Sportfreizeit in Schellbronn
: Nach der Corona-Flaute: Endlich wieder zelten

Gsälz-Kochen, Fußballkönig werden, Diskofox lernen– das geht nach der Corona-Flaute endlich wieder im Sportkreis-Zeltlager in Schellbronn.
Von
Miriam Plappert
Schellbronn

Mit Wassereis lässt sich die Mittagspause gut aushalten. Bilder: Miriam Plappert

Nicht gesetzt

Ein paar Kinder kicken auf der Rasenfläche. Hier und da lugen Füße aus einem offenen Zelt und manch einer liegt träge in der Sonne. Die Mittagspause im Zeltlager der Tübinger Sportkreisjugend in Schellbronn neigt sich dem Ende zu. Schon dreht jemand Musik auf. Alle sollen mal wieder raus aus den Federn, denn für den Nachmittag steht ein volles Programm auf dem Whiteboard am Sportheim. Beim Neigungstag können sich die Kinder und Jugendlichen aussuchen, worauf sie Lust haben: vom Fußball-Abzeichen über Gsälz-Kochen, Entspannung im Beautysalon bis zum Tanzkurs.

Dass das zweiwöchige Camp im Nordschwarzwald zustande gekommen ist, war alles andere als selbstverständlich. Erst Anfang Juli hat der Sportkreis die finale Entscheidung getroffen. Vergangenes Jahr musste es wegen Corona ausfallen. Ob es dieses Jahr nun das 47. oder das 46. Lager ist, bleibt durch das ausgefallene Jahr umstritten – jedenfalls gibt es das Lager schon ziemlich lang.

Von der Corona-Pandemie ist hier dank Teststrategie nicht viel zu spüren. Niemand muss Maske tragen. Der Grund: Alle haben sich vor der Abreise zwei Mal auf das Virus testen lassen, und auch im Lager wird jede Woche noch mal getestet. Einziges Manko: Von außen darf niemand kommen. Deshalb musste der Elternbesuchstag genauso ausfallen wie der Ausflug ins nahegelegene Pforzheim. Alle seien glücklich darüber, dass sie sich frei und ohne Maske miteinander bewegen können, sagt Lagerleiterin Barbara Schmid. „Dafür muss man dann in Kauf nehmen, dass wir keine großartigen Ausflüge machen.“

Die Nachtwache als besonderes Highlight

Einen Wandertag gab es trotzdem – ein Highlight für den neunjährigen Till. Erst ging es zum Spielplatz, dann zu einem Aussichtsturm und schließlich wieder zurück ins Lager, berichtet er. Der zwölfjährige Tobias ist zum dritten Mal dabei. Die vielen Sportarten wie Fußball, das Freibad und der Wandertag gefallen ihm besonders – und natürlich die Nachtwache. Hier wacht eine Zeltgruppe samt Betreuer die ganze Nacht am Lagerfeuer.

Die elfjährige Lisa war schon mit drei Jahren das erste Mal im Lager dabei, denn ihr Vater ist im Betreuer-Team. Sehr viel anders als sonst sei das Lager trotz Corona zum Glück nicht, sagt sie. „Eigentlich ist alles cool.“ Worauf sie sich besonders freut: den Eiswagen, der jeden Abend vorbeikommt. Und auf die Nachtwanderung am Abend.

Jetzt steht erst mal Gsälz-Kochen im Bastelzelt an: Die Kinder sitzen am Biertisch und schnippeln Äpfel. Pflaumen, Aprikosen und Bananen. Der Gelierzucker steht bereit. Das wird eine Tutti-Frutti Marmelade, sagt Betreuer Jürgen Schmid. „Die Kinder müssen begreifen, mit Lebensmitteln umzugehen.“ Außerdem sei das etwas, was mit nach Hause genommen werden kann: „Die haben einen Heidenstolz, wenn sie daheim die Marmelade auspacken.“ Kräuterbutter, Kräutersalz und Seife haben die Kinder auch schon hergestellt.

Am Sportplatz nebenan machen einige Jungs und Mädels ihr Fußballabzeichen: An verschiedenen Stationen müssen sie ihr Können als Dribbelkünstler und Kopfballkönigin beweisen. Ein paar Schritte weiter läuft Entspannungsmusik: Im Beautysalon liegen sechs kleine Mädchen auf Matratzen und lassen sich mit Joghurtmaske im Gesicht und Gurken auf den Augen verwöhnen. Ein paar andere machen ein Beauty-Fußbad im Eimer.

Die Älteren hingegen sind im Sportheim. Hier läuft Tanzmusik. Sie üben Diskofox und Co. Das werden sie beim nächsten Diskoabend brauchen können, sagt Lagerleiterin Schmid. Neben Disko und Nachtwandern steht manchmal auch Filmgucken auf dem Abendprogramm. Vom Lagerkoller sind alle trotz des vielen Regens in der ersten Woche weit entfernt. Bis Samstag geht das Zeltlager noch. Ob es im nächsten Jahr wieder eins gibt? „Das ist gar keine Frage“, sagt Jürgen Schmid. Denn: „Nach dem Zeltlager ist vor dem Zeltlager.“

Ein Zeltlager mit langer Tradition

250 Euro inklusive Busfahrt und Verpflegung kostet das vom Sportkreis Tübingen veranstaltete Zeltlager in Schellbronn. Dieses Jahr werden vom 1. bis zum 14. August die Zelte aufgeschlagen. Gewöhnlich sind rund 120 Kinder und Jugendliche dabei. Wegen der Corona-Pandemie sind es heuer nur 80 Teilnehmer im Alter zwischen sieben und fünfzehn . „Die Anmeldungen waren verhalten“, sagt Betreuer Jürgen Schmid. Dadurch konnten die Zelte weniger eng belegt werden: Statt 10 Kindern pro Zelt, sind es 6 bis 8. „Das macht es sehr entspannt“, sagt Lagerleiterin Barbara Schmid. Trotz der spontanen Entscheidung, das Zeltlager abzuhalten, haben sich mit 28 Ehrenamtlichen genug Betreuer gefunden. „Die meisten von uns sind auch schon als Kind dabei gewesen“, sagt Barbara Schmid.