Gruppenvergewaltigung Demos in Freiburg angekündigt – Haftbefehl gegen Hauptverdächtigen

In einem Gebüsch soll eine 18 Jahre alte Frau von mindestens acht Männern vergewaltigt worden sein.
In einem Gebüsch soll eine 18 Jahre alte Frau von mindestens acht Männern vergewaltigt worden sein. © Foto: dpa
Freiburg / Joachim Röderer und Jens Schmitz 29.10.2018

Die Kriminalpolizei Freiburg ermittelt mit Hochdruck und sucht nach möglichen weiteren Tätern, die vor zwei Wochen nahe einer Freiburger Diskothek an der Gruppenvergewaltigung einer 18 Jahre alten Frau beteiligt gewesen sein sollen. Acht Männer sitzen bereits in Untersuchungshaft. Das baden-württembergische Innenministerium hat unserer Zeitung am Sonntag bestätigt, dass gegen den 21 Jahre alten mutmaßlichen Haupttäter bereits vor der Tat ein Haftbefehl wegen eines anderen Delikts vorgelegen hat.

Sieben Syrer und einen Deutschen im Alter von 19 bis 29 Jahren haben die Ermittler bereits im Laufe der vergangenen Woche festnehmen können. Es gibt aber offenbar den Hinweis eines Zeugen, der zum Bekanntenkreis der Festgenommenen zählen soll, dass sich insgesamt bis zu 15 Männer an der Frau vergangen haben sollen. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten dies nicht bestätigen. Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass die Tat insgesamt vier Stunden gedauert haben soll. Auch dazu wollten sich die Ermittlungsbehörden am Wochenende nicht äußern.

Polizei wertet weiter Spuren aus

Die Polizei wertet weiter Spuren aus, darunter soll auch weiteres DNA-Material sein. Zudem hofft die 13-köpfige Ermittlungsgruppe „Club“ auf Aussagen von Zeugen. Denn der Tatort liegt nahe des Ein- und Ausgangs des Clubs Hans-Bunte-Areal im Freiburger Industriegebiet Nord. Nachdem die junge Frau in der Disko wohl unter Drogeneinfluss gesetzt wurde und wehrlos war, wurde sie in das Wäldchen gebracht, in dem sich sonst  Discogäste zum „Vorglühen“ treffen.

Als mutmaßlicher Haupttäter gilt der 21 Jahre alte kurdische Syrer Majd H., der 2014 nach Freiburg gekommen sein soll. Auch viele Familienmitglieder des Mannes leben offenbar in der Stadt. Majd H. soll mehrfach Straftaten verübt haben, unter anderem Körperverletzungs- und Drogendelikte. Es hat laut Innenministerium schon vor dem Vorfall in der Disko einen Haftbefehl gegen den 21-Jährigen  gegeben, der „aus polizeitaktischen Gründen im Zusammenhang mit einer strafprozessualen Maßnahme zeitnah vollzogen werden sollte“, wie ein Sprecher des Innenministeriums auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Ein solches, aus ermittlungstaktischen Gründen gewähltes Vorgehen sei in der kriminalpolizeilichen Praxis nicht außergewöhnlich und nachvollziehbar, so der Sprecher weiter.

Demos angekündigt

Wie es dem Opfer nach der Tat geht, darüber halten sich die Behörden bedeckt. Der jungen Frau ist laut Innenministerium angeboten worden, dass die Polizei den Kontakt zu einer Beratungsstelle in Freiburg herstellt, die auf Opfer sexualisierter Gewalt spezialisiert ist. Die 18-Jährige habe dem Vorschlag zugestimmt und werde seither durch die Fachberatungsstelle betreut.

Der Fall sorgt auch für politische Diskussionen. Der AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple, die Junge Alternative und die Aktionsgruppe „Kandel ist überall“ haben für Montagabend zu einer Demonstration und Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen. Angekündigt sind ebenfalls für die Altstadt auch zwei Gegendemos, deren Teilnehmer sich dagegen wehren wollen, dass die AfD das Verbrechen an der jungen Frau für ihre politischen Zwecke vereinnahme.

Palmer plädiert für „Spurwechsel raus aus Städten“

Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) fordert, die Bewegungsfreiheit gewaltbereiter Asylbewerber mit einer Wohnsitzauflage in „sicheren Landeseinrichtungen“ weitgehend einzuschränken. Der „Spurwechsel raus aus den Städten“ greife dann, wenn Polizei und Kommunen vor Ort Kenntnis von Flüchtlingen haben, die wiederholt Gewaltbereitschaft zeigten, aber keine Integrationsanstrengungen. „Dann kann die jeweilige Kommune einen Antrag beim Land auf Erlass einer Wohnsitzauflage in einer staatlichen Einrichtung stellen.“ Dafür brauche es keine Gesetzesänderung.

Im Gegenzug müsse gut integrierten Flüchtlingen per Stichtagsregelung der „Spurwechsel ins Bleiberecht“ angeboten werden. „Qualifiziert sind alle, die sich nichts zuschulden kommen lassen, Deutsch lernen und einer geregelten Arbeit nachgehen. Egal aus welchem Land sie gekommen sind“, so Palmer. eb

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