An Maria Ladenburger erinnern sich noch viele Menschen – nicht nur in Freiburg. Die 19 Jahre alte Medizinstudentin war am Ufer des Flusses Dreisam von einem jungen Afghanen  ermordet worden, der für seine Tat zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Nun hat die Familie  eine Stiftung für bedürftige Studierende gegründet.

Die Maria-Ladenburger-Stiftung will Studenten der Universität Freiburg mit einer Behinderung, plötzlichen Erkrankung oder schwierigen Lebenssituation finanziell unterstützen. Gefördert wird von Wintersemester 2018/19 an nicht nach Leistung, sondern nach Bedürftigkeit.

„Maria studierte Medizin voller Begeisterung, Engagement und Lebensfreude, um als Ärztin für ihre Mitmenschen da sein zu können“, schreiben Marias Eltern Friederike und Clemens  Ladenburger: „Sie war und sie bleibt ein Sonnenschein für ihre Familie, für ihre Freundinnen und Freunde.“ Die Stiftung wolle „das Geschenk ihres Lebens“ an Studierende weitergeben und im Sinne ihrer Tochter ein Zeichen der Mitmenschlichkeit setzen.

Mit Eifer sozial engagiert

Maria Ladenburger war verankert im christlichen Glauben, sie liebte Taizégesänge und diskutierte gerne über Glauben und Gott, erinnert sich ein Freiburger Seelsorger, der sie kannte. Sie war sozial engagiert, wirkte unter anderem bei einem Entwicklungshilfeprojekt des Vereins Weitblick mit. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern dieser Studierendeninitiative organisierte sie Aktionen, um Spenden für die Renovierung einer Grundschule in Ghana zu sammeln.

Aus diesem Engagement kommt die Idee, gezielt ausländische Studierende zu fördern und sie bei der Integration in den Uni-Alltag zu unterstützen. Damit soll ein Kontrapunkt zur Debatte über Flüchtlingskriminalität  gesetzt werden, die in der Folge des Mordes und weiterer  Gewalttaten von Geflüchteten  in Deutschland geführt wurde. Dass sie eine Stiftung gründen wollten, gaben die Eltern einen Tag vor  Verkündung des Urteils gegen Marias Mörder bekannt.

Dass Studierende ausgerechnet in der Stadt, in der ihre Tochter beziehungsweise  Schwester  getötet wurde, gefördert werden, hängt auch mit der engen Verbindung der  in Belgien  lebenden  Familie Ladenburger mit der Stadt im Breisgau  zusammen: Sowohl Marias Eltern als auch die  Großeltern  studierten einst hier an der Universität.

Bis zu 750 Euro monatlich

Die Maria-Ladenburger-Stiftung unterstützt Studierende auf verschiedene Weise, insgesamt mit 20.000 bis 30.000 Euro pro Semester. So steuert sie pro Semester 10.000 Euro für das Projekt Studienstarthilfe bei. Dabei werden Studenten, die  noch am Anfang ihres Studiums stehen,  in der Regel für drei Monate, in Ausnahmefällen länger, mit bis zu 750 Euro monatlich unterstützt. Über die Bedürftigkeit der Kandidaten entscheidet das Studierendenwerk, welches dem Stiftungsvorstand  Vorschläge für Stipendiaten unterbreitet. In Frage kommen Studierende, deren Finanzierung des Studiums noch nicht gesichert ist und die Geld zur Überbrückung brauchen.

Ein Beispiel für Starthilfe-Kandidaten: Ein Student, der schon eine Ausbildung gemacht und die Bafög-Altersgrenze überschritten hat, wartet auf die Bearbeitung seines Stipendium-Antrags. Ein Student, der keinen Kontakt zu seinen Eltern hat, muss monatelang warten, ob er Anspruch auf Bafög hat, weil seine Eltern erst ausfindig gemacht werden müssen. Und ein Iraner, der ein Master-Studium beginnen will, bekommt kein Bafög, weil er schon mehr als 15 Monate im Asylverfahren ist und  nur eine Aufenthaltsgestattung hat.

Außerdem fördert die Maria-Ladenburger-Stiftung ausgesuchte Projekte junger internationaler Wissenschaftlerteams und – in Kooperation mit der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg –  Medizinstudierende, die eine Famulatur (ein für Ärzte vorgeschriebenes Praktikum) in einem Dritte-Welt-Land  machen wollen. „Wir bezahlen zum Beispiel Flug und Unterkunft“, sagt der Stiftungsvorsitzende Michael Lauk.

Die Stiftung laufe sehr erfolgreich: An den Start ging sie mit 100.000 Euro Kapital, das Marias Familie beisteuerte. Inzwischen ist das Stiftungsvermögen auf rund 320.000 Euro angewachsen.

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Familienmitglieder im Vorstand

Die Maria-Ladenburger-Stiftung ist eine von 13 Stiftungen unter dem Dach des Verbands der Freunde der Universität Freiburg. Ihr Vorstand besteht aus fünf Mitgliedern, Vorsitzender ist Michael Lauk, zugleich Vorsitzender des Verbands der Freunde der Universität.

Im Vorstand der Maria-Ladenburger-Stiftung sind auch Mitglieder der Familie vertreten, zum Auftakt haben die Eltern von Maria, Friederike und Clemens Ladenburger, diese Aufgabe übernommen. Später sollen andere Familienmitglieder in diesem Amt folgen. Die Schwestern von Maria beteiligen sich auch an der Gestaltung der Internetseite der Stiftung.