Umwelt Trinkwasser: Bio gegen Nitratbelastung

Scharenstetten / Lukas Wetzel 22.03.2018
Im Wasserschutzgebiet Donauried steigt die Nitratbelastung teilweise. Öko-Landwirtschaft kann Grundwasserschutz bieten.

Zu viel Nitrat im Trinkwasser schadet der Gesundheit. Das sagt Bernhard Röhrle, Pressesprecher der Landeswasserversorgung (LW), im Gespräch auf dem Demeter-Hof des Landwirts Friedhelm Gansloser in Scharen­stetten. In Baden-Württemberg gehe zwar seit 1988 der Anteil des Salzes im Grundwasser auf 75 Prozent der Landesfläche zurück – nicht aber im Wasserschutzgebiet Donauried-Hürbe. „Dort haben wir zum Teil steigende und anhaltend hohe Nitratwerte“, sagt Röhrle. Die Wasserschutzgebiete Donauried-Hürbe und Egautaul versorgen gemeinsam rund drei Millionen Menschen mit Trinkwasser.

Teuer und aufwendig ist es laut Röhrle, Nitrat aus dem Wasser zu entfernen. „Um bis zu 60 Prozent könnte sich der Wasserpreis für die Kunden dadurch erhöhen. Daher verfolgen wir einen vorausschauenden Grundwasserschutz. Es darf gar nicht erst zu Belastungen kommen.“

Was aber tun? Der „ideale Fall, die Verhältnisse zu verbessern“ ist für Sprecher Röhrle die ökologische Landwirtschaft. Denn das Nitrat im Donauried stamme zu 87 Prozent aus der Landwirtschaft, zu elf Prozent aus Abgasen und zu zwei Prozent aus Kläranlagen. Ökologische Landwirtschaft habe im Vergleich zu der konventioneller Art wiederum einen geringeren Stickstoff-Einsatz. Der Hintergrund: Stickstoff wird im Boden zu Nitrat und sickert ins Grundwasser.

Durch den Kunstdünger, den konventionelle Landwirte verwenden, kämen „weitere Nitrate ins System“, sagt Landwirt Gansloser. Er hat 2009 auf Demeter umgestellt – und seit 2011 eine Humus-Steigerung von 0,5 Prozent, was eine starke Zunahme sei. Humus ist ein besonders fruchtbarer Bestandteil des Erdbodens. Hat man viel davon, müsse „man weniger düngen“.

EU-Klage gegen Deutschland

„Um etwas zu verändern, muss man Transparenz schaffen“, sagt Bernhard Röhrle. Zwei Bilanzen legen Nährstoffdefizite und -überhänge auf Höfen offen: die für jeden Landwirt verpflichtende Feld-Stall-Bilanz und die freiwillige, aufwendigere, dafür aber verfeinerte Hoftorbilanz. Die Anfertigung einer Bilanz reiche aber nicht, sagt Röhrle. Es müsse mehr Kontrollen geben. „Die Landratsämter müssen die Feld-Stall-Bilanzen unter die Lupe nehmen und kritische Betriebe herausarbeiten.“

76 Kilogramm Stickstoff kämen im Donauried auf ein Hektar landwirtschaftliche Fläche, sagt Röhrle. „Das neue verschärfte Düngegesetz sieht aber nur 50 Kilogramm vor.“ Wegen zu hoher Nitratwerte hat die EU 2016 Klage gegen Deutschland eingereicht, was „nicht von ungefähr“ komme: „Der Landwirtschaft wird ein breiter gesetzlicher Rahmen gesetzt. Manche Betriebe reizen das aus.“ Es bedürfe einer weniger intensiven, umweltschonenden Landwirtschaft.

Der EU-weite Grenzwert liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser. Die Landeswasserversorgung hat sich einen Wert von unter 30 Milligramm zum Ziel gesetzt. Im Donauried beträgt der Nitrat-Anteil im Schnitt laut Röhrle aber 35 Milligramm pro Liter, 1930 waren es gerade mal 15 Milligramm. Grund für den horrenden Anstieg: „Wir haben auf der Schwäbischen Alb eine zu intensive Landwirtschaft, dafür dass die Böden hydrogeologisch sehr sensibel sind“, betont Röhrle. Die Ackerflächen wiesen eine geringe Bodenmächtigkeit auf. Heißt: Es gibt keine Zwischenschichten wie Lehm. Niederschlag wird so schnell zu Grundwasser und trägt auf dem Weg nach unten Stickstoff aus.

Die Landratsämter im Alb-Donau- und Ostalbkreis und in Heidenheim sehen dagegen keine Tendenz einer Nitraterhöhung im Donauried. In einer Pressemitteilung schreiben sie:  „Die Nitratwerte steigen im langjährigen Vergleich nicht nachhaltig. Seit Ende der achtziger Jahre pendeln sie in einem Bereich von
30 bis 35 Milligramm Nitrat pro Liter.“ Umsetzungsdefizite beim Grundwasserschutz gebe es nicht.

„Wir kommen den gesetzlichen Kontrollvorgaben voll und ganz nach“ – inklusive denen zu den Feld-Stall-Bilanzen. „Wenn der Landeswasserversorgung die Kontrollen nicht reichen, wäre der Adressat ein anderer, nämlich der Gesetzgeber“, sagt Bernd Weltin, Pressesprecher im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises.

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