SSV Reutlingen
: Umstrittene Personalie wird Co-Trainer des SSV Reutlingen II

Ob das wohl eine kluge Entscheidung war? Der SSV Reutlingen wählt als Co-Trainer der neuen zweiten Mannschaft Mert Özkan aus. Er ist ein alter Bekannter vor dem Sportgericht des Verbands.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Fussball | SSV Reutlingen II / Sichtungstraining: Fussball KL B | SSV Reutlingen II // 2026-05-22 // Foto: JoBaur // Sichtungstraining zur Kaderplanung der SSV U23 Mannschaft / Trainerteam - Mert Oezkan

Aus Sicht des Sportgerichts ist er ein Wiederholungstäter: Mert Özkan, der sich jetzt an der Seitenlinie für die zweite Mannschaft des SSV Reutlingen engagieren soll, wurde erst vor Kurzem erneut wegen einer Tätlichkeit für ein Jahr als Spieler gesperrt.

Joachim Baur
  • SSV Reutlingen setzt für die neue zweite Mannschaft auf Onesi Kuengienda und Mert Özkan.
  • Özkan ist umstritten, da er mehrfach vor dem WFV-Sportgericht auffiel.
  • Der WFV sperrte ihn zuletzt für ein Jahr wegen einer Tätlichkeit im April.
  • Der Verein betont Gespräche und interne Strukturen – Kuengienda gilt als Leitfigur.
  • SSV kommentiert Bilder der Sperre nicht und verweist auf Verhalten im Vereinsumfeld.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist eine erstaunliche, personelle Entscheidung, die derzeit rund um den SSV Reutlingen diskutiert wird. Vor einigen Wochen gab der Verein bekannt, dass in der Kreisliga wieder eine zweite Mannschaft an den Start gehen soll. Von Seiten des Vereins bekamen zwei Personen das Vertrauen geschenkt, dieses Projekt großzumachen: Onesi Kuengienda als Trainer und Mert Özkan als sein Co. Während erstgenannter im Verein als langjähriger Spieler äußerst populär ist, ist zweiterer eine eher umstrittene Person. Und das mit guten Gründen. Seine Akte, die er sich vor dem Sportgericht des Württembergischen Fußballverbands (WFV) erarbeitet hat, ist in der Vergangenheit und zuletzt im April dicker geworden.

Immer wieder ähnliche Vorfälle

Erstmals war Özkan 2014 in den Fokus des Verbands gekommen: Während eines Spiels seines damaligen Arbeitgebers, Young Boys Reutlingen II, und dem SV Gniebel, war er mit einem gegnerischen Spieler aneinander geraten. 2023 ist die erste Handgreiflichkeit in der Urteilsbegründung hinterlegt worden. Zu dieser Zeit trug Özkan das Trikot Anadolu Reutlingens. Im Vorfeld einer Rudelbildung soll er einem Spieler des SV Rommelsbach ins Gesicht gelangt haben. Zu diesem Vorfall gesellen sich dann noch zwei aus jüngerer Vergangenheit. Zwischen Mai und November 2025 griff der WFV zum ersten Mal mit einer Sperre durch, Özkan hatte sich beleidigend und diskriminierend gegenüber einem Schiedsrichter geäußert. Zu einem Umdenken scheint das nicht geführt zu haben: Schon im April 2026 sperrte der WFV Özkan für ein Jahr. Er soll der Spieler von Anadolu gewesen sein, der im April in der dann abgebrochenen Partie gegen die Young Boys Reutlingen II einem Gegenspieler einen Faustschlag verpasst haben soll (wir berichteten).

Mehr könne der Verband aber vorerst nicht tun: Rechtlich gibt es zwar Möglichkeiten, einen Mehrfachtäter prinzipiell von allen Funktionen im Sport ausschließen zu lassen, die Hürden seien aber nicht zu Unrecht sehr hoch für solch eine nachhaltige Entscheidung – dem, wenn auch äußerst fragwürdig erscheinenden, Engagement beim SSV Reutlingen steht demnach nichts im Weg.

Der Verein beharrt auf seinem Wertekompass

Die Stellungnahmen des Vereins und seiner Verantwortlichen fallen zurückhaltend aus. „Uns ist bewusst, dass Mert Özkan in der Vergangenheit polarisiert hat und es Diskussionen rund um einzelne Vorfälle gab“, so das schriftliche Eingeständnis. Die Bilder, die zu der erwähnten Verurteilung und Sperre geführt haben, möchte SSV-Vorsitzender Sascha Schneider nicht weiter kommentieren. „Maßgeblich ist für uns, wie sich Personen aktuell innerhalb unseres Vereinsumfelds verhalten und welche Rolle sie dort einnehmen.“, so die Haltung des SSV. Leichtfertig habe der Verein die Entscheidung nicht gefällt, zuvor seien intensive Gespräche geführt worden. Zudem ist aus Sicht des SSV Kuengienda die Leuchtturmfigur des Projekts: „Mit ihm wollen wir einer neuen Mannschaft ein Gesicht geben und bewusst auf jemanden setzen, der eine enorme Verbindung zum Verein, zur Kreuzeiche und zu unseren Fans hat“, so die Rückmeldung des SSV. Weiter heißt es dennoch: „Es geht hierbei ausdrücklich nicht um eine zentrale Außendarstellung oder Einzelperson, sondern um die gemeinsame Arbeit am Aufbau einer neuen Mannschaft innerhalb des Vereins.“

Ein Ausbleiben weiterer Skandale sollen die vereinsinternen Strukturen garantieren, betont Schneider, der den Verein gegen die Vorwürfe zu verteidigen versucht, dass eine solche Verpflichtung im Widerspruch zu den nach außen transportierten Werten wie Respekt und Fairplay steht. Ob Schneider und andere Verantwortliche des SSV, die sich für die Verpflichtung Özkans ausgesprochen haben, die Bilder vom vergangenen April gesehen haben, müssen Spekulation bleiben.