Um die Bahn, es spricht sich herum, steht es nicht zum Besten. Man könnte von unruhigem Fahrwasser sprechen, wenn es nicht so ein metaphorischer Fauxpas wäre. Investitionsstau, Verspätungen, Personalmangel, eine Krisensitzung jagt die nächste. Was bleibt da noch, um wackeren Bahnern ein Leuchten in die Augen zu zaubern?

Der quasi letzte Quell guter Nachrichten sind die Kelchstützen für Stuttgart 21: jene geschwungenen Kunstwerke aus Beton und Licht, die im Nebenjob das Dach tragen – und den unterirdischen Bahnhof unweigerlich in den Rang eines Weltwunders erheben. Während von den hängenden Gärten zu Babylon nur noch Staub übrig ist, verfolgt die atemlose Öffentlichkeit seit Jahren das Werden der 28 Kolosse von Stuttgart. Vom Konzept ihres Schöpfers Christoph Ingenhoven bis zu Guss, Verschalung und Enthüllung: Die Welt staunt. Billig ist das nicht, das war in Babylon nicht anders: 2,8 Millionen Euro pro Kelchstütze fallen an, das Doppelte herkömmlicher Säulen.

Das soll die Freude nicht trüben. So wie man Flächen in Fußballfelder umrechnet, wird die Kelchstütze bald zur allgemeinen Bezugsgröße werden, in Sätzen wie: „Der neue Transfer kostet den VfB die Rekordablöse von 12 Millionen Euro – das sind mehr als vier Kelchstützen.“ Wir warten auch auf Aufgaben in Schulbüchern: „Winfried hat 930 Millionen Euro. Wie lange reicht das Geld, wenn er jährlich zwei Kelchstützen kauft? Rechne eine Teuerung von 5 Prozent pro Jahr ein!“ Das Schulbuch wird aber erst 2025 gedruckt.