Motorradlärm, getunte Autos, laute Züge: Der Lärmschutzbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, der Offenburger Abgeordnete Thomas Marwein (Grüne), fordert von der Bundesregierung schärfere Grenzwerte für den Verkehrslärm. Die derzeit für Deutschland geltenden durchschnittlichen Werte von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht seien „deutlich zu hoch“, sagte Marvein nach einem von ihm initiierten Treffen mit Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Fachleute – etwa vom Schweizer Bundesamt für Umwelt, vom Österreichischen Ring für Lärmbekämpfung oder von der Universitätsklinik Essen – empfehlen, die Werte in einem ersten Schritt um fünf Dezibel zu senken. Mittelfristig solle der durch Straßenverkehr verursachte Lärmpegel aber auf weniger als 53 Dezibel am Tag und 45 Dezibel in der Nacht sinken, fordern die Experten in einem in Stuttgart verabschiedeten „Memorandum“.

Die heutigen Werte würden etwa 15 Dezibel über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Oktober 2018 liegen und seien „seit Jahrzehnten überholt“, sagte der Hagener Umweltpsychologe Dirk Schreckenberg.

Adressat der Forderungen des baden-württembergischen Lärmschutzbeauftragten und der Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und der Schweiz ist Berlin. „Wir sehen den Haupthandlungsbedarf beim Bund“, sagte denn auch Christoph Erdmenger, Abteilungsleiter im von Winfried Hermann (Grüne) geführten Verkehrsministerium. Bei Landesstraßen setze Baden-Württemberg bereits auf die von den Fachleuten als ersten Schritt geforderte Grenzwertverschärfung von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel nachts. Der meiste Lärm entstehe aber auf Bundesstraßen.

Marvein sagte, man wolle in der Sache nun das Gespräch mit der Bundesregierung suchen. Vorstellbar sei auch eine Bundesratsinitiative. Dazu müsste aber der Regierungspartner CDU seinen Segen erteilen. Bislang haben sich die Christdemokraten zu der Forderung noch nicht positioniert.