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Tübingens OB ist wieder als Ortspolizist tätig geworden. Palmer schildert auf Facebook, wie er am Donnerstagabend einen Verkehrssünder ertappte und anzeigte.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist wieder als Ortspolizist tätig geworden. Am Freitagvormittag berichtete er auf seiner Facebook-Seite, wie er einen Verkehrssünder ertappte und diesen anzeigte. Seinen Post betitelte er mit „Hilfssheriff im Einsatz“.

Palmer berichtet, wie er nach einer längeren Sitzung im Gemeinderat auf dem Heimweg war, als ihm ein Auto auffiel, das mit laufendem Motor auf dem Gehweg hielt. „In solchen Situationen hat mein Vater einfach den Schlüssel abgezogen und mitgenommen“, schreibt Palmer. Es seien jedoch zwei Männer Mitte Zwanzig von einem Sparkassenautomaten gekommen und in das Auto eingestiegen. Palmer habe sie freundlich gebeten, zukünftig den Motor abzustellen. „Das geht Sie nichts an“, sollen die Männer laut Palmer gesagt haben. „Wer sind Sie denn?“. Er habe daraufhin erwidert, so Palmer, dass er der Oberbürgermeister sei.

Verstoß gegen Straßenverkehrsordnung

„Diesmal wollte der Fahrer den Ausweis sehen. Immer noch keine Einsicht, sondern höhnisches Gelächter. Was tue ich also? Ein Foto vom Nummernschild und Anzeige. Halten auf dem Gehweg an der Bushaltetelle im absoluten Halteverbot und Verstoß gegen das Verbot, den Motor unnötig laufen zu lassen“, schreibt Palmer in seinem Post weiter. Ihm sei „völlig egal“, ob das jemand spießig finde: „Wer gegen etwas verstößt und dann wenigstens ein "soll nicht wieder vorkommen" über die Lippen bekommt, erhält von mir ein "Danke" und ein "Schönen Abend". Aber derartige Renitenz kann nur mit Bußgeld beantwortet werden.“

Seinen Post ergänzte er mit einem Auszug aus der Straßenverkehrsordnung. Nach Paragraf 30 ist demnach das „unnötige Laufen von Motoren“ verboten und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Der Facebook-Eintrag hatte bis 11 Uhr am Donnerstag bereits über 470 Likes und an die 120 Kommentare. Die meisten Nutzer äußerten sich in diesem Fall positiv zu Palmers Verhalten.

Doch der Tübinger Oberbürgermeister eckte auch schon oft genug an.

Streit mit Studenten

Mitte November stellte er in Tübingen einen Studenten zur Rede, der ihn angeblich beleidigt haben soll. Er verlangte den Ausweis des Studentens und filmte diesen, um ihn wegen Ruhestörung anzuzeigen. Als Leiter der Ortspolizeibehörde habe er das Recht zu einer Personenkontrolle, sagte Palmer später zum Vorfall.

Der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer kommt nicht aus den Schlagzeilen: Jetzt wirft ihm ein Student vor, ihn ohne Erlaubnis gefilmt zu haben.

Rassismus-Vorwurf

Im April 2018 löste Palmer eine Diskussion wegen einer vermeintlich rassistischen Aussage aus. Auf dem Weg zu einer Veranstaltung der SÜDWEST PRESSE war Palmer ein dunkelhäutiger Radfahrer in der Ulmer Fußgängerzone begegnet; ein Radfahrer, der zu schnell fuhr und ihm Zick-Zack um die Leute herumfuhr – und das mit offenem Hemd und Kopfhörern auf den Ohren. Das regte Palmer offenbar so auf, dass er davon im Rahmen der Veranstaltung mit viel Emphase berichtete. Eine Facebook-Nutzerin hatte ihn daraufhin angeschrieben und löste eine hitzige Diskussion auf dem Sozialen Netzwerk aus.

Woran erkennt man einen Asylbewerber? Boris Palmer hat sich dazu auf Facebook geäußert – und wieder für reichlich Irritationen gesorgt.

Die Diskussion um vermeintlich rassistische Aussagen des Tübinger OB Boris Palmer reißt nicht ab. Auch weil er selber nochmal nachlegt.

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