Abstiegsfeier am Ulmer Bahnhof
: Als 2000 Fans den Fußballern des SSV Ulm Gänsehaut bereiteten

Bis heute ist es einer der unvergesslichen Momente in der Ulmer Fußball-Geschichte: Am 20. Mai 2000 steigt der SSV Ulm 1846 aus der Bundesliga ab – und wird von 2000 Fans am Hauptbahnhof gefeiert.
Von
Nadine Vogt
Ulm
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Ulm, Bahnhof, SSV Ulm 1846, „Abstiegsfeier“: Über 1500 Fans bereiteten der Mannschaft des SSV Ulm 1846 am Samstagabend einen triumphalen Empfang vor dem Hauptbahnhof - als Dank für ein Klassejahr in der 1. Bundesliga. Beachten: erschien am 24.05.2000 im Ulmer Wochenblatt

Am 20. Mai 2000 um 23.04 Uhr kam der Mannschaftsbus des SSV Ulm 1846 Fußball am Ulmer Hauptbahnhof ein. 2000 Spatzen-Fans bereiteten dem Bundesliga-Absteiger einen unvergesslichen Empfang.

Oliver Schulz
  • Am 20. Mai 2000 feierten 2000 Fans den Bundesliga-Abstieg des SSV Ulm am Ulmer Hauptbahnhof.
  • Die Mannschaft verlor zuvor 1:2 gegen Eintracht Frankfurt.
  • Manager Erich Steer und Trainer Martin Andermatt zeigten sich optimistisch für den Wiederaufstieg.
  • 5000 Fans reisten nach Frankfurt, aber Rostock siegte und sicherte Platz 15.
  • 23 Jahre später kehrte SSV Ulm 1846 in den Profifußball zurück.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Geschichte wiederholt sich. An diesen Satz müssen sich wohl diejenigen Spatzen-Fans erinnert gefühlt haben, die sowohl am Sonntag beim Zweitliga-Abschied als auch heute auf den Tag genau vor 25 Jahren beim Bundesliga-Abstieg der Fußballer des SSV Ulm 1846 schon dabei waren.

Nach dem 2:2 gegen Preußen Münster wurde die Mannschaft im Donaustadion gefeiert, am 20. Mai 2000 versammelten sich gar 2000 Fans in der Nacht am Ulmer Hauptbahnhof. Sie nahmen das Team wenige Stunden nach der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt in Empfang.

Der damalige Manager Erich Steer verbot der Mannschaft gar den Heimweg, als er um 23 Uhr per Handy vom Fan-Aufgebot unterrichtet wurde. „So etwas gibt es nur einmal im deutschen Profifußball“, sagte er angesichts der jubelnden Menge, die die Spatzen ohne Häme und Spott feierte.

Frankfurt, 1. Bundesliga, Abstiegsspiel, SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt (1:2): Hoffnungsvolle Spatzen-Fans vor dem Anpfiff.

Hoffnungsvolle Spatzen-Fans im Frankfurter Waldstadion.

Volkmar Könneke

20. Mai 2000: Im Frankfurter Waldstadion stieg das Bundesliga-Abstiegsduell. 5000 Ulmer Anhänger waren mit nach Hessen gereist, um ihre Mannschaft bei der Partie zu unterstützen. Sogar ein Sonderzug kam zum Einsatz.
Die Ausgangslage: Die Spatzen belegten mit 35 Punkten Abstiegsplatz 16, eine Relegation gab es damals noch nicht. Punktgleich auf Rang 15: Hansa Rostock, das beim FC Schalke 04 zu Gast war. Mit Schalker Schützenhilfe hätte sogar ein Unentschieden zum Klassenerhalt reichen können.
Vor Anpfiff waren die Fans also hoffnungsvoll...

Frankfurt, 1. Bundesliga, Abstiegsspiel, SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt (1:2): Weinende Fans nach dem Abpfiff. Beachten: erschien am 28.12.2000 im Ulmer Wochenblatt

Die Trauer war bei den Fans nach dem besiegelten Bundesliga-Abstieg groß.

Volkmar Könneke

... während es nach dem Abpfiff emotional wurde. Der Bundesliga-Abstieg war durch eine 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt endgültig besiegelt. Nach nur einem Jahr im Oberhaus mussten die Spatzen den Schritt zurück in die zweite Liga antreten.

Laux Philipp, Stadler Joachim: In Trauer vereint: Torwart Philipp Laux (links) und Abwehrrecke Joachim Stadler können's noch nicht fassen, dass der Abstieg in die zweite Liga perfekt ist. SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt (1:2). Beachten: erschien am 21.05.2000 in der Sonntag Aktuell

Torwart Philipp Laux (l.) und Abwehrrecke Joachim Stadler können's noch nicht fassen.

