Rasenheizung im Donaustadion: Das Statement des DFB zum Nachlesen

Im Zentrum des Konflikts: das Donaustadion in Ulm.
Lars schwerdtfegerBraucht man sie oder braucht man sie nicht? An dieser Frage ist ein Streit zwischen der Stadt Ulm und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) entbrannt. Der DFB fordert, dass bis zum Sommer eine Rasenheizung ins Donaustadion eingebaut wird. Sonst droht Lizenzentzug für den SSV Ulm 1846 Fußball. Die Stadt hat die Vorgabe massiv kritisiert. Nun hat der DFB geantwortet. Die ganze Stellungnahme zum Nachlesen:
Wir sind verwundert über die Schärfe, Polemik und auch viele Inhalte der Diskussion.
Bei der 3. Liga handelt es sich um eine professionelle Spielklasse. Grundlage für die Ausübung von Profisport sind Einnahmen. Diese sind in nicht unerheblichem Umfang von TV-Geldern abhängig, deren Wert sich unter anderem an verlässlichen Spielterminen bemisst. Besagte TV-Einnahmen konnten mit Beginn der laufenden Saison weiter gesteigert werden. Um witterungsbedingte Spielausfälle so weit wie möglich zu minimieren, sind in Winter- bzw. Frostperioden eine Rasenheizung oder alternativ eine Überdachung des Spielfeldes nötig.
Beim Profifußball handelt es sich um einen Wirtschaftszweig, dazu zählen auch die 3. Liga und ihre Klubs. Der Profifußball gehört dabei nicht zu den energieaufwendigen Wirtschaftszweigen. Aber natürlich besteht auch hier der Anspruch, einen eigenen Beitrag zur Energieeinsparung zu leisten.
Wir sind vor diesem Hintergrund auch zum Thema Rasenheizung in ständigem Austausch und Prüfung, wie wir Richtlinien weiter optimieren und gleichzeitig die verlässliche Durchführung der Spiele zu jeder Jahreszeit bestmöglich gewährleisten können.
Mit Blick auf die Aspekte der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes wird oftmals vernachlässigt, dass jeder kurzfristige Ausfall eines Spiels negative Effekte hat. Spielvorbereitungen wie Aufbauten, Anreisen etc. müssten mehrfach vorgenommen werden. Darüber hinaus müssen Nachholspiele in aller Regel unter der Woche abends durchgeführt werden, da die Wochenenden durch die Regelspieltage besetzt sind. Spiele unter der Woche bedeuten dann auch ohne Ausnahme den Einsatz von Flutlicht und einen erhöhten Energieverbrauch. Darüber hinaus bedeuten zusätzliche Spiele unter der Woche auch immer einen erhöhten Aufwand für die Fans.
Die Rasenheizung kommt auch der Rasenqualität zugute. Sie ermöglicht ein verbessertes Wachstum durch Anregung der Wurzeltemperatur, eine bessere Wasseraufnahme und sorgt damit einhergehend für weniger Wasserverbrauch.
Rasenheizungen können und werden auf sehr unterschiedliche Art und Weise betrieben. Daher kann es hier auch keine pauschale Lösung geben. Die Zulassungsrichtlinien der 3. Liga beinhalten schon heute die Empfehlung, die Rasenheizung möglichst klimafreundlich zu betreiben. Hierzu werden die Klubs auch vom DFB beraten. Bei Neuanlagen bestehen verschiedene Möglichkeiten - von Strom, der eine partielle Erwärmung ermöglicht, über Hackschnitzel/ Hackgut/Holzpellets bis hin zu Wärmepumpen, Solarthermie oder Fernwärme. Abzusehen ist bereits, dass zukünftig für mögliche Neuanlagen Klimaneutralität zwingend vorausgesetzt wird.
Vor diesem Hintergrund können wir nicht nachvollziehen, warum laut Berichterstattung in Ulm mit Öl geplant wird. Keinesfalls ist es die Empfehlung oder Vorgabe des DFB, eine Rasenheizung mit Öl oder Gas zu betreiben.
Integrität des Wettbewerbs:
Die Integrität des Wettbewerbs gebietet es, dass einheitliche Regeln für die Klubs einer Liga gelten. Aktuell macht der SSV Ulm von der möglichen Ausnahmegenehmigung Gebrauch, wonach ein Aufsteiger im ersten Jahr keine Rasenheizung haben muss, aber ein Ausweichstadion mit Rasenheizung zu benennen hat, in dem zur verlässlichen Spielplanung während der Winterperiode gespielt wird. Diese Ausnahmegenehmigung beschränkt sich statutengemäß auf ein Jahr. Aktuell ist der SSV Ulm der einzige der 20 Drittligisten ohne Rasenheizung.
Wie oben schon betont: Wir prüfen beständig mögliche Optimierungen der Zulassungsrichtlinien für die 3. Liga und sind hierzu auch in Austausch mit unseren Klubs.
Zeitpunkt Einbau:
Auch hier sind wir über die Entwicklung verwundert. Schon vor dem Aufstieg des SSV hatte es regelmäßigen Austausch mit dem DFB gegeben. Es gab mehrere Gespräche zwischen dem DFB-Stadionbeauftragten und der Stadt Ulm, unter anderem am 15. Februar und am 23. März 2023. Ergebnis und bevorzugte Variante war damals, dass der Einbau der Rasenheizung im November/Dezember 2023 erfolgen soll, während der Klub ohnehin im Ausweichstadion spielt. Bei einem weiteren Vor-Ort-Termin im Juni in Ulm, an dem u.a. drei DFB-Vertreter aus den Fachbereichen teilnahmen, lautete das Ergebnis erneut, dass die Rasenheizung im November eingebaut werden soll.
Mitte September erfolgte dann die Mitteilung durch Herrn Thiele (Geschäftsführer des SSV Ulm 1846 Fußball, Anm. d. Red), dass die Rasenheizung nicht wie besprochen im November eingebaut werde. Der DFB suchte daraufhin den Kontakt und zeigte im Rahmen einer Online-Konferenz am 28. September drei Möglichkeiten auf:
Der DFB steht sowohl dem Klub als auch der Stadt gerne weiter für den Austausch und Hilfestellungen zur Verfügung.

