Ein Tattoo in seinem Nacken zeigt ein Mikrofon, dessen Kabel die Form einer Note annimmt. Dass Musik in Julian Volkmanns Leben eine wichtige Rolle spielt, wird im Gespräch auch deutlich, ohne dass man dieses Bild entdeckt. Vor zwei Jahren hat er den deutschen Karaoke-Wettbewerb „Euroke“ gewonnen, im September standen er und sein Duett-Partner als erste Deutsche überhaupt im Finale des internationalen Gesangswettbewerbs „i-sing World“ in Paris, im November hat er beim „Hunsrücker Songkontest“ den vierten Platz gemacht. Und der Freitagabend gehört seit 2012 der Band „Frame – Musik, die aus dem Rahmen fällt“. Passend zu Julian Volkmann, der sich weder musikalisch noch als Person in Schubladen stecken lässt.

Karaoke, Metal, Schlager

„Ich bin nicht der weltbeste Sänger“, sagt er – und verweist auf Geri Halliwell von den Spice Girls, die ähnliches von sich gesagt und trotzdem Karriere gemacht habe. Sie sei für ihn ein Vorbild genau wie Elton John, Stevie Nicks, Freddy Mercury und Udo Jürgens. In diesen unterschiedlichen Musikern sieht der Blausteiner keinen Widerspruch: Er selbst hat über Karaoke zur Musik gefunden, dabei eine Freundin kennengelernt, mit der er eine Symphonic-Metal-Band gründete, und heute veröffentlicht er unter dem Künstlernamen „Julez Liberty“ nebenbei Schlagersingles. Auch die Bandkollegen des 29-Jährigen, der mit langem dunklem Haar, Piercings, Tattoos und einer Menge Ringen an den Fingern noch immer an die Metal-Szene erinnert, halten sich nicht mit Genre-Grenzen auf.

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„Die Chemie stimmt und musikalisch findet man sich“, fasst Gitarrist Richard „Richie“ Schreiber zusammen. Er gehört seit 25 Jahren zur Band, die früher eine Frontfrau hatte und in der heute noch Axel Ganzenmüller (Schlagzeug), Sander Dollner (Bass), Jochen Rein (Keyboards) und Techniker Michael Stajer zur Stammbesetzung gehören. Mit Julian Volkmann am Mikrofon zogen auch in den Probenraum in Hörvelsingen neue Klänge ein.

Hommage an die Heimat

„Julez“, wie Julian Volkmann genannt wird, habe den rockigen Songs eine neue Prägung gegeben. „Offener“, sagt der Gitarrist – „ein bisschen seichter“, sagt Julez, nachdem die Band eine Probenaufnahme ihres deutschsprachigen Songs „Ulm“ durch den professionell ausgestatteten Probenraum gegenüber der Pflugbrauerei schallen lässt. Mit Zeilen wie „Schwörmontag unser Fest, an dem man sich ganz einfach treiben lässt“, soll das Lied eine leicht zugängliche Hommage an die Heimat sein, die am Stadtfeiertag zum Mitsingen einlädt. Auch für den Einstein-Marathon hat „Frame“ ein Lied geschrieben. Und für den Christopher Street Day (CSD). Im Probenraum, in dem ein Karton mit der Aufschrift „Wunderkerzen“ auf dem Bier-Kühlschrank steht und neben dem Mischpult ein Pin-Up-Kalender hängt, entsteht der Eindruck, dass die Band das wirklich gerne macht – auch wenn die Musiker ohne Julian Volkmann vielleicht nicht auf die Idee gekommen wären.

Der Sänger ist im Vorstand des Vereins CSD Ulm/ Neu-Ulm, der das schwul-lesbische Straßenfest organisiert. Für ihn zähle nicht das Geschlecht seines Gegenübers: „Ich werde mich niemals in einen Mann verlieben, und nie in eine Frau, sondern immer in einen Menschen.“

Im Kreisvorstand der Grünen

Auch für Artenschutz möchte Julian Volkmann eintreten: Im Herbst 2017 wurde er in den Vorstand der Grünen im Alb-Donau-Kreis gewählt, im Mai 2019 möchte er sich über die Parteiliste in den Gemeinderat Blaustein wählen lassen. Band, Politik, seine Arbeit im Vertriebs-Innendienst: „Ich versuche, das alles unter einen Hut zu kriegen.“ Ob er an der einen oder anderen Stelle aneckt? „Es gibt schon immer Leute, die sagen: Der ist ein Spinner. Aber das ist okay.“ Er gehe immer offen und positiv auf die Menschen zu – „da ist das Eis schnell gebrochen“. Seine Ausstrahlung habe ihm auch beim Gesangswettbewerb in Paris – „Der Hammer!“ – und der Karaoke-Meisterschaft zum Erfolg verholfen.

Mit Karaoke-Wettbewerben ist für ihn trotzdem Schluss. „Wie schon ABBA sagten: Man sollte auf dem Höhepunkt aufhören.“

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Wanddeko stürzt ab – Bandname entsteht


Probenraum Die Band von Julian Volkmann probt in einem ehemaligen Hühnerstall in Langenau-Hörvelsingen, den die Musiker jahrelang in Eigenleistung ausgebaut haben – inklusive Aufnahmekabine im Nebenraum. An den Wänden hängt neben Plakaten ein leerer, goldfarbener Bilderrahmen. Als dieser eines Tages herunter- und dem Keyboarder um den Hals fiel, war der Name der Band geboren: „Frame“.