Volkmar Könnele

Das sorgte auch bei den Spielern für Tränen. Torwart Philipp Laux und Abwehrrecke Joachim Stadler konnten es im Frankfurter Waldparkstadion nicht fassen. Zwischenzeitlich hatte Hans van de Haar den Ausgleich erzielt und die Hoffnungen aufleben lassen, doch die Eintracht kam kurz vor Schluss per Strafstoß zurück. Ein Foul von Stadler ahndete der Schiedsrichter als elfmeterwürdig. Horst Heldt, heute Geschäftsführer von Union Berlin, trat an und versetzte über 50.000 Frankfurter-Fans mit dem verwandelten Treffer zum 2:1 in einen Freudentaumel.
Dass auch ein Remis nicht gereicht hätte, erfuhren die Ulmer Spieler erst hinterher. Rostock hatte bei den ohne Ambitionen angetretenen Schalkern 2:0 gewonnen.

Steer Erich: SSV-Manager greift sich fassungslos an den Kopf. Nach der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt steigt der SSV Ulm 1846 ab.

SSV-Manager Erich Steer war ob des besiegelten Abstieges fassungslos.

Volkmar Könneke

Manager Erich Steer zeigte sich während der Partie in Frankfurt fassungslos. „Wir lassen uns jetzt nicht verrückt machen. Mit unseren tollen Fans im Rücken können wir die sofortige Rückkehr schaffen“, sagte er und richtet wie sein Trainer den Blick voller Optimismus nach vorne. „Wir verarbeiten die Enttäuschung und gehen an die Planung des Wiederaufstiegs“, sagte Martin Andermatt. Vier Monate später musste Andermatt nach einem durchwachsenen Zweitliga-Start seinen Hut nehmen.

Zuvor aber erlebten der Trainer und sein Team an jenem Abstiegsabend eine unvergessliche Überraschung. Weil knapp 2000 daheim gebliebene Fans am Hauptbahnhof auf die Mannschaft warteten, lotste die Polizei den Mannschaftsbus am 20. Mai 2000 um 23.04 Uhr in die Friedrich-Ebert-Straße um. „Und wir steigen wieder auf...“, lautete an jenem Abend einer der vielen Gesänge, schrieb der langjährige SWP-Sportredakteur Gerold Knehr in einem seiner Artikel. Dazu reichte es aber für lange, lange Zeit nicht.
Jahre später erinnerte sich auch Bundesliga-Held Oliver Unsöld, heute Leiter des Ulmer Nachwuchsleistungszentrums, im Podcast „Spatzenfunk“ an diesen so besonderen Moment am Ulmer Hauptbahnhof. (Hier hören Sie die Folge).

Ulm, König-Wilhelm-Straße, SSV Ulm 1846-Fan-Transparent: Kein Tag seit Samstag (20.05.2000), an dem Ulmer Fußballfans nicht deutlich machen, dass die Enttäuschung über den Abstieg bereits wieder trotziger Entschlossenheit gewichen ist: "SSV - keine 2. Liga ohne Euch" hieß es am Dienstag (23.05.2000) auf einem Transparent in der König-Wilhelm-Straße.

„SSV - keine 2. Liga ohne Euch“ stand auf einem Transparent in der König-Wilhelm-Straße.

Volkmar Könnke

Drei Tage nach dem besiegelten Abstieg entdeckte SWP-Fotograf Volkmar Könneke ein Transparent in der König-Wilhelm-Straße mit der Aufschrift: „SSV – keine 2. Liga ohne Euch“. Seit Samstag (20.05.2000) sei kein Tag vergangen, an dem Ulmer Fußballfans nicht deutlich machen, dass die Enttäuschung über den Abstieg bereits wieder trotziger Entschlossenheit gewichen ist, stand damals in der SÜDWEST PRESSE.

Wie die Geschichte weiterging, ist in Ulm allseits bekannt: Nach einer Saison in der 2. Bundesliga 2000/2001 schlitterte der SSV Ulm 1846 in seine erste Insolvenz. Zwei weitere sollten folgen. Erst 23 Jahre später kehrten die Spatzen in den Profifußball zurück – und marschierten mit einem sagenhaften Lauf ins Unterhaus durch.
25 Jahre später bestritten die Spatzen am Sonntag (18. Mai 2025) fast auf den Tag genau ihr letztes Zweitliga-Spiel auf unbestimmte Zeit.

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SSV Ulm 1846

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