Snooker WM
: Robertson fordert Verbot von O’Sullivans Kreide

Diskussionen bei der Snooker-WM: Neil Robertson kritisiert die Kreide von Ronnie O’Sullivan und spricht von einem Problem für den gesamten Sport.
Von
Katrin Jokic
Sheffield
Jetzt in der App anhören
Cazoo Snooker–Weltmeisterschaft 2024: ARCHIV - 28.04.2024, Großbritannien, Sheffield: Ronnie O'Sullivan reagiert während seines Spiels gegen  Day am neunten Tag der Cazoo World Snooker Championship 2024 im Crucible Theatre. Nun ist er bei der WM ausgeschieden. (zu dpa: «Ex-Weltmeister Trump und O'Sullivan bei Snooker-WM ausgeschieden») Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Seine Kreide ist aktuell Streitthema: Ronnie O'Sullivan bei der Snooker–Weltmeisterschaft 2024.

Martin Rickett/PA Wire/dpa

Bei der Snooker-Weltmeisterschaft im Crucible Theatre ist eine ungewöhnliche Debatte entbrannt. Der ehemalige Weltmeister Neil Robertson hat ein Verbot der Kreide gefordert, die Ronnie O’Sullivan verwendet. Der Australier sieht darin einen klaren Nachteil für andere Spieler.

O’Sullivan gehört zu den wenigen Profis auf der Tour, die weiterhin die klassische „Triangle“-Kreide nutzen. Der Großteil der Spieler setzt inzwischen auf moderne Varianten wie die sogenannte Taom-Kreide, die weniger Rückstände auf dem Tisch hinterlässt und das Risiko sogenannter „Kicks“ – ungewollter Abweichungen beim Stoß – reduziert.

Robertson äußerte sich nach seinem Achtelfinal-Sieg deutlich. „Alle Spieler hassen sie“, sagte er über die traditionelle Kreide. Sie sollen Kicks und unberechenbare Abpraller verursachen und sichtbare Spuren auf dem Tuch hinterlassen. Aus seiner Sicht beeinträchtigt das die Spielbedingungen erheblich.

Sichtbare Spuren und spielerische Folgen

Tatsächlich waren während des Achtelfinal-Duells zwischen O’Sullivan und John Higgins Kreiderückstände auf dem Tisch zu erkennen. Im entscheidenden Frame kam es bei Higgins zu einem auffälligen Kick, der ihn aus der Position brachte. Solche Situationen sind im Snooker besonders kritisch, da sie oft über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Experten wie die früheren Weltmeister Stephen Hendry und Steve Davis bestätigten die Unterschiede in britischen Medien. Moderne Kreide sorge dafür, dass weniger Rückstände auf Kugeln und Tuch gelangen. Dadurch spiele sich der Tisch konstanter, während klassische Kreide eher zu unvorhersehbaren Effekten führen könne.

Keine Regeln, aber viel Kritik

Reglementiert ist die Kreidewahl im Profi-Snooker bislang nicht. Ein Sprecher der World Snooker Tour stellte klar, dass Spieler frei entscheiden können, welche Kreide sie verwenden.

Genau das sorgt nun für Kritik. Robertson geht sogar so weit, von einem Wettbewerbsnachteil zu sprechen. Viele Profis würden die alte Kreide in Trainingssituationen gar nicht mehr zulassen, weil sie das Tuch beschädigen könne.

Higgins verteidigt O’Sullivan

John Higgins, der O’Sullivan in einem engen Match mit 13:12 besiegte, sieht die Situation deutlich entspannter. Solange die Nutzung regelkonform sei, gebe es keinen Grund zur Kritik. Im Gegenteil: Im Spitzensport sei es üblich, kleine Vorteile auszunutzen.

O’Sullivan selbst hat sich zu der Debatte bislang nicht ausführlich geäußert. Bekannt ist jedoch, dass er seit Jahren bei seiner gewohnten Ausrüstung bleibt.

Diskussion dürfte weitergehen

Der Konflikt zeigt ein grundsätzliches Problem: Technische Entwicklungen verändern auch im Snooker die Bedingungen. Während fast alle Spieler auf neue Standards umgestiegen sind, setzt O’Sullivan bewusst auf Tradition.

Ob die Verantwortlichen reagieren und künftig einheitliche Vorgaben machen, ist offen. Die Diskussion dürfte spätestens dann wieder aufflammen, wenn ähnliche Situationen erneut Einfluss auf den Spielverlauf nehmen.