Fußball: Wie der Mössinger Angelo Vaccaro mit dem Aus als Sportchef beim FC Homburg umgeht

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Nicht gesetztTAGBLATT: Herr Vaccaro, die letzten Wochen waren nicht einfach. Wie geht’s Ihnen?
Angelo Vaccaro: Inzwischen wieder ganz gut. Das ist am Ende ein bisschen blöd gelaufen in Homburg. Die ersten Wochen waren hart zu verdauen mit dem Abstieg und der Freistellung. Man macht sich da viele Gedanken, was man hätte anders machen können. Die Frage, ob ich Trainer Jens Kiefer, der ja auch mein Kumpel ist, hätte früher entlassen müssen. Am Anfang wird man dafür gelobt, dass man am Trainer festhält, dann heißt es, man hätte zu lange gewartet mit der Entlassung. Fußball ist, wie es ist. Man kann leider nicht alles planen. Deshalb sitzt der Stachel schon tief.
Wie waren die Tage nach dem
Abstieg bis zu Ihrer Entlassung?
Ich habe den neuen Trainer Jürgen Luginger ja geholt und mit ihm schon den Kader für die nächste Saison geplant mit den ersten Verpflichtungen. Wir haben ja schon vor dem letzten Spiel zweigleisig geplant. Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch habe ich den ganzen Tag telefoniert, habe Gespräche geführt oder bin am Schreibtisch gesessen. Wir haben auch sehr schnell einige Zusagen bekommen. Und dann kam die Freistellung. Der Aufsichtsrat hatte eben andere Pläne. Aber es war viel von einem Bauernopfer die Rede.
Sie hatten das Ziel, vergangene
Saison im vorderen Mittelfeld zu
beenden. Doch der FC Homburg ist abgestiegen. Woran lag’s?
W ir haben vor der letzten Saison den ehemaligen Nationalspieler Tobias Weiß und im Winter den früheren Bundesligaspieler Nando Rafael verpflichtet. Man kann immer darüber streiten, dass man andere Spieler hätte verpflichten können. Es gab ja sogar die Überlegung im Winter, ob ich noch mal die Kickschuhe schnüre, weil wir so wenige Tore gemacht haben. Das hatte in der Vorsaison ja ganz gut geklappt. Ich glaube aber, dass viele Spieler gar nicht realisiert haben, wie ernst die Lage ist und den Abstiegskampf im Kopf nicht angenommen haben. Die Fitness kann es jedenfalls nicht gewesen sein.
Sie sind für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich gewesen und mussten da persönlich einiges an Kritik einstecken.
Ich habe nie einen Spieler verpflichtet ohne grünes Licht vom Trainer. Ich biete Material und er entscheidet. Ich würde nie anders handeln, weil ich selber erlebt habe als Spieler, wie es laufen kann. In Belgien hat mich mal der Klub-Präsident verpflichtet – und ich habe nie gespielt. Klar waren der Trainer und ich auch mal unterschiedlicher Meinung und haben diskutiert. Das ist ja normal. Aber der Trainer hatte immer die letzte Entscheidung.
Wie bewerten Sie Ihr Verhältnis
zu den Fans?
Am Anfang als Spieler war ich so was wie der Publikumsliebling. Aber klar, als Sportdirektor gab’s auch Kritik. Wichtig ist mir, dass ich meinen Kopf immer hingehalten habe und immer offen und ehrlich war. Das gehört sich. Aber am Tag des Abstiegs durfte ich mir schon einiges anhören.
Wie geht’s jetzt weiter bei Ihnen?
Es ist alles noch ein bisschen frisch. Mein Vertrag in Homburg läuft noch ein Jahr. Deshalb habe ich nicht den Riesenstress. Es gibt gerade auch noch Gespräche mit dem Verein. Aber da sind wir noch auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Ich schaue mich trotzdem um. Und ich will meine Trainer-B-Lizenz machen. Und ich will mich auch weiterbilden mit Computer- und Englischkursen. Und ich lasse meine Kontakte spielen. Es gibt ja noch ein paar Leute, die mich kennen im Fußballgeschäft. Ich will auf jeden Fall im Fußball bleiben. Der Scoutingbereich würde mich beispielsweise auch interessieren. Und vielleicht kicke ich auch noch mal.
