Die Sommerferien haben begonnen, und viele denken jetzt schon wieder an den Unterricht und fragen sich, wie es mit den Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus in Schulen wohl weitergehen soll. Für Schüler und Eltern in BW, für die ein Mundschutz während des Unterrichts ein Gräuel wäre, gibt es eine vorläufige Entwarnung: Auch nach den Sommerferien soll es in baden-württembergischen Schulen keine Maskenpflicht im Unterricht geben - obwohl es Virologen gibt, die das durchaus empfehlen.
„Ich halte aus pädagogischen Gründen wenig von einer Maskenpflicht im Unterricht“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann zu Überlegungen zur Maskenpflicht in Klassenzimmern. Gerade im Unterricht sei es wichtig, klar kommunizieren zu können. „Stellen Sie sich zum Beispiel mal den Französischunterricht mit Maske vor, das ist schon schwierig“, sagte Eisenmann.

Masken-Pflicht nur in bestimmten Schul-Bereichen

Es gebe allerdings nach den Sommerferien ab Klasse 5 und an den weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auf Bewegungsflächen wie
  • den Schulfluren,
  • der Aula
  • und den Toiletten.
An Grundschulen seien Masken auch nach den Ferien nicht vorgeschrieben, sagte Eisenmann.
Das deckt sich mit der Meinung vieler Menschen in Deutschland. Einer Umfrage zufolge sind 59 Prozent für eine Maskenpflicht in Schulen - allerdings nicht im Unterricht selbst.
Nordrhein-Westfalen hat als bisher einziges Bundesland eine Maskenpflicht auch im Unterricht angekündigt. Wird daraus ein bundesweiter Trend? Susanne Eisenmann jedenfalls bekommt für ihre Haltung von mehreren Seiten Gegenwind.

Virologen empfehlen Maske im Unterricht

Wissenschaftler wie etwa der Charité-Virologe Christian Drosten und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, widersprechen der Lesart Eisenmanns und zahlreicher anderer Kultusminister. In einer Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle empfehlen sie, dass an Deutschlands Schulen von der fünften Klasse an auch im Unterricht Maske getragen wird, wenn nicht ausreichend Abstand möglich ist. Sie sprechen sich zudem dafür aus, „überall, wo dies umsetzbar ist“, kleine feste Kontaktgruppen einzurichten.

Lehrergewerkschaft: Masken bei älteren Schülern vertretbar

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte Eisenmann auf, die Empfehlungen der Wissenschaft umzusetzen. Bei älteren Schülerinnen und Schülern seien Masken zwar vertretbar und konsequent, weil sie eine höhere Infektiosität hätten. „Aber es ist doch nicht nachvollziehbar, dass sie im Klassenzimmer nebeneinander sitzen und miteinander sprechen - und sobald sie aus dem Zimmer rausgehen, müssen sie eine Maske aufsetzen“, sagt die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Mehr Abstand, das sei die beste Variante im Klassenzimmer, sofern die Gebäude diesen zuließen. Die Gymnasiallehrer sind ebenfalls skeptisch: „Eine bessere und preiswertere Lösung wäre es, die rund 1,3 Millionen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte im Land mit Visieren auszustatten“, sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Ralf Scholl.

Das sagt Sozialminister Manne Lucha zu Masken im Klassenzimmer

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) ist zwar kein Freund der Maskenpflicht im Klassenraum, allerdings schließt er eine Pflicht nicht aus: Gebe es Hinweise, dass durch den Unterricht ohne Maske die Zahl an Infektionen steige, müsse man über eine Maskenpflicht nachdenken, sagte er. „Unterricht mit Maske ist immer noch besser als gar kein Unterricht.“

Schüler sind gegen Masken im Unterricht

Und die Schüler? Der Landesschülerbeirat stärkt Eisenmann den Rücken. Mit Maske lasse es sich aus rein psychologischen Gründen und gerade im heißen Sommer nicht angenehm arbeiten, sagt dessen Vorsitzender David Jung. „Das mag zwar nur eine marginale Empfindung sein und dennoch ist sie für uns von großer Bedeutung, weil kommendes Schuljahr noch etwaige Bildungsungleichheiten ausgebügelt werden müssen.“ Dazu müssten die Schüler 100 Prozent ihrer Leistung bringen.

Umfrage: Mehrheit für Masken in Schulen - aber nicht im Unterricht

Eine Mehrheit der Bevölkerung unterstützt einer aktuellen Umfrage zufolge eine Maskenpflicht an Schulen. So halten 59 Prozent der Befragten einen verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz im Schulgebäude und auf dem Schulhof für richtig, nicht jedoch im Unterricht, wie aus einer ARD-Umfrage hervorgeht. Grundsätzlich gegen eine Maskenpflicht an den Schulen sind demnach 13 Prozent.

Stuttgart erhöht Bußgelder für Maskenverweigerer

Unterdessen müssen „Maskenverweigerer“ in Stuttgart künftig ein deutlich höheres Bußgeld zahlen als bisher. „Wird eine Privatperson ohne Mund-Nasen-Bedeckung erwischt, wo sie eine tragen müsste, beträgt die Mindeststrafe jetzt 75 Euro“, teilte die Landeshauptstadt am Donnerstag mit. Bislang lag das Bußgeld bei 25 Euro. Für Menschen im gewerblichen Bereich - beispielsweise für Kellner - liege die Mindeststrafe bei 150 Euro.