Emerkingen / Christina Kirsch  Uhr

Ein roter Doppeldecker prangte im Bühnenhintergrund und vor der Bühne stand ein nicht ganz echter Prinz Charles in einer typisch englischen Telefonzelle. Der Langzeitprinz trug erstaunlicherweise die Uniform der Musikkapelle Emerkingen. Die Kapelle hatte sich – Brexit hin oder her – ganz auf die Briten eingestellt und beschränkte das Repertoire des Jahreskonzerts auf Titel aus England. In der gut besuchten Römerhalle eröffnete die Jugendkapelle unter ihrem Dirigenten Steffen Lepple den Konzertreigen mit einem swingenden „Joseph And The Amazing Technicolor Dreamboat“, das auf den Wellen der Publikumssympathie schwamm. Einen Appell an ein friedliches Zusammenleben intonierten die rund 43 Jungmusiker mit der majestätisch angehauchten Komposition „Free World Fantasy“ von Jacob de Haan. Als Zugabe hörte man ein flottes Beach Boys Medley.

Voller Inbrunst

Das aktive Orchester hatte als Eröffnungsstück „Rule Britannia“ gewählt, das mit der ruhigen Melodie der „Tochter Zion“ begann und sich dann zur inoffiziellen Nationalhymne der Briten entfaltete. In Großbritannien singt das Publikum in diesem patriotischen Stück gerne voller Inbrunst mit und schwingt Fähnchen, was die Emerkinger in Ermangelung von Fähnchen unterließen.

Mit einem Paukenschlag begann die britische Volksliedmelodie „Albion Heritage“ von Philip Sparke. Vogelgezwitscher und munteres Dorftreiben war zu hören. Der Komponist wählte für sein Stimmungsbild bekannte Lieder aus England, Schottland und Wales.

Feierlich und doch munter

Einen Wegbereiter der konzertanten Blasmusik ließ Dirigent Oliver Doneck mit dem Titel „First Suite in Eb“ von Gustav Holst hören. In diesem 1909 komponierten Standardwerk basiert jeder der drei nahtlos gespielten Sätze auf den ersten drei Noten des jeweiligen Satzes. Den dritten Satz schmetterte die Kapelle angemessen feierlich und doch munter, wobei der Dirigent gelegentlich mitzusingen schien.

„Zufriedenstellend und problemfrei“ lautet die Bilanz auf der der Abschlussbesprechung, allein die Schafe fehlten.

Nach der Ehrungspause (siehe Info) begab sich die Kapelle mit Andrew Lloyd Webbers Musical „Evita“ nach Argentinien. Der einstigen First Lady huldigte der Komponist mit Melodien, die Verehrung wie Verachtung ausdrücken. Die Musikkapelle spielte die miteinander verwobenen musikalischen Bilder geschmeidig und engagiert. Auch in den ruhigen Passagen zeigten die Musiker Können und Sicherheit.

Daniela Fiderer kündigte im Anschluss die „Hobbits“ von Johann de Meij an. Die Feierlaune, aber auch die Friedfertigkeit der Fabelwesen war einfühlsam intoniert und nuanciert dargeboten. Natürlich waren auch zwei Zugaben vorbereitet, mit denen die Emerkinger ihr Publikum angemessen verabschiedeten. Mit „The Mad Major“ und den Beatles schwelgte die Kapelle noch einmal in „very british“-en Tönen.

Die Sprache der Musiker wird weltweit verstanden

Treue Der Fortbestand einer Musikkapelle ruht auf der Bewältigbarkeit ihrer Ziele und auf der Treue ihrer Mitglieder“, sagte der Vorsitzende Peter Pflug vom Musikerverein Emerkingen zu Beginn der Ehrungen, die Hubert Stoll vornahm. Die Musikkapelle verstehe sich hervorragend auf eine Sprache, die weltweit verstanden werde, lobte der stellvertretende Bezirksvertreter West des Blasmusikkreisverbands.

Engagement Für zehnjährige Tätigkeit ehrte Hubert Stoll Christoph Grab, Laura Keller und Sebastian Lang mit der bronzenen Ehrennadel des Blasmusikkreisverbands. Die silberne Ehrennadel für 20 Jahre aktives Musizieren bekam Daniela Fiderer angesteckt. Schon auf 30 Jahre aktives Musikerleben schauen Christian Frankenhauser, Herbert Hauler, Oliver Neubrand und Claudia Pfender zurück, die für ihre Treue mit der goldenen Ehrennadel und einer Urkunde ausgezeichnet wurden. Langjährige Stützen des Vereins sind Heidi Huber, Roland Neubrand, Joachim Pfender und Roland Ziegler, die für 40-jährige aktive Tätigkeit die goldene Ehrennadel mit Brief entgegennehmen durften. Alle Geehrten wurden mit ihren vielfältigen Aufgaben und ihrem Engagement zum Wohle des Vereins ausführlich vorgestellt.