Angelique Kerber brauchte inmitten des tosenden Jubels einen kurzen Moment, um ihre nächste Meisterleistung zu begreifen. Ungläubig legte sie sich die Hand vor die Augen – doch dann warf sie strahlend Küsschen ins Publikum, ging in die Knie und schrie ihre ganze Freude heraus. Mit einer weiteren souveränen Vorstellung ist die 33-Jährige in ihr viertes Halbfinale in Wimbledon gerauscht – und nach schwierigen Monaten mit vielen Enttäuschungen ist der sensationelle zweite Titel auf dem „heiligen Rasen“ nach 2018 auf einmal ganz nah.
„Ich genieße jeden Moment hier. Ich bin so glücklich, dass ich wieder im Halbfinale stehe“, sagte Kerber nach dem hochverdienten 6:2, 6:3 gegen die Tschechin Karolina Muchova: „Ich habe die vergangenen Wochen und Monate so hart gearbeitet. Ich habe hier mein Herz auf dem Court gelassen.“

Alexander Zverev braucht eine Auszeit

Alexander Zverev dagegen setzte die nächste Grand-Slam- Enttäuschung sichtbar zu: Müde, abgekämpft und geknickt saß der deutsche Spitzenspieler da, und Erklärungen für sein bitteres Achtelfinal-Aus in Wimbledon mit insgesamt 20 Doppelfehlern wollten ihm erst recht nicht einfallen. Stattdessen sehnte sich der 24-Jährige einfach nach einer Auszeit. „Ich möchte ein paar Tage Pause nehmen“, sagte er: „Ich habe seit der Sandplatzsaison keine freien Tage gehabt, und ich denke, das wird mir gut tun.“
Das nächste Highlight, seine ersten Olympischen Spiele, stehen schon vor der Tür. Für Tokio hat sich der French-Open-Halbfinalist große Ziele gesetzt. Er will unbedingt eine Medaille gewinnen, deshalb tritt er ab dem 24. Juli nicht nur im Einzel an, sondern auch im Doppel an.