Das erste Kräftemessen der Favoriten bei der Tour de France geht an Vorjahressieger Tadej Pogacar. Der Slowene gewann das erste Einzelzeitfahren überlegen, beinahe hätte er schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Gelbe Trikot übernommen. Doch was das angeht, lieferte der Niederländer Mathieu van der Poel eine überraschend starke Leistung ab und bleibt acht Sekunden vorn.

Familiengeschichte geschrieben

Damit schreibt der 26-Jährige ein weiteres Kapitel in der Familiengeschichte. Schon als er das Trikot am Montag erstmals überstreifen durfte, hatte er Tränen in den Augen, dachte er doch an seinen 2019 verstorbenen Großvater Raymond Poulidor, dem es trotz aller Erfolge nie vergönnt war, dieses begehrte Trikot zu tragen. Einen Tag lang schaffte es  Adrie van der Poel, Matthieus Vater.
An Pogacar war in der hügeligen Landschaft östlich von Rennes aber nicht vorbeizukommen. Er legte ein phänomenales Zeitfahren hin, verwies nach 27,2 Kilometern den Schweizer Europameister Stefan Küng und den Dänen Jonas Vingegaard auf die Plätze. Der arg lädierte Primoz Roglic büßte auf seinen Landsmann 44 Sekunden ein. Damit nimmt er eine gewaltige Hypothek mit in die am Samstag beginnenden Bergetappen.

Buchmann weit zurück

Dort will Emanuel Buchmann glänzen, kein Spezialist im Kampf gegen die Uhr. „Ich bin soweit zufrieden. Ich wollte nicht zu viel Zeit verlieren, das ist mir gelungen“, sagte der Ravensburger, der 2:28 Minuten langsamer als Pogacar war.
Der Kurs war eigentlich perfekt für Tony Martin, doch der ließ es nach den Stürzen ruhig angehen. Ich habe in den letzten beiden Tagen gemerkt, dass es mir nicht zu 100 Prozent gut geht. Die Stürze haben viel Energie gezogen“, erklärte Martin. Er habe vorgezogen, einen „halben Ruhetag einzulegen, damit die Wunden eine Chance haben zu heilen und mich auch mental zu nullen“. Jetzt wird sich Tony Martin wieder voll in den Dienst von Roglic stellen. Denn auch der Slowene kämpft mit den Sturzfolgen, sogar weit mehr als Martin: Er ist nahezu am ganzen Körper großflächig bandagiert.

Zuschauerin festgenommen

Unterdessen hat die französische Polizei die Zuschauerin in Gewahrsam genommen, die auf der ersten Etappe mit ihrem Pappschild den Massensturz ausgelöst hatte. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Der Französin wird vorsätzliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit vorgeworfen.