Die Slowenen bestimmen die Tour de France. Matej Mohoric hat bei der knüppelharten Marathon-Etappe einen Überraschungs-Coup gelandet, sein Landsmann Primoz Roglic schon vor den Alpen alle Chancen auf den Gesamtsieg eingebüßt. Auf der mit 249,1 km längsten Tour-Etappe seit 21 Jahren nutzte Mohoric seine Chance vor dem ersten Hochgebirgs-Showdown.
„Ich habe mir alle Etappen vor der Tour angeschaut und mich voll auf diese fokussiert. Das war eine gute Idee“, sagte Mohoric im Ziel: „Ich musste mich sehr anstrengen und konnte es bis zum letzten Kilometer nicht glauben.“ Das Gelbe Trikot rettete Mathieu van der Poel erneut mit viel Mut und taktischem Geschick. Der Niederländer war mit Mohoric und 27 weiteren Fahrern auf dem Weg nach Le Creusot früh ausgerissen und kam 1:40 Minuten hinter dem Sieger als Vierter ins Ziel. Damit verteidigte der Etappengewinner von der Mur-de-Bretagne das Maillot Jaune zum fünften Mal erfolgreich. In den Alpen dürfte es der Enkel des großen Raymond Poulidor aber kaum behalten können.
Der dritte Slowene im großen Spiel, Titelverteidiger Tadej Pogacar, schonte im Hauptfeld seine Kräfte. Für Primoz Roglic war hingegen schon das hügelige Terrain zu viel: Der Vorjahreszweite, der schon nach seinem Sturz am Montag Zeit verloren hatte, musste am letzten Berg des Tages abreißen lassen.
Die Anwärter auf den Gesamtsieg lieferten sich im Hauptfeld ein erstes Kräftemessen. Rund 15 km vor dem Ziel attackierte der Ecuadorianer Richard Carapaz (Ineos) und fuhr einige Sekunden Vorsprung auf Pogacar (UAE-Team Emirates) heraus, wurde aber eingeholt. Der Giro-Sieger von 2019 könnte dennoch der größte Widersacher Pogacars in den kommenden Tagen werden. Die Gruppe hatte letztlich 5:15 Minuten Rückstand auf Mohoric, der mit 1:20 Minuten vor dem Belgier Jasper Stuyven siegte.
Im Rennen über die größte Tagesdistanz seit 2000 hatte sich nach rund 40 km eine 29 Mann starke Spitzengruppe gebildet, in der 18 von 23 Teams vertreten waren – ein deutscher Profi war nicht dabei. Auch Roger Kluge, der am Vortag für eine 125-km-Flucht nicht belohnt worden war, hielt sich zurück. „Ich werde dafür bezahlen“, hatte der 36-Jährige angesichts der Ausreißerstrapazen schon vermutet.
Rund 80 km vor dem Ziel löste sich Mohoric mit dem Belgier Brent Van Moer aus der Spitzengruppe und setzte am 635 Meter hohen Signal d‘Uchon die entscheidende Attacke. An der Spitze des Hauptfeldes kontrollierte Pogacars UAE-Team lange das Tempo, ohne aber in letzter Konsequenz der Fluchtgruppe nachzujagen.
Pogacar wusste, dass kein Ausreißer ihm nachhaltig im Kampf um den Tour-Sieg gefährlich werden kann, auch van der Poel wird in den Alpen nicht mithalten. „Es ist unrealistisch, das Trikot in den Bergen erfolgreich zu verteidigen“, hatte der Niederländer schon selbst gesagt. Er hat das Maximum rausgeholt.

Die ersten Berge warten auf den Tross

Vorfreude Die chaotischen Sturz-Etappen hat Emanuel Buchmann ohne Blessuren gemeistert, nun rollt die 108. Tour de France endlich in sein Terrain. „Jetzt freue ich mich, wenn es in die Berge geht“, sagte der Ravensburger, der keine Ambitionen auf den Gesamtsieg hat.
Alpen Am Samstag geht es über drei Berge der ersten Kategorie nach Le-Grand-Bornand.  Einen Tag später wartet die Bergankunft in Tignes.