Jahresrückblick 2023
: Vom Aufstieg über den sensationellen Drittliga-Start – Das war das Jahr des SSV Ulm 1846 Fußball

Gänsehautmomente gab es viele. 2023 wird Ulm lange in Erinnerung als das erfolgreichste Jahr des SSV Ulm 1846 Fußball in jüngster Geschichte bleiben. Ein persönlicher Blick zurück.
Von
Nadine Vogt
Ulm
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  • Ein Bild, das noch lange nachwirken wird: Kapitän Johannes Reichert stemmt im Mai 2023 den Meisterpokal der Regionalliga Südwest in die Höhe. Das Konfetti fliegt auf der Haupttribüne, auf dem Spielfeld vor der feiernden Mannschaft haben sich tausende Zuschauer eingefunden, singen und jubeln. Nach 22 Jahren ist der SSV Ulm 1846 Fußball zurück im Profifußball.

    Ein Bild, das noch lange nachwirken wird: Kapitän Johannes Reichert stemmt im Mai 2023 den Meisterpokal der Regionalliga Südwest in die Höhe. Das Konfetti fliegt auf der Haupttribüne, auf dem Spielfeld vor der feiernden Mannschaft haben sich tausende Zuschauer eingefunden, singen und jubeln. Nach 22 Jahren ist der SSV Ulm 1846 Fußball zurück im Profifußball.

    Volkmar Könneke
  • Ein Meilenstein: Das Donaustadion ist das erste Mal seit Jahrzehnten in einem Liga-Spiel wieder ausverkauft. Der Andrang für das Heimspiel gegen den TSV 1860 München war riesig. 17 000 Zuschauer fieberten mit. Der SSV Ulm 1846 Fußball setzte sich 1:0 durch.

    Ein Meilenstein: Das Donaustadion ist das erste Mal seit Jahrzehnten in einem Liga-Spiel wieder ausverkauft. Der Andrang für das Heimspiel gegen den TSV 1860 München war riesig. 17 000 Zuschauer fieberten mit. Der SSV Ulm 1846 Fußball setzte sich 1:0 durch.

    Lars Schwerdtfeger
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Die Sehnsucht erfüllte sich. Endlich. Die Zuschauer stürmten auf den Rasen, Konfetti flog durch die Luft, der Meisterpokal wurde in die Höhe gereckt. Der SSV Ulm 1846 Fußball feierte im Donaustadion das, wofür man viele Jahre hatte hart arbeiten müssen. Die Spatzen sind am 20. Mai 2023 in den Profifußball zurückgekehrt: „Schwarz-weiß spielt wieder bundesweit“. Der Aufstiegsslogan hat sich – wie dieser besondere Frühsommer-Tag – in die Geschichtsbücher des Vereins eingebrannt.

In der Stadt wurden die Ulmer Fußballer gefeiert. Erst als Meister der Regionalliga Südwest. Dann als Drittliga-Aufsteiger, der für Furore sorgt. „Ich denke, wir haben ein Jahr hinter uns, auf das wir jahrelang mit freudigen Augen zurückblicken können“, sagt Johannes Reichert. 2023 sei wohl das beste Jahr seines Lebens. Der Ulmer, der Fanliebling, der „Capitano“ hat mit dem Verein etwas erreicht, von dem man sich noch lange erzählen wird. So wie man in Ulm gerne über die kurze Bundesliga-Vergangenheit der Spatzen spricht, so wird man wohl auch noch lange über die jüngsten Meisterhelden und ihre Leistung reden.

Von Anfang bis Ende: 2023 ist das Erfolgsjahr des SSV Ulm 1846 Fußball

Nach der Vizemeisterschaft 2021/22 hatte man alles auf eine Karte gesetzt. Das Team bekam ein neues Gesicht. Mit vielen Ulmern, die den SSV ihre Heimat nennen: Dennis Chessa, Romario Rösch oder Andreas Ludwig – sie alle trugen schon als Kinder das Trikot der Spatzen und kehrten zurück. Das Jahr 2023 begann, wie das Vorjahr endete: mit dem SSV Ulm an der Spitze der Regionalliga Südwest. Unverändert ging es in den Rest der Saison, die mit dem Aufstieg gekrönt werden sollte.

