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Hans Scholl Sophie Scholl
Langenau / Barbara Hinzpeter  Uhr

Grandioses Stück, grandios gespielt.“ Wolfgang Faul, Vorsitzender der Naturfreunde Langenau, war sichtlich beeindruckt. Die Naturfreunde waren Mitveranstalter eines aufrüttelnden Theaterabends im Pfleghof, zu dem gut 60 Zuschauer gekommen waren. Traditionell gestalteten der Initiativkreis 8. Mai, die Ökumene und die Naturfreunde Ende Januar gemeinsam das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, sagte Wilmar Jakober vom Initiativkreis 8. Mai.

Erstmals sei dazu eine Gruppe von außerhalb eingeladen worden: Die Theaterwerkstatt Ulm gastierte mit dem Stück „Es lebe die Freiheit“. Verfasst haben es Elvira Lauscher, Jörg Neugebauer und Thomas Laengerer, der auch Regie führt, zum 100. Geburtstag von Hans Scholl. Sie zeigen einige Stationen seines Wegs und betten sie ein in Szenen aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“. Sie machen deutlich, wie Verfolgung und die Angst davor den Alltag bestimmen, wie das Gift der Spitzelei und des Misstrauens in Nachbarschaft und sogar in die Familien eindringt.

Das hat Florian Gerstlauer (36) besonders beeindruckt. Es sei gut, dass das Ensemble einmal Sophie Scholls Bruder Hans, der den studentischen Widerstand der Weißen Rose stark geprägt hat, in den Mittelpunkt rückt. „Wir dachten, es müssen irgendwie Ulmer sein, die etwas zu seinem 100. Geburtstag am 22. September 2018 machen“, sagte Regisseur und Mitautor Thomas Laengerer. Weil es noch kein Stück über Hans Scholl gab, hätten sie selbst eins geschrieben und es mit den „sehr heutigen“ Brecht-Szenen kombiniert.

Aktuell sei das Thema ohnehin. Die Premiere des Stücks sei just in die Zeit der rechtsextremen Krawalle in Chemnitz gefallen. Da sei er froh gewesen, etwas zu haben, das man dieser Stimmung entgegensetzen kann, erzählte der Regisseur. „Denn man fragt sich ja, was man selbst tun kann.“ Mit dieser Frage setze sich auch das Ensemble laufend auseinander.

Im Stück sagt Hans Scholl, als er 1937 aus dem Gefängnis kommt: „Ich verstehe die Menschen nicht mehr. Überall diese maßlose Begeisterung.“ Zunächst hatte er Karriere gemacht in der Hitlerjugend, war dann aber wegen seiner Nähe zur bündischen Jugend angeklagt und verhaftet worden. Die Schauspieler referieren die Entwicklung vom HJ-Führer zum Widerstandskämpfer einerseits anhand biografischer Daten. Wie es dazu unter dem Eindruck von Krieg und Gewalt kam, machen schlaglichtartig die Szenen deutlich, die sich auf dem mit Weiße-Rose-Flugblättern ausgelegten Boden abspielen.

Das Stück bricht ab

Sie zeigen einen sensiblen, nachdenklichen, immer entschlosseneren Hans (glänzend dargestellt von Julian Schmid) in der Familie, mit Freundinnen, als Soldat mit seinem Mitstreiter Alexander Schmorell sowie als Student und Mitbegründer der Weißen Rose.

Der Zuschauer weiß, dass es in der Katastrophe endet, als Hans und Sophie im Februar 1943 aufbrechen, um das sechste Flugblatt in der Münchner Uni auszulegen. Das Stück bricht an dieser Stelle ab. Die Schauspieler zeigen das Furchtbare nicht, sondern stattdessen die Flugblätter der Widerstandsgruppe und Plakate mit der Aufschrift „Freiheit“.

Als Zuschauerin komme sie nicht umhin, sich zu fragen, wie sie sich selbst in den dargestellten Situationen verhalten hätte, sagte Nadine Weiß-Heinemann. Sie ist selbst Laien-Schauspielerin und war sehr begeistert von Stück, Inszenierung und den Akteuren. Ebenso ging es Malin Oppotsch. „In der Schule wird der Nationalsozialismus jedes Jahr durchgekaut.“ Als Schüler empfinde man das als überstrapaziert. Aber das Theaterstück habe ihr die Zeit und die Problematik nahegebracht, sagte die 20-Jährige. Ihre Meinung: „Das ist viel effektiver.“