Die Kunst der Inszenierung hat Roger Federer auch in seiner einjährigen Pause nicht verlernt. Hier ein Instagram-Post vor dem Abflug, da ein Video von seinem ersten Training in Doha – der 39-jährige Schweizer lässt die Tennis-Welt teilhaben an seinem ersehnten Comeback bei den Qatar Exxonmobil Open in dieser Woche.
Eine komplette Saison hat der Rekord-Grand-Slam-Turnier-Sieger wegen zweier Knieoperationen verpasst. Nun ist er endlich wieder da – die Haare etwas dünner, ein paar Fältchen mehr im Gesicht, aber mit einer fast kindlichen Vorfreude.
Andere freuen sich ebenfalls über Federers Comeback. „Ich denke, dass alle es lieben, ihn Tennis spielen zu sehen. Sogar ich, der eigentlich ein Rivale von ihm ist“, sagt US-Open-Champion Dominic Thiem. „Es sieht so schön, so leicht aus. In gewisser Weise bin ich immer noch ein Fan von ihm.“
Doch wie schön sieht das Federer-Tennis nach dieser langen Pause aus? Wie geschmeidig wirken die Aktionen des Filzball-Künstlers? Antworten auf diese Fragen hat auch Federer nicht. „Zwei Knieoperationen zu haben ist eine große Herausforderung. „Die nächsten fünf Monate werden zeigen, wie mein Knie die Spiele und auch das Reisen verkraftet. Wie es ist, ein paar Tage hintereinander zu spielen.“

Bei Feder ist das Knie der Chef

Zudem muss sich Federer einer Situation stellen, mit der andere schon seit einem Jahr konfrontiert sind: Tennis in Corona-Zeiten. Ob man es glaubt oder nicht, Federer hat noch kein einziges Match während der Pandemie bestritten. Als er Anfang 2020 bei den Australian Open im Halbfinale an Novak Djokovic scheiterte, war die Welt noch in Ordnung. Eine pickepackevolle Rod Laver Arena, elektrisierende Stimmung – das alles gibt es schon lange nicht mehr auf der Tennis-Tour.
Federer geht nicht mit all zu großen Erwartungen ins Turnier, bei dem er nach einem Freilos in der ersten Runde entweder auf Jeremy Chardy aus Frankreich oder Daniel Evans aus Großbritannien trifft. Langsam und behutsam will er sich wieder herantasten. „Nein, nein, nein“, entfuhr es ihm daher bei der Frage, ob er sich in seinem Kopf schon mit dem Siegerpokal auf dem Centre Court sehe.
Dass seine Schläge schnell zurückkommen, davon ist Federer überzeugt. „Für mich ist Tennis wie Fahrrad fahren. Das kann ich“, sagte der vierfache Familienvater, der die viele Zeit mit seinen Kindern genossen hat. „Die Frage ist, wie mein Körper reagiert“, sagte Federer. „Mein Knie bestimmt, wie lange ich noch spiele.“
Immer wieder wurde in seiner Abwesenheit über ein Karriereende der langjährigen Nummer eins diskutiert. Doch für Federer war das kein Thema. „Ich habe das Gefühl, dass die Story noch nicht vorbei ist“, sagte der Schweizer, dem überall die Herzen der Fans zufliegen.
Rafael Nadal und Novak Djokovic werden interessiert verfolgen, was „King Roger“ noch leisten kann. Die großen Drei konkurrieren weiter um die bedeutenden Einträge in die Tennis-Geschichtsbücher. Einen Bestwert ist Federer seit Montag los. Djokovic belegte nun insgesamt 311 Wochen Rang eins der Weltrangliste, eine Woche länger als der Basler. Nun wird Djokovic (18 Majorsiege) versuchen, zu Nadal und Federer (beide 20) aufzuschließen. Das sei gut für den Sport und für die Debatte, welcher der drei Spieler der größte der Tennisgeschichte sei, findet Federer. Doch aktuell gehe es ihm „mehr um meine Gesundheit“, betont der Schweizer.

Frühes Aus für Kerber und Siegemund


Die frühere Weltranglisten-Erste Angelique Kerber ist beim Damenturnier in Dubai erneut früh ausgeschieden. Die 33 Jahre alte Kielerin verlor trotz einer 4:1-Führung im dritten Satz mit 6:3, 2:6, 4:6 gegen die Französin Caroline Garcia. Kerber leistete sich gegen die Weltranglisten-47. zehn Doppelfehler. In der vergangenen Woche war die Linkshänderin in der zweiten Runde von Doha an der Estin Anett Kontaveit gescheitert. Weil auch Laura Siegemund den Kürzeren zog, geht die mit rund 1,8 Millionen Dollar dotierte Hartplatz-Veranstaltung ohne deutsche Beteiligung weiter. Die Metzingerin verlor gegen die erst 19-jährige Russin Anastasia Potapowa 3:6, 2:6.