Tour de France: Harter Auftakt für Ulms Radprofi Florian Lipowitz

Die Hektik der ersten Etappe hat auch die ersten Verlieren, darunter auch das komplette Team Red Bull Bora hansgrohe mit Florian Lipowitz.
Mosa'ab Elshamy/AP/dpa- Auftakt der Tour de France: Florian Lipowitz kämpft mit Plattfuß und Windkante.
- Bora hansgrohe-Team verliert 39 Sekunden auf Top-Fahrer Pogacar und Vingegaard.
- Filippo Ganna und Stefan Bissegger müssen nach Stürzen aufgeben.
- Jasper Philipsen (Alpecin) gewinnt die Etappe und holt das Gelbe Trikot.
- Bora-Kapitän Roglic und Helfer verpassen wichtige Windkanten-Gruppe.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Spätestens seit Samstag weiß der Laichinger Rad-Profi Florian Lipowitz, was die Kollegen meinen, wenn sie von der Gefahr der ersten Tage der Tour de France sprechen. Von Windkanten, vom Pech, das man haben kann oder von der Tatsache, dass man die Tour in diesen Tagen nicht gewinnen, aber schon verlieren kann. Lipowitz hat am Ende 39 Sekunden auf die Top-Fahrer Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard verloren – und dazu jede Menge Kraft, die er investieren musste auf den 185 Kilometern rund um Lille, gespickt mit vielen Kopfsteinpflaster-Passagen. Vielleicht aber nimmt es auch ein wenig die überzogenen Erwartungen der Öffentlichkeit. Schließlich ist sein persönliches Ziel: Ankommen in Paris - und sein Terrain kommt ja erst noch.
Der erste Schreck bereits 117 Kilometer vor dem Ziel. Plattfuß. Und das in freier Landschaft, bei Wind, Geschwindigkeiten von zeitweise mehr als 70 km/h, die das jagende Feld machte. An der Spitze machten die beiden Top-Teams Tempo, das Feld war weit auseinandergezogen und die ersten Fahrer verloren bereits den Kontakt zum Feld. Lipowitz musste warten auf sein Team-Fahrzeug, der Rad-Tausch ging schnell, dennoch hatte er fast eine Minute verloren und musste alleine zurückfahren. Sein Team Red Bull Bora hansgrohe schickte niemand zurück. Alle blieben vorne, um Kapitän Primoz Roglic zu beschützen.
Lipowitz kämpfte sich zurück. Erst alleine, dann schaffte er den Anschluss an eine zurückgefallene Gruppe um den Schweizer Meister Mauro Schmid, Lenny Martinez, später auch Julian Alaphilippe. Auch da musste er Tempo machen, viel arbeiten, während sich der Rest des Teams um Roglic scharte. Knapp 30 Kilometer nach dem Platten hatte es Lipowitz dann geschafft, auch weil vorne die Spitzengruppe eingeholt und das Tempo im Feld zumindest etwas herausgenommen. „Allein tut man sich leichter aufzuholen. Da ist der Konvoi die bessere Hilfe als ein Teamkollege“, begründete der Sportliche Leiter Rolf Aldag bei Eurosport nach dem Rennen. Die Situation in der Gruppe der fünf Abgehängten sei schwieriger gewesen.
Zwischendurch musste dann eine größere Gruppe reißen lassen, die einen hatten Defekt, die anderen wurden Opfer des Seitenwindes. Darunter Nils Politt (UAE), Simon Yates (Visma), Georg Zimmermann oder Pascal Ackermann. Fast 25 Fahrer waren es, weshalb dann das Tempo doch rausgenommen wurde und das Feld bis ein paar Ausnahmen zusammen lief. Dennoch gab es den ersten prominenten Ausfall: Filippo Ganna (Italien) und Stefan Bissegger (Schweiz) mussten nach Stürzen aufgeben.
Und dann kam sie, die gefürchtete Windkante - und Bora verpasste den Anschluss, ebenso wie Remco Evenepoel (Soudal-Quickstep) oder Wout van Aert. Durch einen Kreisverkehr war Vignegaard als Erster gegangen, mit Pogacar-Helfermaschine Tim Wellens an der Seite und dann wurde Dampf gemacht. Bora-Kapitän Roglic, um den sich seine Helfer formierten, war in der Mitte des Feldes und damit zu weit weg, um mitgehen zu können. Die Lücke der 38 Männer auf den Rest wuchs stetig an, denn vorne machten sie extremes Tempo. Am Ende holte sich Jasper Philipsen (Alpecin) den Auftaktsieg und das erste Gelbe Trikot. Neunter wurde der Tübinger Marius Mayrhofer.
Für Bora war es eine Enttäuschung, ganz besonders für Roglic. 39 Sekunden Rückstand nach der ersten Etappe, das ist schon eine Packung – außer man geht ohnehin davon aus, dass es maximal um den dritten Platz geht. Und was das angeht, ist noch nicht viel verloren. Und immerhin kamen alle sicher ins Ziel.