Dabei sah es zwischendurch auch mal kritisch aus. Nach einem Trainingslager in der Türkei stellten sich die erhofften Ergebnisse nicht mehr ein. Krise! Der große Vorsprung, den die Ulmer sich heraus gespielt hatten, schmolz. Der Tiefpunkt war die 1:2-Niederlage bei der TSG Balingen im April. Kritiker sahen den Aufstieg als verspielt an, stellten Trainer Thomas Wörle und den Willen der Mannschaft infrage. „Wenn man Meister werden will, muss man solche Phasen überstehen“, stellte sich Kapitän Reichert der Schwarzmalerei. Der Unmut zeigte aber auch, wie groß die Sehnsucht in Ulm war, endlich wieder an die Höhenflüge der Vergangenheit anzuknüpfen.

„Jetzt mal halblang“ titelten wir seinerzeit einen Kommentar zur Situation. Denn das Vertrauen, das ich als Berichterstatterin in den vielen Stunden, die ich in Stadien, auf Sportplätzen, bei Trainingseinheiten und in unzähligen Gesprächen, gewonnen hatte, war groß. Die Mannschaft wird das richten, wofür sie Woche für Woche hart arbeitet, lautete meine Überzeugung. Und so kam es auch. Nach der Niederlage in Balingen verlor der SSV bis zur Meisterschaft kein Spiel mehr. Einen Spieltag vor Schluss feierten die Ulmer den Aufstieg. In einem Saisonfinale, das man sich nicht besser hätte ausmalen können. Mit einem 5:0-Sieg gegen Fulda, über 10 000 Zuschauern im Donaustadion – und einer Party bis in die Morgenstunden.

Erstes Tor, erster Sieg: Sensationelle Drittliga-Hinrunde

Zwei Monate später war die Kult-Spielstätte dann Schauplatz des ersten Drittliga-Spieles. Beim 1:1 gegen den 1. FC Saarbrücken holten die Spatzen ihren ersten Punkt – und erzielten ihr erstes Tor. Kapitän Reichert traf beim Elfmeter im Nachschuss. Das Team von Aufstiegstrainer Thomas Wörle, das im Großen und Ganzen zusammengeblieben ist, machte seine ersten Schritte im Profifußball. Und mehr als das: Es dauerte nicht lange, bis die Ulmer auch in der 3. Liga für Furore sorgten. Ein 1:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld; das mit 17 000 Zuschauern ausverkaufte Stadion gegen den TSV 1860 München und Dynamo Dresden; der gesperrte Kapitän, der auf dem Zaun des D-Blocks seine Mannschaft anfeuerte, und der 3:0-Sieg in Verl zum Abschluss der Hinrunde. Der SSV Ulm steht zur Winterpause auf Rang drei. Die Euphorie ist ungebrochen.

„Meine Highlights? Da könnte man zehn Seiten schreiben“, sagt Reichert, der „unfassbar stolz“ auf das Erreichte ist: „Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Wir sind Gott sei Dank eine Mannschaft, die sehr lernwillig und demütig ist.“ 2024 spielt die Mannschaft für alte Ziele und neue Träume.

Bleibt in Erinnerung: Die Aktion des gesperrten Kapitäns Johannes Reichert sorgte für große Aufmerksamkeit. Der Ulmer stieg beim Spitzenspiel gegen Dynamo Dresden kurzerhand vor dem D-Block im Donaustadion auf den Zaun und feuerte seine Mannschaft gemeinsam mit hunderten Fans von dort aus an.

Matthias Kessler

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