Die Zukunft im Narrenschopf in Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) sieht so aus: Der Besucher setzt sich eine VR-Brille auf, klickt das Programm an, das er sehen möchte, und ist mittendrin in den Anstrengungen starker Männer, den über 30 Meter hohen Narrenbaum in Stockach aufzustellen. Oder er erlebt die „Bach na Fahrt“ in Schramberg so hautnah, dass er befürchtet, nasse Füße zu bekommen. Das sind nur zwei Beispiele für Bräuche, die zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehören. Das Fastnachtsmuseum Narrenschopf richtet sich mit solchen digitalen Angeboten auf seine Zukunft und die Bedürfnisse der Besucher aus. Los geht es im November mit Testläufen.

Die Digitalisierung des Museums, das von der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) betrieben wird, geschieht im Rahmen des bundesweiten Projekts „museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft“. Sechs Museen nehmen an dem Projekt teil, darunter das Deutsche Museum in München und die Staatlichen Museen in Berlin. Das Projekt gilt als „eines der visionärsten Vorhaben in der deutschen Museumslandschaft“, hieß es bei der Vorstellung im Narrenschopf.

Ein Museum für Unausstellbares

Anders als andere Museen, zeigt der Narrenschopf keine Ausstellungsstücke. Er versucht, dem Besucher das schwäbisch-alemannische Brauchtum näher zu bringen. Was nur bedingt möglich ist. „Wir stellen hier aus, was nicht ausstellbar ist“, sagt der überregional bekannte Fastnachts-Experte und Universitätsprofessor Werner Mezger. Die Fastnacht sei etwas Lebendiges, sei mit Gefühlen verbunden. Auch bringe sie so viele Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten zusammen wie kein anderes Fest. Das könne im Museum nur in Spuren dargestellt werden.

Bis jetzt. Mit Hilfe der Digitalisierung soll sich das ändern, soll das Erleben der Fastnacht, das hautnah nur in einem sehr engen zeitlichen Rahmen möglich ist, auf das ganze Jahr ausgedehnt werden. Unter anderem mit den Virtual Reality-Brillen. Geplant ist, dass in den drei Kuppeln des Museums je drei Brillen zur Verfügung stehen. Mit ihnen können sich die Besucher in Umzüge und Bräuche versetzen, die Teil der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sind. Dazu gehören der Brunnensprung in Munderkingen, die Polonaise in Schömberg, die Fastnacht in Elzach. Auch kommen Maskenschnitzer und Schellenmacher zu Wort.

Damit Gruppen die virtuellen Umzüge und Bräuche gemeinsam erleben können, wird im Außenbereich des Museums eine Kuppel aufgebaut, in der die Bilder in einer 360-Grad-Projektion gezeigt werden. Ein Traum von VSAN-Präsident Roland Wehrle ist, die größte Kuppel des Museums für derartige 360-Grad-Vorstellungen auszubauen. „Dafür suchen wir Sponsoren.“

Teil des Projekts ist aber auch der Aufbau eines virtuellen Museums mit Interaktions- und Kommunikationsraum. Das können Interessierte über das Internet „betreten“ und zum Beispiel historisches Bildmaterial in hoher Auflösung „durchwandern“. Sie können ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit der Fastnacht weitergeben. Die werden gesammelt und können als Geschichten in das virtuelle Museum einfließen. Musikalisch Begabte sind aufgerufen, sich an der Formierung einer Fastnachts-Band zu beteiligen. Sie können mit ihrem Instrument ein Stück einstudieren und sich beim Vortragen filmen. Die Videos werden gesammelt und zu einer Musikkapelle zusammengeschnitten. Die Internetseite soll im Januar ins Netz gehen.

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Immaterielles Kulturerbe


Seit 2014 ist die schwäbisch-alemannische Fastnacht von der UNESCO anerkanntes immaterielles Kulturerbe. Das ist ein Grund, warum der Narrenschopf in das Projekt „museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft“ aufgenommen wurde. In der Reihe der sechs Museen, die an dem Projekt teilnehmen, ist der Narrenschopf mit Abstand das kleinste Museum.

Das virtuelle Museum und das „Eintauchen in Fastnachtsbräuche mit VR-Brillen“ sind die zwei Module, die der Narrenschopf in dem Gemeinschafts-Projekt umsetzt. Sie werden mit einer Million Euro vom Bund gefördert. Bis April 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein. wal