Viel Bling-Bling ist nicht beim Silberschatz von Ellwangen. Am Dienstag wurde er aus dem Tresor geholt und im Landesdenkmalamt in Esslingen präsentiert: ein großer Haufen kleiner Münzen, grün korrodiert, viele zusammengebacken. Dazu ein einzelner Ring mit Stein. Scherben. Ein zusammengefügter Keramikkrug.

Daneben doch noch Glitzer: 100 Münzen hat die Werkstatt des Denkmalsamts inzwischen restauriert. Fast alles silberne Heller aus Schwäbisch Hall mit Kreuz auf der einen und einer Hand auf der anderen Seite. Sie stammen  vom Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts. Damals das gängige Zahlungsmittel. Dazu noch Brakteaten, einseitig geprägte Metallblechmünzen aus Augsburg und Konstanz, ein Denar aus Würzburg.

Entdeckung war nicht alltäglich

Der Silberschatz, bei Ellwangen im Ostalbkreis von Sondengängern aus dem Boden geholt, sei eine „absolute Seltenheit“, sagt Landesarchäologe Dirk Krausse. „Ein beeindruckender Fund“, sagt Claus Wolf, Präsident des Landesdenkmalamts, der größte Münzschatzfund aus der Epoche von 1260 bis 1330 im Südwesten. Auch bundesweit gehöre der Schatz in die „oberste Liga“ der Mittelalter-Münzfunde, sagt Jonathan Scheschkewitz, Fachbereichsleiter beim Denkmalamt.

Die Umstände der Entdeckung waren auch nicht alltäglich: Zwei junge Männer, die mit Sonden nach Munition und Metall aus dem Zweiten Weltkrieg suchten, spürten den Schatz im Sommer 2017 auf – ohne Genehmigung für ihre Suche. Statt den Fund zu melden, teilten sie ihn auf. Erst im Januar 2018 meldete sich dann einer der beiden beim Denkmalamt. Es gab Ermittlungen mit einer Hausdurchsuchung.

Strafbefehle für Entdecker

„Der Sondengänger war sehr kooperativ“, sagt Landesarchäologe Krausse, die Fachleute machten eine Nachgrabung. Durch das unsachgemäße Bergen zuvor seien aber „Fragestellungen für immer verloren“. Etwa die, welche Münzen wie in welchem Behältnis waren.

Die Sondengänger im Alter von 27 und 22 Jahren haben Strafbefehle wegen Unterschlagung mit Geldstrafen „in angemessener Höhe“ akzeptiert. Laut Gesetz werden herrenlose „bewegliche Kulturdenkmale“ in Baden-Württemberg Eigentum des Landes, wenn sie in Grabungsschutzgebieten entdeckt werden oder wenn sie einen „hervorragenden wissenschaftlichen Wert“ haben.

5850 Gramm wiegen die Münzen, rund 9200 sind es. Der Wert? Mit dem Geld konnte man damals einen mittelgroßen Bauernhof samt Land mit guten Böden kaufen, sagt Scheschkewitz.

Ein Unbekannter hat vor bald 700 Jahren sein Vermögen versteckt – und nie mehr ausgegraben. Viel mehr weiß man nicht. Olaf Goldstein, für den Ostalbkreis zuständig beim Denkmalamt, hat aber natürlich nachgeforscht in der Geschichte der Reichsstadt Ellwangen und des Klosters. Kriegszüge, deretwegen  man Schätze in Sicherheit brachte,  gab es in der fraglichen Zeit genug. War ja Mittelalter.

1279 sei beispielsweise die Burg Ellwangen belagert worden. 1350 hätten sich die Ellwanger in der Stadt gegenseitig bekriegt. Der Fund sei aber im Ellwanger „Niemandsland“ gemacht worden, sagte Goldstein, fernab der historisch bedeutsamen Überreste wie etwa des Burgstalls Rinderburg, wo Gerüchte den Silberschatz ganz schnell verorteten.

Genauer Fundort nicht öffentlich bekannt

Wo genau der Fundort auf Ellwanger Gemarkung liegt, damit rücken die Denkmalschützer nicht heraus. Es sollen keine Hobbyschatzsucher animiert werden. „Wir können die Stelle ja nicht 24 Stunden am Tag bewachen“, sagt Präsident Wolf.

Anscheinend sei der Fundort in der Sondengängerszene bereits durchgesickert. „Bodenveränderungen“ rundherum ließen darauf schließen. Raubgräber haben also schon ihr illegales Glück versucht.

Und wer war der Unbekannte? Ein im Fernhandel reich gewordener Kaufmann dürfte sein Geld nicht vergraben haben. Denn dann wären mehr Münzen von weiter weg dabei, nicht nur Heller aus Hall. Allerdings zeigte ein Geländescan der Umgebung der Fundstelle, dass der Schatz an einer einstmals wichtigen Fernhandelsstraße versteckt wurde. Noch heute ist im Untergrund zu erkennen, dass sich dort Hohlwege bündelten. Das ergab sich, wenn sich auf einem Mittelalter-Highway Fuhrwerke neue Fahrwege gebahnt haben.

Im Sommer soll der Schatz in Ellwangen in einer Sonderausstellung im Alamannenmuseum gezeigt werden. Oberbürgermeister Karl Hilsenbeck hatte per Brief ans Landesdenkmalamt das Interesse der Stadt an solch einer Schau signalisiert.  „Das ist eine tolle Sache, dass das klappt mit der Ausstellung“, sagte Stadtarchiv Christoph Remmele, „ich freue mich total“.

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Minuten brauchen die Fachleute, um einen der grün korrodierten Heller zu restaurieren. Das macht für den ganzen Ellwanger Silberschatz fünf Monate Arbeit für einen Restaurator. „Das ist nicht zu machen“, sagt Nicole Ebinger-Rist, Leiterin der Restaurationswerkstatt des Landesdenkmalamtes. Es ist auch nicht nötig: Der Originalzustand der Münzen, zusammengebacken mit Resten feinen Leinenstoffs, ist für die Forscher interessanter.