Kunst Aus Eiche geschaffen: Ein Hüne am Lonesee

Lonsee / Annika Schleithoff 02.05.2018
Nach harter Arbeit haben die Kettensägekünstler ihre Skulptur vollendet. Am Lonesee steht ein sechs Meter hoher Eiszeitmensch.

Von Anfang an war klar: Am Lonesee sollte ein Kunstwerk enstehen, das mit dem Lonetal und der örtlichen Historie verbunden ist. Etwas ganz Besonderes sollte es werden, denn auf der Insel im Lonesse steht bereits eine Figur des Löwenmenschen. Die Idee, jetzt auch die Entstehung des Löwenmenschen darzustellen, kam von Kettensägekünstler Philipp Schad aus Lonsee. Im August vergangenen Jahres begann die Planung des Projekts  „Steinzeitmensch schnitzt Löwenmensch“, gestern Nachmittag wurde die vollendete Skulptur feierlich der Gemeinde übergeben.

Gespannt warteten hunderte Besucher auf die Enthüllung des Kunstwerkes. Die Idee zur zweiten Skulptur kam vom Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger. Man werde das Aufheulen der Sägen vermissen, sagte er bei der feierlichen Übergabe der Figur an die Gemeinde, die Kettensägekünstler seien allen „sehr ans Herz gewachsen“. Dank des großartigen Engagements aller Beteiligten sei eine „phänomenale und sehenswerte“ Attraktion für den Lonesee geschaffen worden. Aufgrund des historischen Bezugs sei die Holzfigur „das Wahrzeichen am Lonesee“ und neben dem Ursprung der Lone und dem Loneradweg ein weiteres touristisches Highlight in der Region.

Gute Zusammenarbeit im Team

Für Philipp Schad stand schon nach der Fertigstellung des knapp zehn Meter hohen Weltrekord-Bären in der Oberpfalz im vergangenen Jahr (die SÜDWEST PRESSE berichtete) fest, „wir wollen so was nochmal machen“. Daher kam die Anfrage von Bürgermeister Ogger genau zur rechten Zeit. Für die Kettensägekünstler hat sich die schwere Arbeit nun ausgezahlt, „wir sind sehr zufrieden“ mit dem Ergebnis, sagte Schad. Alles habe wunderbar geklappt, berichtete er: Gutes Wetter, immer im Zeitplan, viel Unterstützung und – besonders wichtig – keine Verletzten. Achim Pochert, einer der Künstler, schwärmte von der guten Zusammenarbeit. „Es war fast wie Urlaub und am Tag wurde eben ein bisschen geschnitzt“, sagte er. Er war bereits im letzten Jahr dabei, als der Bär geschnitzt wurde und weiß, dass er sich auf dieses Team „absolut verlassen“ kann. Besonders schön war für ihn und die anderen Künstler das Interesse und die Herzlichkeit der Lonseer. Viele seien sogar mehrmals am Tag vorbeigekommen, um die Fortschritte an der Figur zu beobachten und mit den Künstlern zu sprechen. Das sei eine große Motivation für alle Künstler gewesen, sagte Ludmilla Ens, die nebenberuflich in der Werkstatt von Achim Pochert sägt.

Bereits am Samstag  hatten die Künstler alle Interessierten eingeladen, die Skulptur aus nächster Nähe vom Gerüst aus zu begutachten. Auch Hester Rapp von der Leader-Aktionsgruppe Brenzregion war begeistert vom Kunstwerk. Die Leader-Gruppe hatte das Lonseer Projekt einstimmig als förderungswürdig ausgewählt. 14 900 Euro gibt es von der EU, was 60 Prozent der Nettokosten entspricht.

Mobiles Sägewerk zu sehen

Zwischen dem parallel stattfindenden Maimarkt und dem Lonesee herrschte gestern reger Pendelverkehr. Trotz des mäßigen Wetters waren hunderte Besucher gekommen, um die Enthüllung zu sehen. Aber schon am Vormittag wurde rund um die Skulptur viel geboten. Dirk Breitsprecher, der bereits im Februar zusammen mit Schad die Bäume zersägt hatte, führte sein mobiles Sägewerk vor. Die Bedeutung von Schnittschutzbekleidung machte Joachim Binder von Forstbedarf Binder in Urspring deutlich. Beim Einsägen in die Schnittschutzhose bringen die reißfesten Fasern die Säge innerhalb eines Bruchteils von Sekunden zum Stillstand. Auch wenn die „Hose dann hin ist“, Sicherheit gehe vor, sagte Binder. Gemeinsam mit Kollegen zeigte er, wie in sekundenschnelle eine Kette gewechselt und ein Baum entastet werden kann. Auch eine zentimetergenaue Baumfällung wurde den Gästen geboten. Das alles seien Wettbewerbe, „die aus der Praxis kommen“, erklärte Achim Pochert. „So arbeiten Waldarbeiter.“

Kunst aus Holz

Vorbereitung Vor Neujahr wurden acht Eichen mit etwa einem Meter Durchmesser in den Gräflich Fuggerschen Wäldern bei Illertissen gefällt. Die Stämme wogen insgesamt 30 Tonnen und wurden zu quadratischen Blöcken gesägt und anschließend verleimt. Es entstand ein 17 Tonnen schwerer Holzblock mit sechs Metern Höhe.

Zweck In Zukunft sollen beim Steinzeitmenschen am Lonesee „spezielle Veranstaltungen“ stattfinden, verkündet Jochen Ogger bei der Enthüllung des Kunstwerkes.

Medien Im SWR sendet die „Landesschau Baden-Württemberg“ heute von 18.45 bis 19.30 einen Beitrag über das Kunstprojekt am Lonesee.

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