„Gerne würde ich das tolerante und weltoffene Erbach-Dellmensingen, in dem rechtes Gedankengut (k)einen Platz hat, besuchen und das Gespräch mit Ihnen suchen.“ Das schreibt Daniel Strauß, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti & Roma in Baden-Württemberg, in einem Offenen Brief an Erbachs Bürgermeister Achim Gaus.

Strauß beruft sich in dem Schreiben auf den Pressetermin der Stadt am Dienstag, in der Gaus, Ortsvorsteher Reinhard Härle und Orts- und Stadträte den Vorwurf eines der Angeklagten im Fackelwurf-Prozess entkräften wollten, der Erbacher Teilort Dellmensingen sei „ziemlich rechtsorientiert“. Strauß verweist zudem auf die Aussage eines Kripo-Beamten am Dienstag vor Gericht. Der sprach von sich widersprechenden Aussagen des Ortsvorstehers. Härle soll nach Ankunft der Roma-Familien Druck auf den Verpächter der Wiese ausgeübt, davon gesprochen haben, dass es „zahlreiche Beschwerden gab“, und ihn gefragt haben, wie der dazu kommt, die Wiese zu verpachten. Bei der Polizei habe sich Härle nicht an solche Äußerungen erinnert, sagte der Kripo-Beamte – und bezeichnete Härles Erinnerungslücke als „mit Sicherheit nicht glaubhaft“.

„Motivation zur Tat“

„Der Verband fragt sich, ob der gesellschaftliche Druck und die antiziganistischen Ressentiments der Dorfgemeinschaft die Angeklagten zur Tat motiviert haben“, heißt es in dem Offenen Brief weiter. Die fünf Beschuldigten – die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihnen versuchten Mord und versuchte schwere Brandstiftung vor – sagten vor Gericht, politisch rechts eingestellt zu sein, mehrfach fiel der Begriff „rechts offen“. Auf Handys einiger der Angeklagten fanden Ermittler Texte, Fotos und Videos mit teils rechtsextremistischen Äußerungen.

Der Verband will nun mit der Stadt einen Gesprächstermin suchen.