Feldstetten SAM trotz Insolvenz stabil

Bei der Firma SAM werden hochwertige Dachreelings und Zierleisten für die Automobilindustrie hergestellt. Trotz Insolvenz ist die Auftragslage stabil.
Bei der Firma SAM werden hochwertige Dachreelings und Zierleisten für die Automobilindustrie hergestellt. Trotz Insolvenz ist die Auftragslage stabil. © Foto: Sontheimer
Feldstetten / Von Thomas Hehn 03.12.2018
Trotz Insolvenz laufen die Geschäfte beim Automobilzulieferer SAM stabil. Es wurden sogar 100 Leiharbeiter übernommen. Auch Käufer sind in Sicht.

„Der Patient atmet, er röchelt nicht.“ Manuel Schäfer von der IG Metall, die um den Erhalt der Arbeitsplätze beim insolventen Unternehmen Süddeutsche Aluminium Manufaktur (SAM) kämpft, ist zuversichtlich, dass der Automobilzulieferer noch die Kurve kriegt und nicht komplett abgewickelt wird. „Die machen einen guten Job“, lobt der Gewerkschafter das Team um Insolvenzverwalter Dr. Holger Leichtle, der inzwischen erfahrene Sanierer aus der Automobilbranche ins Boot geholt hat, um SAM wieder fit für den Markt – und damit auch interessant für Investoren zu machen. Mögliche Bewerber würden auch „schon massiv durch die Firma geführt“, weiß Schäfer. Der Insolvenzverwalter geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt einen Verkauf von SAM „eventuell bis zum Jahresende“ in Aussicht, wie Sprecher Ingo Schorlemmer vom Stuttgarter Anwaltsbüro Schultze & Braun erläutert.

Ihr erstes Ziel haben die Sanierer bereits erreicht: Die Geschäfte bei SAM laufen stabil weiter. Zulieferer wie Kunden halten offenbar weiter zur Stange. „Es gab keinen nennenswerten Einbruch“, betont Schorlemmer. Den Produktionsausfall nach dem Brand in der Eloxalanlage im Werk auf den Heidhöfen habe man durch Auslagerungen ins Werk Steinheim sowie an Partner zu kompensieren versucht. Bis der Produktionsrückstau komplett abgebaut sei, werde es aber „sicher noch einige Zeit dauern“.

Keine betriebsbedingten Entlassungen

Auch bei den Beschäftigten gab es Ausfälle. Schorlemmer bestätigt, dass sich etliche Mitarbeiter aufgrund der unsicheren Lage beruflich neu orientiert hätten. Betriebsbedingte Entlassungen habe es aber keine gegeben, betont er. Von der Fluktuation haben vor allem Leiharbeiter profitiert: Rund 100 wurden inzwischen in feste Arbeitsverhältnisse übernommen, weitere 70 sollen demnächst folgen. Somit liegt die Zahl der Beschäftigten weiterhin bei rund 1400. Die Zahl der Leiharbeiter ist dagegen von rund 450 zu Beginn des Insolvenzverfahrens auf aktuell 374 gesunken.

Die noch verbliebenen Leute bei SAM werden demnächst gespannt auf ihre Kontoauszüge schauen: Am 31. Oktober lief das von der Agentur für Arbeit nach dem Insolvenzantrag im August (die GZ berichtete) drei Monate lang garantierte Insolvenzausfallgeld aus. Den Lohn für November muss das Unternehmen damit erstmals aus der eigenen Kasse zahlen. Ein Mitarbeiter steht dann auf jeden Fall nicht mehr auf der Gehaltsliste: Holger Schwab, erst im Juli als CEO (Chief Executive Officer und damit oberster Leiter des operativen Geschäfts) in die Chefetage von SAM gewechselt, hat das Unternehmen zum 1. November schon wieder verlassen. „Manche haben sich eh gefragt, für was Schwab überhaupt zuständig ist“, wundert sich Gewerkschafter Schäfer. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass Herr Schwab nur Däumchen gedreht hat“, hält Schorlemmer entgegen. Allerdings räumt auch der Sprecher des Insolvenzverwalters ein, dass man mit Peter Markowsky, Dirk Fischer, Insolvenzverwalter Leichtle – und Schwab – gleich vier Geschäftsführer auf einmal bei SAM gehabt habe und das vielleicht doch etwas zu viel gewesen sei. „Außerdem ist ein schlanker Vorstand auch ein Sig­nal an den Investor.“

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