Bauen Keine Gefahr von Elektrosmog

Ortsvorsteher Bernd Kühnle zeigt auf die betreffende Hochspannungsleitung.
Ortsvorsteher Bernd Kühnle zeigt auf die betreffende Hochspannungsleitung. © Foto: sgk
sgk 06.12.2018

Die Gefahr von Elektrosmog und Lärm durch Stromleitungen im geplanten Neubaugebiet „Falge“ ist nahezu vom Tisch. Amtsleiter Günter Hascher präsentierte diese erfreuliche Nachricht im Suppinger Rathaus. Die Ortschaftsräte waren sichtlich erleichtert und sprachen sich mit einer Enthaltung dafür aus, die öffentliche Ausschreibung der Bauarbeiten wieder aufzunehmen. Die war bereits wegen der Gefahr von Elektrosmog durch die nördlich des geplanten Baugebiets verlaufende 380 kV-Hochspannungsleitung ausgesetzt worden.

Ausschlaggebend für die nun positive Entscheidung des Gremiums waren das von der Stadt in Auftrag gegebene TÜV-Gutachten sowie die Stellungnahme des Gutachters zu einem im Juli im Internet veröffentlichten „Messbericht“ – speziell zum geplanten Wohngebiet „Falge“ in Suppingen. Dr. Klaus Trost, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wissenschaftsladens in Bonn, des größten von weltweit 75, empfiehlt in seinem Bericht, das Baugebiet im nördlichen Teil nicht zu realisieren, weil „die Immissionen durch magnetische Wechselfelder den Vorsorgerichtwert für Kinder überschreiten“. Obendrein hat ein regionaler Fernsehsender über das geplante Baugebiet einen Beitrag gesendet, in dem sich ein Vertreter des BUND auf den vom Verein empfohlenen Richtwert von 600 Meter Abstand zu magnetischen Wechselfeldern bezogen hatte.

Schrott-Immobilien

„Damit war diese Zahl in aller Munde und wir standen vor der Überlegung, dass die Stadt dort Schrott-Immobilien auf den Markt bringen würde“, führte Hascher aus. Die Stadt setzte die öffentliche Ausschreibung zum zweiten Bauabschnitt aus und beauftragte den TÜV Süd mit dem Gutachten. Das Fazit legte Hascher den Ortschaftsräten und den zahlreichen Zuhörern nun im Sitzungssaal dar: Die magnetische Flussdichte erreiche nur 1,8 Prozent des vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwertes. Die elektrische Feldstärke konnte gar mit maximal 0,6 Prozent des Grenzwertes ermittelt werden. Die Grenzwerte des Bundes-Immisionsschutzgesetzes würden eingehalten, selbst unter höchster Auslastung der Stromleitung, so der Tenor des Gutachters. Lediglich im nördlichsten Bereich des letzten vorgesehenen Bauabschnitts könnte  es zu Lärm durch Funkentladungen, ausgelöst durch Feuchtigkeit, kommen, die jedoch nur nachts die Grenzwerte um zwei Dezibel (A) überschreiten. Spezifische Maßnahmen für die geplante Bebauung seien insgesamt nicht notwendig, fasst der Gutachter zusammen.

Auch der Abgleich mit dem Messbericht des Wissenschaftlers Trost fällt günstig aus, die rechtlich verbindlichen Grenzwerte würden im gesamten Plangebiet eingehalten. „Alle andere Zahlen, die in dieser Diskussion kursieren, sind willkürlich, ohne wissenschaftliche Grundlage“, betonte Hascher. Die Laichinger Stadtverwaltung empfahl dem Ortschaftsrat auf Basis der neuen Erkenntnisse, die Ausschreibung wieder aufzunehmen. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollen die Bauvorschriften geändert werden: für die letzte Häuserreihe im Norden soll die Auflage kommen, die Nordseite fensterlos oder mit Fenstern, die nicht zu öffnen sind, zu bauen.

Die alternativen Vorschläge der Verwaltung, aus dem Wohngebiet ein Misch- oder gar Gewerbegebiet zu machen, lehnte das Gremium ab. Mit dem Betreiber der Hochspannungsleitung soll verhandelt werden, ob die alten Leitungsbündel gegen neue, fortschrittlichere ausgetauscht werden können. Das würde die Immissionswerte noch einmal drücken, so dass Elektrosmog gar kein Thema mehr im Baugebiet „Falge“ wäre. Hascher meint, hier ein positives Ergebnis erzielen zu können. Ortsvorsteher Bernd Kühnle fasste am Ende zusammen: „Wir haben mit diesem TÜV-Gutachten die fatale Situation vermieden, Laichingen würde an einer Gefahrenstelle Bauplätze verkaufen. Nun sind wir auf der sicheren Seite, können Kaufinteressenten sagen: Wohnen ist dort bedenkenlos.“

Mehrheit für neue Bauabschnitte

Zustimmung Der Ortschaftsrat war bis auf die Enthaltung von Ludwig Häberle, der die Elektrosmogdiskussion mit seinem Einwand in der Juni-Sitzung in Gang gebracht hatte, für die Realisierung der weiteren Bauabschnitte des Baugebietes „Falge“. Das TÜV-Gutachten kostete 10 000 Euro. Des weiteren haben die Ortschaftsräte sich entschieden, auf einen aus deren Reihen vorgeschlagenen Gehweg auf der Westseite der Machtolsheimer Straße im Baugebiet verzichten zu wollen.

Beschluss Diese Entscheidungen gehen am 17. Dezember in die Gemeinderatssitzung in Laichingen, wo der Beschluss dazu gefasst werden soll.

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