Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann beklagt nachlassenden Erziehungseifer mancher Eltern. „Wir haben eine wachsende Zahl von Eltern, die sich von ihrem Erziehungsauftrag und vom gemeinsamen Wirken mit Lehrern verabschiedet haben“, sagte die CDU-Politikerin im Interview mit dieser Zeitung.

Eltern geben Erziehung teilweise ab

Zwar gebe es sehr engagierte Eltern, die sich aktiv ins Schulleben ihrer Kinder einbrächten, sagte die Ministerin. Sie betonte jedoch: „Aber manche Eltern ziehen sich da auch sauber raus.“ Sie sehe sich zunehmend mit Wünschen konfrontiert, Themen und Aufgaben in den Unterricht aufzunehmen, die eigentlich ins Elternhaus gehörten. Als Beispiele nannte Eisenmann Forderungen, Kinder in der Schule Schwimmen oder Fahrradfahren zu lehren. Zugleich gebe es extrem besorgte Eltern, die schon in der Grundschule Nachhilfe buchten, um Kindern den Weg ans Gymnasium zu sichern.

Darüber hinaus forderten Jugendliche vermehrt von Lehrern, ihnen lebensweltlich-praktisches Grundwissen über Verträge, Versicherungen oder Steuererklärungen zu vermitteln. „Das überfordert Schule irgendwann“, warnte Eisenmann. Es sei „Aufgabe des Elternhauses, junge Menschen in solchen Dingen zu begleiten“.

Eltern als Problem

Umfragen unter Lehrern hatten zuletzt ergeben, dass diese Eltern häufig als Problem wahrnehmen. Laut einer bundesweiten Forsa-Befragung im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung sieht jede fünfte Lehrkraft den Umgang mit Eltern als „größte Herausforderung“; an Grundschulen waren es sogar 32 Prozent. In einer weiteren Forsa-Umfrage für den Verband VBE nannten 21 Prozent der befragten baden-württembergischen Schulleiter Eltern als „größtes Problem an der Schule“.

Eisenmann regte an, die jeweiligen Aufgaben und das Zusammenspiel von Eltern und Schulen stärker zu diskutieren. Sie kündigte eine Reihe von Veranstaltungen an, die erste solle kommende Woche Mittwoch in Ulm stattfinden.

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