. Der größte Teil wird über einen Automaten verkauft. Die Farm wirft jedoch nicht so viel ab, dass sie die Familie ernähren könnte. Sie läuft als Nebenerwerbsbetrieb. Hofelichs sahen in der Straußenzucht eine Strategie, der sprichwörtlichen Mühle aus immer mehr Kühen, mehr Leistung, mehr Arbeit und weniger Zeit für Mensch und Tier entrinnen zu können. Eine Alternative, die zum eigenen Leben passt. Stefanie Hofelich drückt das so aus: „Ich kann auch mal schnell in normalen Kleidern in den Stall, ohne dass ich danach rieche.“ Und es gibt keine Tagesablaufzwänge wie auf einem herkömmlichen Hof. „Man hat mehr Freiheiten.“

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Zutaten für 4 Personen

Marinade:
2 Eßl. Zitronensaft
grob gemahlener schwarzer Pfeffer
2 Knoblauchzehen (sehr fein gehackt)
2 Zweige Rosmarin (fein gehackt)
1/2 Bund Thymian
4 Eßl. Olivenöl

Vorbereitung:
Die Zutaten für die Marinade mischen und die Straußensteaks 2 bis 4 Stunden darin einlegen.

Zubereitung:
Die fertig marinierten Steaks können ähnlich wie Rindersteaks auf dem Grill oder in der Pfanne zubereitet werden. Man sollte sie jedoch nicht zu lange braten, denn es handelt sich nicht – wie viele meinen – um Geflügelfleisch, das immer „durch“ sein muss. Straußensteaks müssen vielmehr innen rosa bleiben, sonst werden sie trocken, rät Annegret Hofelich.

Beilagen:
Salat, Knoblauchbrot