Rasenheizung in Ulm: „Teurer Flop“ – Die Fußballer des SSV Ulm 1846 hatten schonmal einen beheizten Platz

In der aktuellen Debatte um den Einbau einer Rasenheizung im Donaustadion werden alte Erinnerungen wach: Vor 24 Jahren wurden 1,5 Millionen Euro in die Hand genommen, um den Trainingsplatz zu erneuern und eine Rasenheizung einzubauen.
Wolf ReinerBei der Diskussion um den Einbau einer Rasenheizung im Donaustadion wurden auch alte Erinnerungen wach. Denn so mancher, der die Ulmer Fußballer auch schon zu ihren Hochzeiten verfolgte, wusste noch: Eine Rasenheizung hatte es doch schon einmal in der Friedrichsau gegeben – oder nicht? Falsch liegt der profunde Kenner des SSV Ulm 1846 damit jedenfalls nicht. Auch wenn die Rasenheizung von einst kaum als Beispiel für heute dienen kann.
Einbau 1999: Die Rohre liegen noch unter der Gänswiese
Als „teuren Flop“ betitelte die SÜDWEST PRESSE das Teil, das einst den Trainingsplatz auf der Gänswiese auch im Winter bespielbar machen sollte. Rund 1,5 Millionen Mark wurden im Sommer 1999, nachdem die Spatzen in die Bundesliga durchmarschiert waren, in einen Rollrasen-Platz mit Rasenheizung investiert. 38 000 Meter Rohre wurden damals verlegt, bei minus drei Grad sollte sich der Rasen von selbst erwärmen. „Die Rohre sind noch im Rasen“, weiß SSV-Pressesprecher Max Rieck, „leer und natürlich nicht mehr funktionsfähig.“
Im Februar 2003, als Ulm in der Oberliga kickte, schrieb SWP-Sportredakteur Gerold Knehr: Um den Trainingsplatz eisfrei zu bekommen, „wären 3000 Euro an Stromkosten nötig. Geld, das die SSV-Fußballer nicht haben.“
Jahrzehnte später muss sich Ulm wieder mit dem Thema Rasenheizung und deren Einbau befassen. Der Gemeinderat hatte jüngst sein Unverständnis geäußert. Die Vorgabe des DFB sei nicht mehr zeitgemäß, vor allem aus ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten, sagen die Ulmer. Der DFB hat daraufhin, mit einem langen Schreiben reagiert und seine Notwendigkeiten dargestellt. Jeder kurzfristige Ausfall eines Spiels habe negative Effekte. Verlässliche Termine seien in einer professionellen Spielklasse, die sich zu einem großen Teil über TV-Verträge finanziert, ein Muss.
Der SSV Ulm 1846 Fußball hat sich in der Diskussion zurückgehalten: Der Klub braucht beide Parteien. Die Stadt als Eigentümerin des Donaustadions, und den DFB, der die Lizenzen für den Profifußball vergibt. Neue Entwicklungen gibt es im Heizungsstreit nicht. Gerhard Semler, der Leiter der städtischen Abteilung Bildung und Sport, wartet auf eine Antwort für einen Gesprächstermin. Auch zwischen Klub und DFB gab es noch keinen tiefergehenden Austausch

