
Reitsport: Ausbilden als Leidenschaft

Marion Lorbert, neue TRG-Reitlehrerin, mit ihren Schülerinnen: „Hier lernen sie viel Verantwortung.“
Carolin Albers- Neue Betriebsleiterin: Marion Lorbert leitet seit Mai die Tübinger Reitgesellschaft.
- Fokus Ausbildung: Jugendfördergruppe, Reitabzeichen-Kurs in den Herbstferien, neue Ponygruppe.
- Einstieg möglich: Auch Erwachsene ohne Vorkenntnisse beginnen an der Longe und lernen Stallarbeit.
- Reitsport verteidigt: Lorbert betont artgerechten Umgang und verweist auf gesündere, ältere Pferde.
- TRG anerkannt: Nach Prüfung durch das Regierungspräsidium bildet der Betrieb künftig Azubis aus.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Die Vakanz auf Waldhausen ist vorbei: Bei der Tübinger Reitgesellschaft (TRG) gibt es wieder eine Betriebsleitung. Als Nachfolgerin von Ina Kurz und Ole Rosen, die mittlerweile in Leonberg gelandet sind, hat die Pferdewirtschaftsmeisterin Marion Lorbert seit Mai die TRG-Zügel in der Hand. „Ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, sagt die 60-Jährige, „meine Leidenschaft ist Ausbilden – die Basisarbeit treibt mich an.“
Schon als Kind wusste Marion Lorbert ziemlich genau, was sie mal werden wollte. Auf einem benachbarten Bauernhof in der Heilbronner Gegend gab es einen Reitschulbetrieb. „Wir haben aber auch Schweine und Kühe gemistet, ich hatte eine schöne, gesunde Jugend“, sagt sie heute. „Zum Entsetzen meiner Eltern“ habe sie dann beschlossen, ihre Passion für Pferde zum Beruf zu machen. Nach ihrer Ausbildung war Lorbert als Bereiterin unter anderem in der Schweiz und auf dem Schafhof der Familie Linsenhoff in Kronberg. Gerade die Zeit auf dem Schafhof, wo sie unter anderem Wunder-Hengst Totilas erlebte, sei „eine prägende Station“ gewesen. Nach Erfolgen im Turniersport bis zu Dressurprüfungen der schweren Klasse S ist Lorbert seit 2015 in der Vereinsarbeit tätig, nach Stationen in Böblingen und Kornwestheim zuletzt in Bietigheim.
Für die TRG hat sie sich viel vorgenommen. Die Arbeit mit der Jugendfördergruppe mache großen Spaß, in den Herbstferien gibt es einen fünftägigen Kurs für das Reitabzeichen und demnächst startet eine Ponygruppe – aber auch Erwachsene ohne Vorkenntnisse können bei der TRG noch an der Longe einsteigen. Auch Stallarbeit oder das Pflegen des Sattelzeugs gehört dazu. „Hier lernen sie Verantwortung“, sagt Lorbert über ihre Schülerinnen der Jugendfördergruppe.
Tübingen tickt ein bisschen anders als der Rest der Republik – das gilt offenbar auch für die Reiterei. Entgegen dem rückläufigen bundesweiten Trend sind die Zahlen bei der TRG stabil, mit knapp 300 Mitgliedern ist der Traditionsklub der mitgliederstärkste Verein im Pferdesportkreis Tübingen. Marion Lorbert steht mit Überzeugung hinter dem Reitsport und der klassischen Pferde-Ausbildung, auch wenn Kritik laut wird. „Viele Tierschützer verstehen nicht, dass es Pferden im Reitsport besser geht als Freizeitpferden“, sagt Lorbert und verweist auf nachgewiesene Gesundheit und höheres Lebensalter bei ausgebildeten Pferden. Zugleich betont Lorbert, sie sei froh, dass die Tierschützer „so laut geworden“ sind. Früher sei tatsächlich Schindluder getrieben worden, etwa mit zu scharf eingestellten Gebissen in der Dressur oder Barren beim Springen, wenn den Pferden über dem Hindernis mit Stöcken gegen die Fesseln geschlagen wurde. „Heute gehen wir mit den Tieren sehr artgerecht um“, sagt Lorbert. Ihr Credo: „Nicht unter Zwang etwas herausarbeiten, sondern das tun, woran Pferde richtig Spaß haben.“
Herausforderungen warten aber ebenso im Wirtschaftsbetrieb. Überall steigen die Kosten, für Tierarzt, Energie und Wasser – dazu kam der extrem trockene Sommer. Die Folgen spüren auch Pferdeleute: „Die Heupreise sind explodiert“, sagt Lorbert. Immerhin ist es ihr gelungen, die Versorgung für den Winter sicherzustellen. Neben dem Heu gehen ihr auch die Ideen für neue Projekte bei der TRG nicht aus. Denn: „Mit den zwei Reithallen und diesem herrlichen Außenplatz ist das Gelände einfach prädestiniert dafür, hier mehr zu machen.“
TRG: Dieser Betrieb bildet künftig aus
Am Montag hatte sich Besuch vom Regierungspräsidium angekündigt bei der Tübinger Reitgesellschaft. Es ging um die Anerkennung als Ausbildungsbetrieb, eine Kommission prüfte verschiedene Aspekte wie etwa Arbeitssicherheit. Diese Woche kam dann ein positiver Bescheid: Die TRG bildet künftig aus, als Pferdewirtschaftsmeisterin kann Marion Lorbert jetzt Azubis (Reitausbildung sowie Pferdehaltung und Service) in der TRG aufnehmen.
