Moment mal Die Sache mit dem Dialekt

HONORARFREI - Schiefrtafel, Tafel aus Schiefer, Gerorg Hauser Verlag, "Schule und was dahinter steckt" Hr. Mack, 50693206, © Maceo - Fotolia.com
HONORARFREI - Schiefrtafel, Tafel aus Schiefer, Gerorg Hauser Verlag, "Schule und was dahinter steckt" Hr. Mack, 50693206, © Maceo - Fotolia.com © Foto: Maceo/Fotolia.com
Region / thv/rei 14.09.2018

Es war eine gute Kindheit, vor ein paar Jahrzehnten im bayerisch-schwäbischen Altenstadt/Iller. Die Welt war noch ein festes Gebäude, alle sprachen noch dieselbe Sprache. Wollte man Marmelade aufs Brot, bat man um Marmelade. Doch das änderte sich nach dem Schulwechsel, als sich mit – von der anderen Illerseite stammenden – neuen Mitschülern fremde Begriffe einschlichen. Das fiel auf, als am Frühstückstisch plötzlich etwas gefragt war, was weniger nach Genuss klang als eher nach verschlucktem Meerwasser: „Gsälz.“ Der Kumpel führte mehrere solche Absonderlichkeiten in seinem Sprachschatz. Die Übersetzung des bayerisch-schwäbischen „G’wands“ hörte sich irgendwie tierisch an, jedenfalls höchst sonderbar: „Häs“. Mit der Jugend wuchs dann aber die Toleranz gegenüber Anderssprachigen und die Erkenntnis, dass die Iller offenbar nicht nur eine Grenze zwischen Bundesländern, sondern auch eine Sprachgrenze bildet.

Im Wahlkampf will man sich auf der bayerischen Seite wieder mehr um den Dialekt kümmern. Ministerpräsident Markus Söder kündigte zu Schulbeginn eine Initiative an: „Sie alle wissen, dass Dialekt intelligenter macht“, so Söder. Der Dialekt soll also künftig in den Lehrplänen für Realschule und Gymnasien verankert werden – wohl in der Hoffnung, dass die Intelligenz sprieße. Dabei verwundert es, dass vor nicht allzu langer Zeit der Dialekt an einigen bayerisch-schwäbischen Schulen gar nicht gut für die Noten war – das belegt die Erfahrung aus der 8. Klasse einer vertrauenswürdigen Kollegin: Weil sie von „Augschburg“ statt von „Augsburg“ im Deutschreferat sprach, gab es eine schlechtere Bewertung – obwohl als echter bayerischer Schwabe „Augschburg“ völlig korrekt ist. Jetzt also Kehrtwende in der Dialekt-Politik. Wir in der Moment mal-Redaktion fragen uns da: Wie soll der Dialekt dann in Prüfungen getestet werden? Müssen sich Zugezogene mit sperrigen Worten wie Herrgottsbscheißerle abmühen, gar ganze Gedichte in Mundart rezitieren? Das will wirklich keiner hören. Und sollen die Illerüberquerer etwa ihre Herkunft verleugnen? Überhaupt: Soll doch jeder schwätza wie er will – Dialekt verstecken oder vortäuschen, des klappt eh ned.

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