Nach Tumulten beim Pokalendspiel
: Stellungnahme der SpVgg Trossingen zu den Vorfällen rund um das U19-Finale im Albstadion

Der Finaltag der A-, B- und C-Junioren im Fußballbezirk Schwarzwald/Zollern war sportlich zunächst von einer positiven Atmosphäre geprägt, wurde jedoch durch die Eskalation im A-Junioren-Finale deutlich überschattet. Der Verband verurteilt die Vorfälle und kündigt eine umfassende Aufarbeitung an. Nun äußert sich auch die SpVgg Trossingen in einer Stellungnahme und bezieht Position zu den Geschehnissen im Finale gegen die SGM Grosselfingen.
Von
Giovanni De Nitto
Albstadt
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Fussball, 1 Bundesliga, Saison 2023/2024, Bayer 04 Leverkusen- VfL Wolfsburg, 10.03.2024, Bayarena Leverkusen Rote Karte, Symbolfoto *** Football, 1 Bundesliga, Season 2023 2024, Bayer 04 Leverkusen VfL Wolfsburg, 10 03 2024, Bayarena Leverkusen Red card, Symbol photo

Im Ebinger Albstadion standen sich die SGM Grosselfingen und die SpVgg Trossingen im U19-Endspiel des Bezirkspokals gegenüber. Die Partie endete in einer hitzigen und unübersichtlichen Schlussphase mit Handgreiflichkeiten, Platzverweisen und einer Spielunterbrechung.

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  • U19-Finale in Albstadt eskalierte in der Schlussphase – Unterbrechung und Platzverweise.
  • SpVgg Trossingen weist Allein-Aggressor-Rolle zurück und kritisiert fehlende Trennung der Fans.
  • Verein bemängelt alkoholisierte Anhänger hinter der Bank und unzureichende Ordnerpräsenz.
  • Kritik am jungen Schiedsrichtergespann sowie an einseitiger Berichterstattung und Ansagen.
  • Trossingen distanziert sich von Gewalt und fordert eine vollständige, sachliche Aufarbeitung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was als würdiger Finaltag der A-, B- und C-Junioren im Albstadion in Albstadt-Ebingen begann, endete mit unschönen Szenen, die den sportlichen Rahmen des Jugend-Bezirkspokalfinaltags im Fußballbezirk Schwarzwald/Zollern deutlich überschatteten. Mehrere hundert Zuschauer sorgten am Vatertag (14. Mai) zunächst für eine stimmungsvolle Kulisse, ehe eine hitzige Schlussphase das U19-Endspiel zwischen der SGM Grosselfingen und der SpVgg Trossingen eskalieren ließ.

Partie kippt in hitziger Schlussphase

Die Partie, die Trossingen sportlich mit 2:1 für sich entscheiden konnte, geriet in den letzten Minuten zunehmend außer Kontrolle. Nach mehreren strittigen Szenen zeigte Schiedsrichter Eric Müller zunächst die Rote Karte gegen einen Spieler der Grosselfinger Bank, ehe kurz darauf ein Trossinger Akteur mit Rot sowie ein weiterer mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. In der Folge beruhigte sich das Spiel nicht mehr und musste für rund 30 Minuten unterbrochen werden. Auch nach dem Abpfiff kam es zu Handgreiflichkeiten und einer aufgeheizten Gesamtsituation. Stadionsprecher Jürgen Estler appellierte mehrfach an die Beteiligten: „Meine Herren, ich bitte doch um die gebotene Fairness.“ Vereinzelt kam es zudem auf den Zuschauerrängen zu verbalen Entgleisungen.

Vereine und Verband reagieren

Im Anschluss an die Vorfälle nahmen zunächst der Trainer der SGM Grosselfingen sowie der zuständige Verband Stellung zu den Ereignissen. Nun äußert sich auch die SpVgg Trossingen in einer eigenen Stellungnahme und bezieht dabei Position zu den Geschehnissen rund um das umstrittene U19-Bezirkspokalfinale.

SpVgg Trossingen nimmt Stellung zu den Vorfällen im Bezirkspokalfinale

„Mit Verwunderung nehmen wir die einseitige Darstellung der Ereignisse rund um das A-Junioren-Bezirkspokalfinale zur Kenntnis. Die Vorfälle nach dem Spiel möchten wir keinesfalls kleinreden, allerdings weisen wir entschieden zurück, dass die Trossinger Mannschaft allein als Aggressor dargestellt wird.

Bereits im Vorfeld hätte deutlich mehr zur Deeskalation beigetragen werden können. Angesichts der bekannten Brisanz eines A-Jugend-Pokalfinales wäre es sinnvoll und notwendig gewesen, die Fangruppen konsequent voneinander zu trennen. Dies ist nicht passiert. Stattdessen befand sich über weite Strecken des Spiels eine Gruppe von etwa 20 bis 30 Erwachsenen, deutlich alkoholisierten Grosselfinger Anhängern direkt hinter unserer Ersatzbank. Unsere Spieler und Betreuer mussten sich dort über rund 70 Minuten hinweg beleidigen und provozieren lassen. Leider sind derartige Vorfälle im Zusammenhang mit Grosselfinger Anhängern keine völlig neue Erscheinung. Bereits bei einem Spiel unserer ersten Mannschaft kam es ausgehend von Grosselfinger Seite zu Streitigkeiten und Beleidigungen. Umso unverständlicher ist es, dass im Finale keine stärkeren Maßnahmen zur Trennung und Beruhigung der Situation getroffen wurden.

