Es ist Sonntag gegen 18 Uhr, als in der Rettungsleitstelle ein Notruf eingeht: In der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten auf der Schwäbischen Alb sind zwei Männer eingeschlossen, starkes Hochwasser hat ihnen den Rückweg abgeschnitten. Der Meldende gehört zu einem Outdoor-Unternehmen aus Köngen. Er selbst hatte am Sonntag ebenfalls eine Tour in die Höhle geplant – und aufgrund der steigenden Wasserpegel nach wenigen hundert Metern aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Zum Glück, wie sich herausstellen sollte – die beiden Eingeschlossenen waren Guide und Teilnehmer einer Tour eines anderen Unternehmens, das nicht umkehrte.

Es begann ein großer Rettungseinsatz mit mehr als 90 Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Bergwacht und Höhlenrettung. Die Rettungsaktion zog sich über Nacht hinauszog und dauerte bis Montagmittag an. Mit sinkenden Pegeln konnte gegen acht Uhr der erste Mann, gegen 11 Uhr der zweite Eingeschlossene aus der Falkensteiner Höhle gerettet werden.

Beide waren wohlauf. Für die ehrenamtlichen Helfer war der Einsatz extrem anstrengend. „Das war kein Spaziergang“, stellte Michael Hottinger, Einsatzleiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg, im Pressegespräch unmissverständlich klar.

Die Eingeschlossenen saßen in der „Reutlinger Halle“ fest

Die Eingeschlossenen seien rund 650 Meter hinter dem Höhleneingang in der so genannten „Reutlinger Halle“ festgesessen. Der große Höhlenraum teilt sich in diesem Bereich in zwei Ebenen – einen mehrere Meter hohen Versturz aus Felsbrocken und den Höhlenboden. Auf der Anhöhe sind Menschen selbst bei starkem Hochwasser in der Regel sicher.

Auf dem Rückweg zum Höhleneingang hätte die kleine Gruppe einen so genannten Siphon passieren müssen. In diesem Bereich senkt sich die Höhlendecke über mehrere Meter auf 70 bis 80 Zentimeter herab. Unter normalen Bedingungen gibt es einen Spalt zwischen der Höhlendecke und dem ganzjährig sechs bis acht Grad kalten Wasser, sodass geübte Höhlengänger die Passage ohne Tauchausrüstung passieren können. Durch die starken Regenfälle des Wochenendes war der Siphon am Sonntagabend vollständig geflutet – und mit ihm zwei weitere Passagen auf dem Weg nach draußen.

Retter: Sicherheit hatte Priorität

Entsprechend lange dauert es, bis die Retter zu den Eingeschlossenen vordringen konnten. „In der Höhle rechnen wir die zehnfache Zeit für den Weg“, sagte Hottinger. Für die 650 Meter brauchten die Retter eineinhalb bis zwei Stunden. „Unsere Leute mussten tauchen, sie mussten schwimmen.“

Bereits am Sonntagabend erreichten erste Taucher die beiden eingeschlossenen Männer in der „Reutlinger Halle“. Diese seien teilweise extrem unterkühlt, aber ansonsten wohlauf gewesen, berichtet Werner Gieswein aus dem Team der Höhlenrettung. Die Einsatzkräfte versorgten sie mit Rettungsdecken, warmem Tee und Instant-Suppen.

Es sei nicht darauf angekommen, die beiden Männer möglichst schnell aus der Höhle zu holen, betont Michael Hottinger. Sie seien durch erfahrene Höhlentaucher betreut worden. „Wir haben Zeit“, sagt er. „Bei acht Grad Wasser- und acht Grad Lufttemperatur geht es um die Sicherheit der Person und um nichts Anderes.“ Das Team in der Höhle habe daher gewartet, bis beide Männer ausgeruht und fit genug waren, um den anstrengenden Weg zum Eingang anzutreten – und bis die Pegel sanken. Eine überflutete Passage musste unter Pressluft passiert werden. Dazu bekamen die Männer in der Höhle einen Crashkurs zur Bedienung eines Tauchgeräts. Mit Erfolg.

Nachspiel für Guide

Dennoch dürfte der Einsatz zumindest für den Guide ein Nachspiel haben. Während Michael Hottinger es zurückhaltend formuliert – „für erfahrene Leute war eine Befahrung bei diesem Wetter okay“ – sind andere deutlicher: „Jeder weiß, dass sich diese Höhle schnell mit Wasser füllt, wenn es stark regnet“, sagt der Grabenstetter Bürgermeister Roland Deh. Es sei „nicht besonders schlau“ gewesen, am Wochenende zu einer Tour aufzubrechen.

Falkensteiner Höhle: So viel kostet der Rettungseinsatz

Der Guide, der die Tour führte, habe zwar eine Genehmigung der Gemeinde gehabt. Diese gilt immer für eine ganze Saison und wird nur ausgestellt, wenn ein entsprechender Versicherungsschutz für etwa notwendige Rettungen nachgewiesen werden kann. Nach dem Vorfall will Deh prüfen, ob die Genehmigung des Anbieters wieder entzogen wird. Teuer wird es aber auf jeden Fall: Der letzte Einsatz in der Falkensteiner Höhle im Jahr 2015 habe den Geretteten 15.000 bis 20.000 Euro gekostet.

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Die Falkensteiner Höhle ist eine wilde aktive Wasserhöhle, keine Schauhöhle. Nach Regenfällen kann das Wasser in der Höhle in kürzester Zeit so stark ansteigen, dass der Ausgang versperrt wird. Immer wieder kommt es zu Rettungseinsätzen.