Werner Fahrnberger und Sybille Ritzkowsky. Das sind zwei Namen, die man sich in den nächsten beiden Jahren merken sollte. Er ist der Gesamtprojektleiter, sie ist eine der zahlreichen Bauleiterinnen und Bauleiter für den Ober- und Gleisbau der rund 60 Kilometer langen Bahn-Neubaustrecke von Wendligen nach Ulm. Die Tiefbauarbeiten zwischen Ulm und Merklingen sind, bis auf ein paar Kleinigkeiten, abgeschlossen, informierten die beiden Österreicher den Merklinger Gemeinderat. „Wir sind die Neuen, wir machen dort weiter, wo die anderen aufgehört haben“, sagte Fahrnberger, der sich zusammen mit Ritzkowsky dem Gremium vorstellte. Beide freuen sich auf eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit“. Ihre Büros befinden sich in den Containern zwischen den Autobahnausfahrten Merklingen und Hohenstadt.

240 Millionen teure Arbeiten

„Arge BSA“ ist die Abkürzung der Arbeitsgemeinschaft der beiden österreichischen Firmen Rhomberg Bahntechnik und Swietelsky Baugesellschaft. Sie erledigen als Generalunternehmer die rund 240 Millionen teuren Arbeiten, die am 3. Dezember 2018 in Ulm begonnen haben. Dazu zählen unter anderem der Gleisbau, die Ausstattung der Tunnels, der Bahnstrom und die Telekommunikation. „Wir sind für die vollständige Bahntechnik, den Oberbau, vom nackten Tunnel bis zum fahrenden Zug, verantwortlich“, sagte Sybille Ritzkowsky. „Wenn alles nach Plan läuft, sind wir mit unserem Streckenabschnitt GU 4 Ende 2020 fertig“, fügte Fahrnberger hinzu. „Wenn wir fertig sind, fahren die Züge.“ Noch keine planmäßigen, sondern nur die, die einmal vor der offiziellen Inbetriebnahme die Strecke auf Herz und Nieren testen. Die „Arge BSA“ übernimmt auch die Koordination der durch die Deutsche Bahn selbst beauftragten Gewerke, wie zum Beispiel Oberleitung, Leit- und Sicherheitstechnik, Bahnfunk und Ortssteuereinrichtungen. Inzwischen stehen zwischen Ulm und Merklingen bereits 600 Oberleitungs- und Stahlgittermasten, an die im kommenden Jahr der 15 000 Volt-Fahrdraht angeschlossen wird. Auf dem gesamten Streckenabschnitt werden es einmal 1200 Masten sein, erläuterte Fahrnberger.

Verlegung der Gleise von Ulm nach Hohenstadt

Auch die 120 Meter langen Schienenstücke liegen bereits bis zum Merklinger Tunnel zum Verbauen bereit. Insgesamt benötigt man zwischen Ulm und Wendlingen 240 Kilometer Schienen. Die Hälfte davon verläuft in den elf Tunnels, die auf der 60 Kilometer langen Strecke gebaut wurden. Im Mai oder Juni beginnt die Verlegung der Gleise von Ulm nach Hohenstadt. Im kommenden Jahr sind dann die Schienen in der entgegengesetzten Richtung an der Reihe. Die Verlegung von Hohenstadt nach Wendlingen erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. Für den rund 30 Kilometer langen Abschnitt von Ulm nach Merklingen wurden bislang 7200 Tonnen Schienen auf einem Tiefladeranhänger transportiert und entlang der Strecke abgeladen. Das Fahrzeug fuhr nicht auf der Straße, sondern auf der ICE-Trasse. Die Gleise werden, nicht wie sonst üblich, auf einem Schotterbett liegen. Nein, diese Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf der die ICE-Züge eines Tages mit 250 Stundenkilometern über die Alb rauschen sollen, erhält eine Spezialform des Gleisoberbaus. Dabei handelt es sich um eine Betonfahrbahn, die im Fachjargon als „Feste Fahrbahn“ bezeichnet wird. Dieses Verfahren ist zwar teurer, aber langlebiger, sagte Fahrnberger. Die Lebensdauer betrage mehr als 60 Jahre. Außerdem sei der Instandhaltungsaufwand minimaler als im Schotteroberbau.

Rettungszufahrt gewährleistet

Einzigartig in Deutschland sind die Befahrbarkeitsplatten links, rechts und in der Mitte der Schienen, die in jenen vier Tunneln verlegt werden, die länger als einen Kilometer sind. Im Einzelnen sind das der Albabstieg-, der Steinbühl-, der Boßler- und der Albvorlandtunnel. Sollte es einmal zu einem Unfall kommen, können die Rettungskräfte wie auf einer Straße zum Zug und möglicherweise verletzten Passagieren fahren. Apropos Tunnel. Die „Arge BSA“ installiert dort auch die Beschilderung, die Lüftung, die Stromversorgung, die Beleuchtung, die Weichenheizung und vieles mehr. Insgesamt werden 24 Weichen und Kreuzungen verbaut, acht davon im künftigen Merklinger Bahnhof. Im Gegensatz zu den Tiefbauarbeiten, die den Merklingern „viel Dreck und Schwerlastverkehr beschert haben“ (Bürgermeister Sven Kneipp), werden die Bürger von nun an von den Arbeiten der Arge BSA vergleichsweise wenig mitbekommen. „Wir nutzen in erster Linie die ICE-Trasse, wie bereits bei den Schienen, als Zu- und Abfahrt der Baustellenfahrzeuge“, versprach Gesamtprojektleiter Fahrnberger.

Bahnhof mit acht Weichen


Feier Die offizielle Grundsteinlegung für den Bahnhof in Merklingen findet am Samstag, 30. März, um 10 Uhr statt. Zur Feier kommt Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann. Der Bahnhof erhält zwei Strecken- und zwei Bahnhofsgleise. Von den acht dort verbauten Weichen sind vier so genannte Schutzweichen für den Notfall.

Baustart Die Arbeiten für die Gleise, die Oberleitung und die Verkabelung beginnen im Herbst oder im Winter dieses Jahres. Für den Bahnhof selbst und die Fußgängerbrücke ist die „Arge BSA“ nicht zuständig. Diese Arbeiten erledigen andere Firmen.