Besonders erschütternd ist zudem die Situation, dass ein 13-jähriger Trossinger Zuschauer von einem erwachsenen Grosselfinger „Fan“ ins Gesicht geschlagen worden sein soll. Gleichzeitig war offenbar niemand in der Lage, die Situation im Bereich hinter unserer Bank wirksam zu kontrollieren. Nach unserer Wahrnehmung wurde dort kein geeigneter Ordner eingesetzt, um frühzeitig deeskalierend einzugreifen. Hinzu kommt, dass einer der eingesetzten Grosselfinger Ordner selbst deutlich alkoholisiert wirkte und seiner Aufgabe nicht gerecht werden konnte. Auch die Ansetzung eines sehr jungen Schiedsrichtergespanns muss kritisch hinterfragt werden. Gerade bei einem emotionalen und bekannten Risikospiel wie einem A-Jugend-Pokalfinale hätte man erfahrener ansetzen können. Die jungen Schiedsrichter mit einer solchen Situation alleine zu lassen, war weder fair gegenüber dem Spiel noch gegenüber den Unparteiischen selbst. Ebenso sehen wir die Schilderung kritisch, wonach ein Grosselfinger Spieler die Situation „beschleunigen“ wollte. Es ist nicht Aufgabe eines Spielers, das Spieltempo oder die Fortsetzung einer Situation eigenmächtig zu beeinflussen. Dafür gibt es klare Regeln und Entscheidungen des Schiedsrichters – etwa durch Verwarnungen oder Nachspielzeit. Wäre eine vergleichbare Provokation von Trossinger Seite ausgegangen, hätte die Eskalation vermutlich deutlich früher eingesetzt. Auch hier wurde den jungen Schiedsrichtern aufgrund ihres Alters und ihrer fehlenden Erfahrung zu viel Verantwortung aufgebürdet.

Darüber hinaus entstand bei uns der Eindruck, dass unsere Mannschaft aufgrund des hohen Anteils an Spielern mit Migrationshintergrund teilweise anders wahrgenommen und bewertet wurde. Als Verein sehen wir es ausdrücklich als unsere Aufgabe, Integration zu fördern und jungen Menschen unabhängig von Herkunft oder Sprache eine sportliche Heimat zu geben. Umso problematischer empfinden wir Aussagen wie die des Stadionsprechers: „In wie vielen Sprachen muss ich es noch sagen?“ Solche Kommentare tragen nicht zur Beruhigung der Situation bei, sondern verstärken vielmehr das Gefühl einer pauschalen Vorverurteilung.

Auch die Berichterstattung in der Presse empfinden wir als äußerst einseitig. Ohne beide Seiten anzuhören, wurde bereits früh ein klares Bild gezeichnet. Mit objektiver Berichterstattung hat das aus unserer Sicht wenig zu tun. Vielmehr entstand der Eindruck, dass man sich bewusst auf unseren Verein und unsere Mannschaft eingeschossen hat. Welche Gründe hierfür ausschlaggebend sind, weiß letztlich nur Herr Arndt selbst. Zudem hatten wir von Beginn an das Gefühl, dass unserem Verein bereits im Vorfeld ein negativer Ruf vorausgeeilt war und manche Beteiligte entsprechend voreingenommen in die Partie gegangen sind. Dadurch entstand der Eindruck, dass jede Gelegenheit genutzt wurde, um Trossingen als Problemverursacher darzustellen oder zusätzliche Provokationen aufzubauen.

Bei aller Diskussion darf jedoch eines nicht vergessen werden: Solche Szenen haben im Jugendfußball grundsätzlich nichts zu suchen. Jeder Zuschauer und jeder Fan sollten sich bewusst machen, was er sagt und wie er sich verhält. Auf dem Platz standen junge Menschen, die über eine ganze Saison hinweg auf dieses Finale hingearbeitet haben und sich ihren Platz in diesem Endspiel sportlich verdient hatten. Gerade deshalb tragen alle Beteiligten – Spieler, Trainer, Zuschauer, Ordner und Verantwortliche – eine besondere Verantwortung, mit Emotionen respektvoll und besonnen umzugehen.

Uns ist wichtig klarzustellen: Wir distanzieren uns ausdrücklich von Gewalt, Beleidigungen und jeder Form unsportlichen Verhaltens – unabhängig davon, von welcher Seite diese ausgehen. Gleichzeitig erwarten wir aber auch eine sachliche und vollständige Aufarbeitung der Ereignisse, die alle Beteiligten und die Umstände rund um dieses Spiel berücksichtigt.

Nicole Mecherlein
Vorstand Jugend

Ergebnisse Bezirkspokal 2026: Finale der Jugend in Albstadt

C-Junioren:
SGM Deisslingen - SGM Schramberg/Sulgen 3:1 (2:1)
Tore: 1:0 Siomos (3.), 2:0 Röhrle (8.), 2:1 Adolph (14.), 3:1 Niebann (38.).

B-Junioren:
SGM Seitingen-Oberflacht/Wurmlingen - SV Spaichingen 2:1 (1:1)
Tore: 1:0 Schnekenburger (30.), 1:1 Babic (31.), 2:1 Jany (80.).

A-Junioren:
SGM Grosselfingen - Spvgg Trossingen 1:2 (1:2)
Tore: 0:1 Kardoush (7.), 1:1 Islamagic (11.), 1:2 Reimchen (26.).