Für den Landesnaturschutzverband ist die Sache klar: Wer sich einen Garten vor seinem Haus spart und stattdessen eine Schotterfläche anlegt, verstößt gegen die Landesbauordnung. Paragraph 9 schreibt vor, dass „nicht überbaute Flächen der bebauten Grundstücke“ Grünflächen sein müssen. „Reine Schottergärten sind illegal“, sagt Gerhard Bronner, der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbands.

„Gemeint sind damit nicht echte Steingärten, in denen zwischen Steinen Wildpflanzen wachsen können und Eidechsen oder Insekten leben“, sagt Bronner. Es gehe um die grauen „Schotterwüsten“, die immer öfter zu sehen sind und immer mehr Grün in den Gemeinden verdrängen: Die Erde einen halben Meter tief ausgebaggert, mit Beton oder Vlies abgedichtet und mit Schotter aufgefüllt.

„Solche Schottergärten sind für Tiere und Pflanzen so attraktiv wie der asphaltierte Parkplatz vor dem Aldi“, sagt Bronner. Die Flächen seien in der Regel biologisch tot, Pflanzen könnten nicht wurzeln und durch die Abdichtung seien die Flächen praktisch versiegelt. Ein paar Thuja- oder Kirschlorbeerbüsche seien nicht mehr als Kosmetik, aber längst keine Aufwertung, weil heimische Tiere mit diesem Grün nichts anfangen könnten.

Hinzu komme, dass die Schotterflächen im Sommer die Sonnenwärme speichern und zum Überhitzen der Städte beitragen. „Schottergärten sind ein Angriff auf die Lebensqualität“, sagt Bronner, „für uns Menschen genauso wie für Pflanzen und Tiere.“ Wenn sich schon Baugebiete in die Landschaft fressen, müsse die Ausbreitung toter Flächen in den Neubaugebieten gestoppt werden. Das Wirtschaftsministerium sollte die Baurechtsbehörden auf die Regelung in der Landesbauordnung hinweisen, fordert der Landesnaturschutzverband, dem 32 Vereine angehören, die sich für den Umwelt- und Naturschutz engagieren. Die zuständigen Ämter der Landkreise und großen Städte sollen so dazu gebracht werden, gegen die Schottergärten in den Kommunen vorzugehen.

Wirtschaftsministerium ist anderer Meinung

 Das Wirtschaftsministerium hält diese Gärten aber „nicht per se für unzulässig“, wie eine Sprecherin sagte. Die Vorschrift zum Anlegen von Grünflächen gelte nur, „soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden“, wie es in der Landesbauordnung heißt. Grundsätzlich könnten sich Eigentümerinnen und Eigentümer also für eine andere zulässige Nutzung der Flächen entscheiden, sagt das Ministerium.

 „Es kann jedoch der Fall sein, dass bauplanungsrechtliche Vorgaben entgegenstehende Festsetzungen enthalten“, so die Sprecherin. „Letztlich hängt es also vom Einzelfall ab, ob ein Steingarten eine zulässige Nutzung der Fläche ist oder ob damit bereits eine unzulässige reine Versiegelung der zu begrünenden Flächen vorliegt.“

Bisher beschäftigen Streitigkeiten wegen der Schotterflächen die Baurechtsämtern im Land nicht: „Beim Landkreistag ist das Thema noch nicht aufgeschlagen“, sagt ein Sprecher des Kommunalverbands. Auch beim Städtetag „war das Thema bisher keins“, sagt Christiane Conzen, die zuständige Referentin. Bei den nächsten Sitzungen der Arbeitsgemeinschaften von Gartenamtsleitern und Umweltamtsleitern soll es aber besprochen werden.

Hilfreich gegen die Versteinerung der Vorgärten wäre ein ­Verbot in städtischen Bebauungsplänen, sagt Naturschutzverbandschef Bronner. „Es gibt ­Kommunen, die das machen.“ Heilbronn zum Beispiel: 2015 wurden erstmals im Bebauungsplan für den neuen Stadtteil Neckarbogen „lose Material- und Steinschüttungen“ verboten. Zwei weitere Neubaugebiete kamen seither hinzu. Das soll nicht alles sein: „Dort, wo es rechtlich möglich ist, wollen wir das auch in Zukunft gewichtig in den Bebauungsplänen platzieren“, sagt Bernd Volkert, Stadtplaner beim Heilbronner Planungs- und Baurechtsamt. „Als klares Signal an Bauherren, dass Schottergärten nicht gewünscht sind.“ Schließlich sollen durch Steinschüttungen „nicht ganze Straßenzüge verschandelt werden“.

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Hektar pro Tag – das war 2017 der Flächenzuwachs für Siedlung und Verkehr  im Südwesten. 1997 waren es nach Angaben des Statistischen Landesamtes 12 Hektar täglich. Auch neu angelegtes Grün zählt mit. Wird geschottert statt begrünt, schrumpft dieser Grünanteil.