Tourismus Auf den Pfaden der Neandertaler

Lonetal / Patrick Fauß 11.09.2018

Vor mehr als 70 000 Jahren hatten auf dem Aussichtspunkt über der Bocksteinhöhle bereits Neandertaler gesessen und ins weite Tal geblickt. Vor rund 35 000 Jahren taten dies dann auch „moderne“ Steinzeitmenschen, unsere direkten Vorfahren. Ein Gruppe von Wanderern ist nun am „Tag des offenen Geotops“  mit Geograf Günther Krämer zu dem schönen Aussichtspunkt gezogen. Der erfahrene Wanderführer zeigte den Besuchern eine besondere Route, die so nicht auf Wanderkarten zu finden ist.

„Auf dem Weg der Neandertaler von ihrer Wohnstatt zum Petersdom der Steinzeit“, wie Krämer es zusammenfasste. Gestartet war die Gruppe von Lindenau aus zunächst zur Bocksteinschmiede. In dieser Höhle hatten Archäologen zahlreiche Hinweise gefunden, dass die Neandertaler dort Werkzeuge hergestellt hatten. Zum Beispiel Keilmesser oder Speerspitzen. Besonders interessant sei, dass diese nicht nur Steine aus der Gegend bearbeiteten. Sie hatten stabilere Kalksteinsorten herbeigeschafft, wie sie zum Beispiel in der Nähe von Börslingen vorkommen.

Von der Bocksteinschmiede ging es steil den Berg zur vorzeitlichen Wohnunterkunft, der Bocksteinhöhle, hinauf. In der 15 Meter auf 20 Meter großen Felsenhalle sind 50 000 bis 70 000 Jahre alte Funde ausgegraben worden. Die Bocksteinhöhle ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

Die großzügige Höhle mit Öffnung zum Tal war nacheinander von Neandertalern und modernen Menschen bewohnt worden. „Begegnet sind sie sich wahrscheinlich aber nicht“ erläuterte Krämer. Am schönen Aussichtspunkt über der Bocksteinhöhle gönnte sich die Wandergruppe eine Rast. Krämer nutzte die Zeit dort für einen Ausflug in 150 000 Millionen Jahre erdgeschichtlicher Entwicklung der schwäbischen Alb. Die folgende Wanderetappe führte zum Hohlenstein. Dort war die mehr als 30 000 Jahre alte Statue des Löwenmenschen gefunden worden, die nun in Ulm im Museum aufbewahrt wird. Das etwa 30 Zentimeter große Werk ist eines der ältesten Kunstwerke der Menschheit. Und hatte wohl religiöse Bedeutung. Deshalb werde die Höhle auch „Petersdom der Steinzeit“ genannt, wie Krämer erläuterte. Der genaue Fundort war die Hohlenstein-Stadel-Höhle, aus dem heute eine Kopie des Löwenmenschen auf die Besucher blickt. Die Höhle ist ebenfalls Teil des Weltkulturerbes.

Zu den Hohlenstein-Höhlen zählen außerdem noch die Bärenhöhle, in der zahlreiche Skelette von eiszeitlichen Höhlenbären gefunden worden waren. Und die „kleine Scheuer“. Diese Höhle reicht nur wenige Meter tief in den Fels hinein. Im Bereich der Hohlensteinhöhlen sind außerdem auch Knochen von um 4000 vor Christus bestatteten Menschen gefunden worden.

Die Hohlenstein-Stadel-Höhle wurde nach archäologischer Untersuchung wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, zugeschüttet und mit einem gusseisernen Gitter gesichert. Krämer: „Dort liegen 60 000 Jahre Menschheitsgeschichte drin.“

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