Biathlon Weltcup
: Julia Tannheimer aus Ulm sorgt für „frischen Wind“ im deutschen Team

Die Ulmerin Julia Tannheimer konnte zum Weltcup-Abschluss im Biathlon ihre überraschende Platzierung in Ruhpolding nicht wiederholen.
Von
sid
Ulm
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Julia Tannheimer und das Wahnsinns-Wochenende.

Sven Hoppe/dpa

JuliaTannheimer blieb bei ihrer furiosen Weltcuppremiere lange cool. Die euphorisierten Biathlon-Fans brachten sie ebenso wenig aus der Ruhe wie die Weltklasse-Konkurrenz um Elvira Öberg oder Julia Simon. Die Interviews wurden dann allerdings zur Mammutaufgabe. „Wenn ich mit fremden Menschen reden muss, bin ich sehr aufgeregt“, sagte die 18-Jährige ganz schüchtern. Sie sei auch „bei Referaten vor der Klasse“ nervös.

Julia Tannheimer beim Debüt Platz 15

Anders sah es im Hexenkessel Chiemgau Arena vor 11 500 Zuschauern aus: Bei ihrem Debüt im Sprint von Ruhpolding lief sie mit fehlerfreiem Schießenauf Platz 15, wurde drittbeste Deutsche. Die große Magdalena Neuner war bei ihrer Weltcuppremiere an gleicher Stelle im Jahr 2006 26 Ränge weiter hinten gelandet – und dabei sogar sechs Monate älter. Vier Wettkämpfe brauchte die spätere Olympiasiegerin damals für ein Topergebnis wie Tannheimer.

„Es ist verrückt, was sie für ein Rennen gemacht hat“, sagte Trainer Sverre Olsbu Röiseland über die Ulmerin: „Sie ist ein gutes Mädchen. Sie hat vor nichts Angst. Es ist fantastisch, was sie geleistet hat. Ihre Energie auf der Strecke, sie geht vom ersten Meter an Vollgas, das ist einfach cool.“ Anführerin Franziska Preuß schwärmte schon von einem „frischen Wind„ im Team.

„Es war total krass, das ganze Rennen“, sagte Tannheimer, die erst im Dezember im zweitklassigen IBU Cup debütiert hatte und dort schon im achten Rennen gewann: „Die Fans sind krass hier. Ich bin sehr zufrieden, hätte niemals gedacht, dass ich alle zehn Schuss treffe.“ Sie könne es „noch gar nicht glauben“, das Gefühl sei „einfach richtig schön“.

Jetzt geht es wieder zur Schule

Dabei liegt ihre Priorität woanders. „Ich gehe ja noch zur Schule, deswegen wollte ich erst mal mein Abi machen“, erzählte Tannheimer, die am kommenden Mittwoch ihre nächste Klausur schreibt. Dennoch würdigten die Trainer ihre Raketen-Entwicklung. „Julia ist sehr gut in der Schule“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling: „Sie vertritt extremen Leistungsgedanken – das gilt fürs Schulische und fürs Sportliche. Das zeigt, was ihr Anspruch ist.“

Tannheimers Kommentar zur Erfüllung der halben WM-Norm: ein sekundenlanger und zugleich äußerst sympathischer Lachanfall. Die deutsche Nachwuchshoffnung lässt eben lieber erfrischende Taten als große Worte sprechen.

Bei all der Euphorie war es dann auch nicht so schlimm, dass Julia Tannheimer am Sonntag samt Team zum Abschluss des Heim-Weltcups in Ruhpolding einen Podestplatz verpasste. Tannheimer leistete sich vier Strafrunden und wurde 33. (+2:41,0), bei ihrem Debüt im Sprint hatte sie einen starken 15. Platz belegt.