Der Traum von einer schönen neuen Schulwelt ist für die „Landesvereinigung für dezentrales Lernen Baden-Württemberg e.V.“ vorerst vorbei. Die Klage der Laichinger Reforminitiative auf staatliche Zulassung ihres Schulmodells wurde gestern vom Verwaltungsgericht Sigmaringen abgewiesen. Damit haben die Richter juristisch das erledigt, wozu sich das Regierungspräsidium Tübingen jahrelang außer Stande gesehen hatte: eine Entscheidung zu treffen.

Seit 2014 liegt der Behörde der Antrag vor, in Laichingen mit der „Dietrich-Bonhoeffer-Schule“ eine Grund-, Haupt- und Werkrealschule als Ersatzschule anzuerkennen, die einen anderen päda­gogischen Kurs setzt. Dem sogenannten Uracher Plan folgend treffen sich die Schüler lediglich an einem Wochentag in der Schule, an allen anderen Tagen werden sie zuhause unterrichtet – etwa am Computer via E-Learning. Die Eltern sollen stark in die Ausbildung eingebunden werden und die Lerninhalte auf die Schüler zugeschnitten sein.

Obwohl sich die Schule inhaltlich am Bildungsplan des Landes orientiert und der Behördenaufsicht unterstellt ist, denkt das Regierungspräsidium Tübingen nicht daran, das Projekt als Ersatzschule zu genehmigen: Die Behörde befürchtet die heimliche Einführung des in Deutschland verbotenen Hausunterrichts.

Dennoch hält die Initiative an ihrer Reformschule fest, zumal die Erfahrungen als Ergänzungsschule laut dem Vorsitzenden Jonathan Erz bislang sehr positiv seien. Die Abschlüsse von Abgängern an Regelschulen seien eher überdurchschnittlich gewesen.

Was die Kinder der reform­pä­d­agogischen Aktivisten allerdings nicht von der Schulpflicht befreit. Das hat Konsequenzen für die Eltern, die sich trotzdem weigern ihre Sprösslinge in eine Regelschule zu schicken. Mittlerweile sind einige Ordnungswidrigkeitsverfahren anhängig – auch gegen den Vorsitzenden der Landesvereinigung Jonathan Erz. Dieser zeigte sich von der Klageabweisung „enttäuscht“, „weil die Kinder in diesem Schulmodell nachweislich mindestens gleich gute Ergebnisse abliefern“ und auch im Leben bestens zurecht kämen und „besonders teamfähig“ seien.

Der Vorsitzende Richter Stefan Röck hatte in der Verhandlung gestern deutlich gemacht, dass der demokratische Rechtsstaat mit der gesetzlichen Schulpflicht einen Hausunterricht ausdrücklich ausschließe, auch wenn dies weder in der Verfassung noch im Schulgesetz stehe. Im Gegensatz dazu gehe der Trend durch die Ganztagsschulen eher zu mehr Gemeinsamkeit. Der Richter bezweifelt, dass ein gemeinsamer Schultag pro Woche ausreicht, um die staatlichen Erziehungsziele zu erreichen.

Beim Regierungspräsidium Tübingen zeigte man sich zufrieden mit dem Sigmaringer Beschluss. „Damit ist diese Sache geklärt. Wir freuen uns darüber, wie das Gericht entschieden hat“, sagte Stefan Meissner, Pressesprecher der Schulabteilung. „Eigentlich ist das jetzt erledigt.“

Möglicherweise auch nicht, denn Jonathan Erz hat bereits angekündigt „mit Sicherheit“ in Berufung zu gehen. Was Richter Röck als „sinnvoll“ bezeichnete. Zumal mit diesem Thema „Ersatzschule“ auch verfassungsrechtliche Fragen zu erörtern seien.

Andere Länder erlauben Unterricht zu Hause

Schulpflicht Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hat Deutschland keine Unterrichts-, sondern eine Schulpflicht: Während es etwa in Österreich, oder Dänemark unter unterschiedlichen Auflagen möglich ist, dass Kinder daheim unterrichtet werden, ist in Deutschland der Schulbesuch vorgeschrieben. Nur in Ausnahmefällen – etwa, wenn kranke Kinder nicht transportfähig sind – wird Hausunterricht erlaubt. Auch dann gilt der staatliche Lehrplan, der durch examinierte Lehrkräfte vermittelt werden soll. Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder nicht in staatlich anerkannte Schulen schicken, wurden im Einzelfall bereits in Erzwingungshaft genommen.