Das haben Sie vergangene Saison ja auch schon getan und für den SV Borussia 09 Spiesen in zehn Bezirksliga-Spielen 14 Mal getroffen. Wie kam es zu diesem Engagement?
Der Homburger Ex-Trainer Jens Kiefer wohnt dort direkt am Sportplatz und ist im Vorstand tätig. Er hat mich gefragt. Ich hatte nur eine Bedingung: Die Vereinsfarben von Spiesen sind Schwarz-Weiß. Ich habe gesagt, ich komme, wenn wir in Trikots von Juventus Turin spielen. Und das hat geklappt. Ich hatte die Zehn von Alessandro del Piero auf dem Trikot. Das war schon immer ein Traum von mir. Das hat Spaß gemacht, und es sind super Jungs. Aber wenn ich sage, dass ich vielleicht noch mal kicke, denke ich schon eher an die Oberliga. Es gab auch Anfragen aus Luxemburg aus der 1. Liga. Ich fühle mich einigermaßen fit. Der Trainer muss halt wissen, dass ich kein 100-Meter-Sprinter mehr bin, sondern eher der Strafraum-Stürmer.
Als Sportdirektor sind Sie ja wie die Jungfrau zum Kinde gekommen.
Das stimmt! Aber es ist ja auch kein Hexenwerk, wenn man einen guten Geschäftsführer hat. Es ist ein sehr reizvoller Job. Aber umfangreich – ein bisschen mehr als bei einem richtigen Profiverein, wo es für alles einen extra Zuständigen gibt. Ich habe bei Homburg von der Hotelreservierung bis zum Autokauf für Spieler alles gemacht. Aber so macht’s auch umso mehr Spaß.
Wie sind die Kontakte in die Region?
Zum VfB sind die Kontakte natürlich noch sehr gut. Auch zu den Kickers und zum SSV Reutlingen. Aber natürlich warten die auch nicht alle auf Angelo Vaccaro. Das ist mir auch klar.
Sie spielen auch in der VfB-Traditionsmannschaft. Wer ist da Ihr
Lieblings-Mitspieler?
Der VfB ist mein Herzensverein. Das weiß jeder. Jetzt sind ein paar jüngere dazugekommen wie Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel, Cacau, Marc Kienle, Silvio Meißner oder Thomas Hitzlsperger. Und dann natürlich die Legenden wie Hansi Müller, Guido Buchwald, die Förster-Brüder. Und Buffy Ettmayer. Der ist einer der Lustigsten! Der macht immer seine Witzchen. Es ist eine geile Truppe! Die Jungs haben immer was zu erzählen. Da höre ich auch gerne mal zu.
Wie oft sind Sie noch in Mössingen?
Alle zwei Wochenenden. Meine Kinder leben bei ihrer Mutter in Stuttgart. Mit den beiden gehe ich immer zu meinen Eltern nach Mössingen. Da wird man bei Mama immer noch bekocht. Es ist ein super Familien-Zusammenhalt.
Haben Sie schon mal dran gedacht, das Restaurant Ihrer Eltern eines
Tages zu übernehmen?
Wenn ich ehrlich bin, ist das eher nichts für mich. Ich kann mir gut vorstellen, mal ein Café oder eine Espressobar zu haben. Aber ich kann nicht kochen. Das war noch nie meine Leidenschaft. Und meine Eltern wollen es auch noch eine Weile machen. Vielleicht übernehmen es ja eines Tages meine Kinder. Wer weiß…?!
Stationen als Spieler
Angelo Vaccaro hat in seiner Karriere zwei Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart und 24 Zweitligaspiele für Augsburg und Unterhaching gemacht. In etwas mehr als 300 Pflichtspielen schoss Vaccaro um die 100 Tore. Seine Stationen im Überblick: Spvgg Mössingen, VfB Stuttgart (Jugend), VfB Stuttgart II, Spvgg Unterhaching, FC Augsburg, Stuttgarter Kickers, Eintracht Frankfurt II, Honved Budapest, Sorrento, FC Brüssel, SSV Reutlingen, SV Elversberg, FC Homburg, SVB Spiesen.