Themen in diesem Artikel

Stuttgart 21
Stuttgart/Berlin / David Nau  Uhr
Ab 2030 soll die Bahn nach einem besseren Fahrplan fahren. Der Stuttgarter Tiefbahnhof S21 ist darauf aber nicht ausgelegt.

Alles sollte besser werden mit dem Deutschland-Takt. Der neue Fahrplan soll nach dem Willen von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bis 2030 für mehr Zugangebote und bessere Anschlüsse sorgen.

Für den Südwesten zeigt ein erster Entwurf des Zielfahrplans nun jedoch, dass der neue Bahnknoten mit dem Stuttgarter Tiefbahnhof einen solchen Fahrplan gar nicht zulässt. Das berichtet der SWR. Aus Richtung Stuttgart könne man Großstädte wie Darmstadt, Heidelberg, Mainz, Nürnberg oder Zürich nicht wie geplant im Halbstundentakt anfahren, so der SWR. Dafür sei der Stuttgarter Tiefbahnhof mit acht Gleisen zu klein und die Zahl der Zulaufstrecken zu gering.

Matthias Lieb, Landeschef des Verkehrsclubs VCD, warnt davor bereits seit Jahren. „Jetzt gibt es erstmals den Fahrplanentwurf, der belegt, dass die Infrastruktur nicht ausreicht“, sagte Lieb dieser Zeitung. Von Norden könnten Fern- und Regionalzüge ab Zuffenhausen nur nacheinander in den Tiefbahnhof fahren. „Wenn einer verspätet ist, sind alle verspätet“, sagte Lieb. Aus Richtung Ulm gebe es mit dem Fildertunnel ein ähnliches Nadelöhr.

Er befürchtet deswegen, dass sich Fahrgäste auf lange Umsteigezeiten einstellen müssten. Auf der Fahrt von Tübingen nach Karlsruhe müsse man dem neuen Fahrplanentwurf zufolge 27 Minuten in Stuttgart auf den Anschlusszug warten.

Stuttgarter Bahnhof nicht zukunftsfähig

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) betonte, Kritiker hätten von Anfang an gewarnt, der Bahnhof sei nicht zukunftsfähig. Man müsse nun schauen, wir man den Stuttgarter Bahnknoten leistungsfähiger machen könne: „Besonders dringlich ist das fünfte und sechste Gleis von Feuerbach über Zuffenhausen zum neuen Tiefbahnhof.“

Die Bahn bestreitet „mit Nachdruck“, dass der Tiefbahnhof nicht genügend Kapazitäten für den Deutschland-Takt habe. „Die Leistungsfähigkeit wurde sowohl durch den sogenannten „Stresstests“ als auch mit einer jüngst durchgeführten Eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Untersuchung bestätigt“, teilte ein Bahnsprecher mit.

Das bezweifelt der Bahn-Experte der Grünen, Matthias Gastel: „Der neue Tiefbahnhof ist mit seinen nur acht Gleisen einem integralen Taktfahrplan nicht gewachsen“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Die Bundesregierung verfehle schon bei der Planung ihre Ziele. „Den Fahrgästen in Stuttgart dürfen die Vorzüge des Deutschland-Takts nicht vorenthalten bleiben. Stuttgart 21 braucht zusätzliche Zulauf- und Bahnsteiggleise, um Teil des Konzepts Deutschland-Takt zu werden“, forderte Gastel.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) plädiert für einen sogenannten Kombibahnhof, also Teile des bestehenden Kopfbahnhofes zu erhalten und so den Engpass des Tiefbahnhofs zu beheben. Das will auch der VCD. „Stuttgart 21 ist mit viel zu wenig Gleisen den Anforderungen an die Mobilität von morgen nicht gewachsen“, sagte BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender.

Das könnte dich auch interessieren:

Ein langes Wochenende zu Fronleichnam und das Ende der Pfingstferien stehen an - Autofahrer müssen sich auf volle Straßen einstellen. Auch auf der A8 rechnen Experten mit viel Stau.

Polizisten in Nordrhein-Westfalen wollten bei einem Lkw-Fahrer testen, ob er Drogen konsumiert hatten. Der Test fiel ungewöhnlich aus.