SSV Reutlingen gegen Young Boys: Kaum Netz in der Rekordkulisse des Oberliga-Derbys

Mit Trommeln, Gesängen und einiges an Rauch- und Knallwerk zog der Fanmarsch der Reutlinger Szene E vom Tübinger Tor in Richtung Kreuzeichestadion. Mit dabei waren auch einige befreundete Szenen aus der Umgebung.
Larissa Renz- Rekordkulisse beim Stadtderby: 10.000 Tickets, Kreuzeichestadion ausverkauft.
- Fanmarsch mit 250 bis 300 Personen, Trommeln und Rauch – Polizei begleitete ruhig.
- Livestream der Young Boys auf YouTube erreichte über 21.000 Aufrufe.
- Lange Schlangen vor der Tageskasse, Online-Shop war vor dem Derby stark gefragt.
- Hohe mediale Präsenz im Innenraum – Akkreditierungen u. a. für Kicker und 11Freunde.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Bitte keine Fotos. Passt auf, auf eure Handys“, Joe Yebio, Fanbeauftragter des SSV Reutlingen, machte im Vorfeld des Stadtderbys ganz schön Meter. Während hinter ihm die Szene E ihren Fanmarsch abfeierte, tigerte Yebio mal nach rechts und mal nach links an den Straßenrand und warnte neugierig filmende Passanten davor, zu sehr in die Menge zu halten.
Dabei sorgten die 250 bis 300 Fans, die die Alteburgstraße entlangzogen, für einiges an Bildern und Filmmaterial: Mit Trommeln, Gesängen und dem ein oder anderen Rauchwerk ging es Richtung Stadion. „Bislang läuft das hier alles ruhig, Polizei ist da, das passt“, hielt Yebio zufrieden fest – und wuselte dann auch schon wieder los, um Passanten, Schaulustige, Fahrradfahrer und Fanmarsch aneinander vorbeizukoordinieren.
Während die Teilnehmerzahl des Fanmarschs schon zuvor bei der Polizei bekannt gegeben werden musste, waren die Menschenmassen vor dem Stadion und vor allem an der Tageskasse dann doch eine erfreuliche Überraschung aus Sicht des SSV. „Die beiden Tage vor dem Derby war im Online-Shop nochmal die Hölle los. Drei Blöcke bleiben zu, aber ich könnte wetten, wir haben nachher keine Karte mehr übrig“, sagte SSV-Vorsitzender Sascha Schneider gut 90 Minuten vor dem Anpfiff und strahlte. Er sollte Recht behalten: 10.000 verkaufte Karten, ein ausverkauftes Kreuzeichestadion wurde später vermeldet. Dazu kamen Mitte der ersten Hälfte rund 2230 Zuschauer im kostenlosen Livestream des Spiels, den die Young Boys auf YouTube anboten (wir berichteten). Spätere Zugriffszahlen ließen sich schwerer nachvollziehen, das Netz war bisweilen überlastet. Das Video kommt mittlerweile auf über 21.000 Aufrufe. Zum Vergleich: Das Spiel der Young Boys gegen den Karlsruher SC II verzeichnet 7053 Aufrufe, nach über einem Monat auf der Plattform.
Bei den Bäckern ist was los
Entlang der Alteburgstraße gibt es gleich zwei Möglichkeiten, an denen Fans und Anwohner trotz Tag der Deutschen Einheit Gebäck und Heißgetränke erwerben können. Kurz bevor die Szene den Durchgangsverkehr kurzzeitig zum Erliegen brachte, hat die Autorin nachgefragt: Ja, die Schlange der Kunden hätte bis hinaus auf das Trottoir gereicht, doch mit dem Derby hätte das weniger zu tun. Um die Uhrzeit am Vormittag sei immer viel los an den Wochenenden. Es seien nur ein bisschen mehr Menschen im SSV-Trikot zu sehen gewesen, wie die Verkäuferin berichtet.
Apropos Essen: Obwohl der SSV aufgrund des Andrangs schon die fünffache Menge eingeplant hatte, war im Stehplatzbereich dennoch schon recht früh die letzte Wurst im Wecken ausverkauft, wie Schneider resümierte. An Bier und Getränken sei noch genug da gewesen, da hatte der Verein noch am Spieltag weitere Vorräte nachgeordert.

Nachdem der Fanmarsch der Szene E vor dem Stadion ankam, wurde es richtig voll. An der Tageskasse gingen die wenigen, restlichen Tickets für das Derby vollends weg.
Larissa RenzErinnerungen an volle Häuser
Während viele Besucher hörbar rätselten, wann wohl zuletzt so viele Menschen ein Spiel des SSV Reutlingen besucht haben könnten, stand nahe des VIP-Eingangs ein Mann, der sich gut an so einen regelmäßig so vollen Vorplatz erinnern kann. Das ehemalige SSV-Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Lang, der nach wie vor regelmäßig im Stadion ist, schwelgte in Erinnerungen: „Es ist einfach fantastisch, dass es dieses Spiel gibt und wie viel hier los ist. Das ist ein guter Tag für den SSV“, sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion, „das ist Zweitliga-Atmosphäre.“ Mit ein Faktor sei aber nicht nur die historische Partie, die auf dem Programm stand, so Langs Einschätzung, sondern auch, dass das Spiel bei 20 Grad und Sonne angepfiffen wurde.
Der Innenraum ist voll
Das dürfte auch die vielen anwesenden Pressevertreter mit und ohne Kamera erfreut haben. So dichtes Gedränge im Innenraum, so viel Bewegung rund um das Feld, waren für eine Oberliga-Partie durchaus ungewöhnlich. Aber war wirklich mehr los als normal? Ja, bestätigt SSV-Mitarbeiter Sebastian Baur auf Nachfrage. Wie viele Akkreditierungen genau es sind, konnte er nicht sagen, aber „neben der lokalen Presse, haben wir auch Pressepässe für beispielsweise Kicker und 11Freunde vorliegen. Die mediale Aufmerksamkeit ist deutlich größer“, so Baur.

