Sportfotografie im Lokalsport
: Zwischen 1000 Bildern und einem Moment: So arbeitet ein Sportfotograf

Ganze Wochenenden verbringt Sportfotograf Tobias Baur auf Sportplätzen oder in Hallen. Leichtes Geldverdienen ist das nicht, dennoch macht ihm sein Beruf auch nach rund 20 Jahren noch Spaß.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Sein Ausgleich zum Job in der Logistik ist seit seiner Teenagerzeit unverändert: Tobias Baur, inklusive seiner Kameras, ist an einem Sportplatz oder in einer Halle anzutreffen.

Sein Ausgleich zum Job in der Logistik ist seit seiner Teenagerzeit unverändert: Tobias Baur, inklusive seiner Kameras, ist immer an einem Sportplatz oder in einer Halle anzutreffen.

Privat
  • Sportfotograf Tobias Baur arbeitet im Lokalsport und sortiert rigoros: aus 400–1000 bleiben ~30.
  • Gute Sportfotos erzählen die Spielgeschichte, erklärt er – je nach Sport ist das unterschiedlich.
  • Er lernte bei seinem Vater, setzt auf Technikverständnis und fotografiert für Vereine und Medien.
  • Honorare sinken, Redaktionen nutzen Archiv- und Privatbilder, doch er betont die Qualitätsunterschiede.
  • Er versteht Spielzüge, arbeitet oft unter Zeitdruck und erweitert sein Portfolio um Porträts.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Schrott, Schrott, Schrott, löschen, löschen, löschen“, – mit den Früchten seiner Arbeit ist Tobias Baur nicht zimperlich. Das dürfe er auch nicht sein, merkt er mit kleinem Lächeln an. Wenn der Fotograf nur kurz auf den Auslöser seiner Kamera drückt, entstehen 15 Bilder pro Sekunde. „Wenn ich die Tussies Metzingen fotografiere, entstehen zwischen 400 und 1000 Bilder. Allein wie viele Bilder ich dann von einer Spielerin im Sprung mache, und der dauert eben nur ein paar Sekunden“, rechnet er kurzerhand aus. Schwer fällt es ihm allerdings nicht, zu löschen, denn Baur weiß seit seiner Kindheit, was ein gutes Sportfoto ausmacht. „Ein gutes Sportfoto, die Szene, erzählt die komplette Geschichte des Spiels“, fasst er zusammen, so als sei das ganz einfach. „Nur ist das in jedem Spiel und in jeder Sportart eben etwas anderes.“

Deshalb würde sich ein Großteil der Bilder von ganz allein und ohne Abschiedsschmerzen entfernen lassen. Übrig bleiben in der Regel etwa 30 Bilder. Doch lässt es sich davon leben und wie behauptet sich ein Fotograf in einer Welt, in der jeder Mensch Unmengen an (kostenlosen) Bildern mit dem eigenen Handy machen kann? Und was ist der besondere Reiz an der Sportfotografie?

Ein Handwerk, keine Kunst

Eine Ausbildung im klassischen Sinn hat Baur nicht absolviert, streng war sein Lehrmeister hinter der Kamera dennoch. Vater Joachim Baur, selbst Sportfotograf, nahm die Jungen mit an die Sportplätze. Joachim Baur hat sich sein Wissen in einer dreijährigen Schul-AG angeeignet, die von einem engagierten Lehrer angeboten wurde. „Wir hatten Kameras, an denen wir alles manuell einstellen lernen mussten. Nur wer die Technik versteht, kann wirklich gut werden“, erläutert Tobias Baur, der, seit er 14 ist, Fotoausrüstung in Händen hält. Nach den Spielen hätten Vater und Sohn die Ergebnisse gemeinsam Bild für Bild ausgewertet. „Bei einem guten Foto stimmt alles. Licht, Bildausschnitt, Schärfe“, verdeutlicht der heute 32-Jährige. „Ich hab’ mir früher öfter anhören müssen, dass ich den Spieler verkaufen will und nicht den Rasen. Bei mir haben ganz oft die Bildausschnitte nicht gepasst.“ Seither habe er Fortschritte gemacht. Im Auftrag von Vereinen, Redaktionen und Agenturen zum Sport zu gehen, ist längst nichts mehr Neues. Es ist sein zweites Standbein. „Das ist mein Ausgleich zu meinem Job in der Logistik. Wochenende, Kamera schnappen und einfach raus an den Sportplatz“, sagt Baur und lächelt.

