Tour de France: Das nächste Hitzerennen! Van der Poel erlöst sein gebeuteltes Team nach spektakulärer Flucht

Mathieu van der Poel jubelt nach seinem Etappensieg.
Imago/Peter De Voecht- Van der Poel gewann die verkürzte 9. Etappe nach einer Flucht – erster Sieg für Alpecin.
- Der Niederländer setzte sich in Ussel im Sprint einer Vierergruppe vor Johannessen und Pidcock durch.
- Die Hitze war extrem: fast 40 Grad, 30 Kilometer wurden wegen der Bedingungen gestrichen.
- Pogacar bleibt Gesamtführender mit 2:42 Minuten vor Vingegaard, Del Toro liegt auf Rang drei.
- Lipowitz erreichte mit den Favoriten das Ziel, Evenepoel liegt teamintern knapp vor ihm.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mathieu van der Poel hat sich nach der grenzwertigen Hitze-Tortur erstmal ein Küsschen seiner Freundin Roxanne abgeholt, dann gratulierte auch sein alter Klassiker-Rivale Tadej Pogacar. Mit einem großen Grinsen im Gesicht genoss der Niederländer seinen Triumph im Glutofen von Ussel, die Misere bei der diesjährigen Tour de France ist beendet.
„Ich hatte sehr zu kämpfen, aber heute hatte ich endlich die Beine, um auf Sieg zu fahren“, sagte van der Poel, der vor dem ersten Ruhetag mit seinem spektakulären Ausreißer-Coup auf der wegen der hohen Temperaturen verkürzten neunten Etappe ins Rampenlicht raste. Er bescherte seinem gebeutelten Rad-Rennstall Alpecin-Premier Tech den ersten Tagessieg. Vor allem in den Massensprints, in denen van der Poel als Anfahrer für Topspurter Jasper Philipsen fungiert, erlebte die Mannschaft enttäuschende Tage. Zuletzt hatte Tim Merlier (Soudal Quick-Step) zwei Flachetappen gewonnen. Der Klassiker-Spezialist sorgte aber nun für Aufatmen.
Van der Poel setzte sich am Rande des Zentralmassivs im Sprint einer vierköpfigen Fluchtgruppe nach 154,6 km souverän von vorn vor dem Norweger Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) und dem Briten Tom Pidcock (Pinarello Q36.5 Pro Cycling) durch. In einem von Ausreißern geprägten Rennen mit vier Bergwertungen der zweiten bis vierten Kategorie spielten die Deutschen diesmal keine Rolle.
In der Gesamtwertung führt Titelverteidiger Tadej Pogacar (UAE Emirates-XRG) das Klassement weiter mit einem komfortablen Vorsprung von 2:42 Minuten vor Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) an. Dritter ist Pogacars Teamkollege Isaac del Toro. Der Laichinger Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) erreichte das Ziel mit Pogacar und Co. im ausgedünnten Hauptfeld sechs Sekunden nach van der Poel. „Es war ein superharter Tag. Ich freue mich, dass der Ruhetag kommt“, sagte der Vorjahresdritte, der zuletzt von seinem Teamkollegen Remco Evenepoel kritisiert worden war. Bei Temperaturen von fast 40 Grad war das Kapitänsgespann schnell auf sich allein gestellt.
Genug Eis und Flaschen
„Wir haben uns vorne gut verstanden. Wir hatten genug Eis und Flaschen. Deshalb war es kein Problem“, sagte Lipowitz, der dem belgischen Doppel-Olympiasieger auch mal das Wasser anreichte. Als Siebter hat der Vorjahresdritte das Podium fest im Blick, der Rückstand auf del Toro beträgt 33 Sekunden. Evenepoel hat im teaminternen Duell auf Rang vier (+3:30) knapp die Nase vorn.
In der Anfangsphase der Etappe wurden erstmals in der Geschichte der Tour wegen Hitze 30 Renn-Kilometer gestrichen. Die Fahrergewerkschaft CPA forderte in einem Schreiben, auch die Startzeiten anzupassen, „um die Gesundheit der Athleten zu schützen“. Die drückende Hitze hielt die Fahrer nicht ab, zu Beginn ein enormes Tempo anzuschlagen. Eine Fluchtgruppe konnte sich erst nach knapp 60 km absetzen. Letztendlich blieb ein Quartett um van der Poel übrig, im Sprint klar der Stärkste.
Merlier siegt und trauert
Tim Merlier ist aktuell der dominierende Sprinter der Tour de France – und macht doch gerade eine schwere Zeit durch. „Der Mann, der meinen Bruder und mich seit meinem zwölften Lebensjahr zu den Rennen gefahren hat, liegt im Sterben. Dieser Sieg ist für ihn“, hatte der Belgier nach seinem ersten Etappensieg am Freitag dem Portal Sporza gesagt. Kurz darauf erhielt Merlier die Nachricht, dass sein ehemaliger Fahrer während des laufenden Rennens im Alter von 84 Jahren verstorben war.
„Ich habe vor der Tour mit ihm telefoniert. Damals ging es ihm eigentlich noch recht gut, aber wir wussten, dass sich sein Zustand schnell verschlechtern würde“, erklärte Merlier. Trotz seiner Trauer setzte sich der 33-Jährige auch am Samstag beim dritten Massensprint der laufenden Tour gegen seine Kontrahenten durch. „Wenn man eine erste Etappe gewinnt, folgt oft schnell ein zweiter Sieg“, sagte Merlier bescheiden.


