Manager-App für Lokalsport
: Schonmal die Elf der Woche aufgestellt?

Der Deutsche Fußball-Verband will das lokale Fußball-Erlebnis noch intensiver gestalten – und stellt in Kooperation mit einer Online-Plattform eine Managerspiel-App für den Amateurbereich vor.
Von
Larissa Renz
Reutlingen
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WFV-Pokal, Gruppe 3, 3. Runde: SV Croatia Reutlingen - SSV Reutlingen: WFV-Pokal, Gruppe 3, 3. Runde: SV Croatia Reutlingen - SSV Reutlingen, 07.08.2024 - SSV-Vorstand Christian Grießer (auf derm Bank mit weißer Mütze, diskutiert mit Torhüter Marcel Binanzer (links) - rechts daneben sitzt Vorstand Joe Yabio (SSV Reutlingen)

Foto: Axel Grundler

Fans lokaler Fußballclubs können sich nun selbst an der Herausforderung ausprobieren, eine funktionierende Mannschaft zusammenzubauen – erstmals gibt es eine entsprechende App. SSV-Vorstand Christian Grießer (auf der Bank, Mitte) und Vorstandsmitglied Joe Yebio (rechts) tragen diese Verantwortung beim SSV Reutlingen.

Axel Grundler
  • DFB stellt mit „Promateur“ die erste Managerspiel-App für den Amateurfußball vor.
  • Fans können virtuelle Teams zusammenstellen und reale Leistungen bewerten.
  • Alle Ligen außer Bayerns verfügbar, Marktwerte basieren auf Spielleistungen.
  • Premium-Features für 2,49 Euro monatlich oder 23,99 Euro jährlich buchbar.
  • Aktive Spieler können der Nutzung ihrer Daten widersprechen und ihre Profile löschen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Mythos von den 82 Millionen Bundestrainern? Vor der schieren Menge an vermeintlich entscheidenden Tipps, Ratschlägen und Kommentaren kann sich wohl kein Verantwortlicher in der Welt des Fußballs retten. Das trifft auch und vielleicht auch im Besonderen nochmal für den Lokalsport zu. Hier kennen die Zuschauer und Fans Spieler und Trainer noch ein Mal besser und kommen daher vielleicht zu dem Schluss, noch fundiertere Entscheidungen treffen zu können. Wer austesten will, wie gut und fruchtbar die eigenen Einschätzungen sind, bekommt dazu nun Gelegenheit: Der Deutsche Fußball-Verband (DFB) hat in Kooperation mit der Online-Plattform Fussball.de die erste Managerspiel-App für den Amateurbereich vorgestellt. Promateur heißt sie und soll „realen Amateurfußball mit dem digitalen Erlebnis als Fußballmanager“ verbinden.

Punktefang und Wertesystem

Viel braucht es nicht: Sobald sich kommende Fußball-Manager einen Account eingerichtet haben, stehen ihnen alle Ligen der Frauen und Männer von der Regionalliga abwärts zur Verfügung. Nur auf die Staffeln des Bayrischen Fußball-Verbands muss verzichtet werden. Die Nutzer bekommen für den Anfang eine zufällig generierte Mannschaft sowie ein Startbudget zugeteilt. „Als Coach stellst du dein eigenes Team zusammen, analysierst Leistungen, beobachtest den Transfermarkt und feilst an deiner Taktik. Deine Entscheidungen bestimmen, wie erfolgreich dein Team im Managerspiel abschneidet“, fasst der Verband in seiner Mitteilung die verschiedenen Aufgaben zusammen, die auf die Teilnehmer zukommen. Vor allem im Liga-Betrieb wird die Zusammenarbeit mit der Online-Plattform wichtig: Da hier bundesweite Daten zusammenfließen, lassen sich detaillierte und reale Spielerprofile entwickeln. Aus den jeweiligen Aktionen, die ein Spieler vorweisen kann, ergibt sich der digitale Marktwert, für den er in der App gehandelt werden kann.

Der Algorithmus berücksichtigt unter anderem die Spielzeit, geschossene Tore, Einwechslungen und Siege der jeweiligen Mannschaft; Zu-Null-Spiele werten extra. Kassiert das jeweilige Team Gegentore oder eine Niederlage oder wird der Spieler selbst bestraft, gibt das beispielsweise Minus-Punkte. Um die Spielerposition beurteilen zu können, werden Spielerprofile angelegt, in denen die genau Position hinterlegt werden kann. Die Vielzahl der verschiedenen Faktoren sollen den Marktwert eines Spieler so genau wie möglich machen und jeder Performance gerecht werden. Zumal die App daher auch aus Fußballer-Sicht interessant sein könnte, um sich ein faktenbasiertes Bild der eigenen Leistung machen zu können und sie über einen längeren Zeitraum nachzuvollziehen.

Welche Spieler, welche Mannschaft der digitale Coach ins Rennen schickt, sollte bis eineinhalb Stunden vor Anpfiff entschieden sein. Alles, was danach geändert oder eingereicht wird, fließt nicht mehr in die Wertung ein.

Nicht nur digitales Geld im Einsatz

Die grundlegenden Funktionen, der Download und die allgemeine Spielweise der App sind kostenlos, teilt der Verband mit. Aber: „Du kannst wählen, ob du kostenlos spielen möchtest oder einen Premium-Account mit zusätzlichen Features abschließt“, gibt der Württembergische Fußballverband (WFV) bekannt. Für den kostenpflichtigen Teil haben sich die Entwickler besondere Vorteile ausgedacht, beispielsweise fällt dann die Kaderbeschränkung weg, mehr Rechte auf dem Transfermarkt oder es stehen zu den einzelnen Spielern detaillierte Daten zur Verfügung. Der Verband bezifferte die monatlichen Kosten mit 2,49 Euro, jährlich würden für das Abonnement 23,99 Euro anfallen. Laut eines Mitarbeiter geht der DFB davon aus, dass im ersten Jahr etwa 5 Prozent der Nutzer sich für die Premium-Variante der App entscheiden. Aktuell verzeichnet der Verband 35.000 Downloads – ein gutes Ergebnis, denn die große Werbekampagne soll erst mit Beginn der Rückrunde in den Amateurligen im neuen Jahr beginnen, wie er auf Anfrage dieser Zeitung antwortete.

Wer nicht will, muss auch nicht

Wie die Betreiber der App mitteilen, haben aktive Spieler die Möglichkeit, der Nutzung ihrer Daten zu widersprechen, auf denen der Spielcharakter basiert. Über ein Opt-Out-Formular können Spielerinnen und Spieler die Löschung ihres digitalen Charakters fordern, Nutzer der App können dann weder mit ihnen handeln noch spielen lassen. Nachdem die DFB GmbH & Co. KG die Identität des Antragstellers überprüft hat, wird das digitale Ego schnellstmöglich aus dem Spiel genommen. In der Regel dauere das drei Tage.