Moment, sein zweites Standbein? Ganz einfach sei es nicht mehr, vom Dasein als Fotograf zu leben, denn „wir bekommen die Honorarkürzungen und Ähnliches deutlich zu spüren. Oftmals wird in Redaktionen und Medien inzwischen auf Archiv- oder Privatbilder zurückgegriffen“, hält Baur fest. Gerade in der Tatsache, dass so viele Handybilder im Umlauf sind, sieht er jedoch die Bedeutung seiner Arbeit und seines Berufsstandes: „Auf den kleinen Bildschirmen sehen die Fotos alle erst einmal gut aus, aber als Großformate sieht man gleich, dass sie technisch nicht an die Qualität einer professionellen Ausstattung herankommen“, führt er aus. Mit dieser Technik und seiner Routine im Umgang könne er beispielsweise schlechtes Licht, wie es eben manchmal in kleinen Hallen vorkommt, viel besser ausgleichen. Zudem eignen sich Fotografen an der Seitenlinie umfassendes Wissen über die Sportarten an, die sie ablichten. „Nur wenn ich den Sport verstehe, und Spielzüge vorausahnen kann, kann ich rechtzeitig abdrücken“, macht Baur deutlich.

Auch durch die Art, wie Aufträge bisweilen vergeben werden, geraten er und seine Kollegen unter Druck. „Um die Szenen einzufangen, die den Spielverlauf abbilden, brauche ich Zeit. Eigentlich brauche ich ein ganzes Spiel dafür, um einen Auftrag vernünftig erledigen zu können“, setzt Baur an. Doch es sei längst nicht mehr unüblich, dass Fotografen von Termin zu Termin hetzen. Dazu kommen frühere Abgabezeiten, wenn Mittwoch- oder Freitagabend gespielt wird. „Dann muss ein Blick auf ein Bild reichen, ich sortiere da im Sekundentakt, weil für mehr habe ich dann überhaupt keine Zeit“, macht er deutlich.

Tobias Baur fügt noch an Ort und Stelle Bildunterschriften hinzu, bevor er die Bilder an die Redaktionen und Agenturen schickt.

Tobias Baur fügt noch an Ort und Stelle Bildunterschriften und die Spielernamen hinzu, bevor er die Bilder an die Redaktionen und Agenturen schickt.

Joachim Baur

Dieser Punkt schmerzt ihn. „Andere Fotografen machen Kalender und kreieren. Das sind Künstler, die sind eine andere Liga“, sagt Baur nachdenklich. „Ich sehe mich als Journalist. Ich bin Sportjournalist und ich berichte aus dem Lokalsport.“ Anders als auf der großen Bühne des Sports, sei er manchmal der Einzige, der Szenen aus dem unteren Amateurbereich fotografiert und dokumentiert hat. „Unter Umständen habe nur ich dieses Bild gemacht. In den höheren Ligen und beim großen Sport kämpfst du mit 100 anderen Fotografen um das eine Bild“, so Baur, der sich dafür mehr Anerkennung wünschen würde.

Das eigene Portfolio auch schon erweitert

Obwohl Tobias Baur Hauptaugenmerk auf der Sportfotografie liegt, erzählt er im Gespräch, dass er sich seit einiger Zeit auch mit Porträts beschäftigt. Die größten Unterschiede sieht er in der Art, wie die Bilder entstehen. „Ich hab’ auf quasi alles Einfluss: Licht, Model, Pose, Ausdruck“, führt Baur aus, „das ist auf einem Sportplatz etwas komplett anderes. Genau das gibt mir aber auch den Kick, dass ich eben so viel einfach geschehen lassen muss.“

Denn um dieses Bild liefern zu können, schraubt Baur seine Liebe zu diversen Sportarten und seine Fan-Gefühle in vielen Momenten extrem herunter, wie er erzählt. Ähnlich wie im Job ist er seinem Vater getreu glühender Anhänger des FC Schalke 04. „Ich hab’ deren Spiel beim SSV Ulm im November fotografiert, aber das kann ich nicht als Fan machen“, sagt Tobias Baur. „Wenn ich irgendwo als Fan bin, dann bin ich abgelenkt. Das sehe ich den Bildern auch sofort an.“ Im Rahmen solcher Ereignisse müsse er sich außerdem manchmal auf seine eigenen Stärken besinnen.

Große Events, wie eines der Germangames der NFL oder den Weltcup im Motocross MXGP, zu fotografieren, davon träumt Tobias Baur. Seine Feuertaufe in der Hinsicht hat er bereits hinter sich, als er in der European Football League (ELF) im Einsatz war, durchaus eine prägende Erfahrung. „Ich habe mich kurz gefragt, ob ich gut genug bin und hier meine Qualität bringen kann“, berichtet er, „aber die amerikanischen Sportarten und solche Erlebnisse sind einfach geil. Ich würde mich da gerne noch mehr austesten und sowas mitmachen.“ Die Sportfotografie sei eben seine Leidenschaft.

Daher habe es ihm nie viel ausgemacht, dann zu arbeiten, wenn alle anderen freihaben. Daher habe er trotz einiger, kritischer Aspekte noch nie darüber nachgedacht, aufzuhören – Wochenende, Kamera schnappen, und einfach raus.