Kindersport in Reutlingen
: „Der Zugang zum Sport ist viel zu kompliziert“

Das Schuljahr hat begonnen und damit hat auch die Kindersportschule der TSG Reutlingen die Arbeit aufgenommen. Insgesamt 800 Kinder ab 0 Jahren können regelmäßig kommen.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Je nach Alter des Kindes gibt es bei der TSG Reutlingen ein spezielles Kursprogramm. Über allem steht jedoch, dass Kinder frühzeitig den gesunden und belebenden Effekt von Bewegung verinnerlichen sollen.

Je nach Alter des Kindes gibt es bei der TSG Reutlingen ein spezielles Kursprogramm. Über allem steht jedoch, dass Kinder frühzeitig den gesunden und belebenden Effekt von Bewegung verinnerlichen sollen.

TSG Reutlingen
  • Die Kindersportschule der TSG Reutlingen startet mit erweitertem Programm und 800 Plätzen.
  • Im vergangenen Schuljahr 2025/26 nahmen 623 Kinder teil – die Ballschule ist besonders gefragt.
  • Fokus: frühe Bewegung, altersgerechte Kurse und Motorikförderung durch geschultes Personal.
  • Laut TSG erreichen Angebote vor allem Kinder unter acht Jahren, danach wechseln viele in Sparten.
  • Zugang zu Vereinen gilt als zu kompliziert, Beiträge und Bürokratie schrecken ab, Personalbedarf steigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für so kleine Füße gibt es zwar noch keine Schuhe – mitmachen darf er aber schon. Vom Tragegurt aus beobachtet der kleine Junge, wie sich um ihn herum die Kinder in der Halle der TSG Reutlingen verteilen. Mitten drin sind kleine Parcours und Hindernisse aufgebaut, an denen sich die ersten Kids bereits ausprobieren. Es wird gelacht und herumgewuselt. Mit Beginn der Schulzeit hat die Kindersportschule der TSG Reutlingen mit ihrem wöchentlichen Kursprogramm angefangen. „Wir konnten unser Programm ausbauen und noch mehr Kurse anbieten. In diesem Jahr ist Platz für 800 Kinder und da ist auch noch nicht alles ausgebucht“, sagt Toni Gönninger, Geschäftsführer der TSG, stolz. Das klingt viel. Doch die Zahlen aus dem vergangenen Schuljahr 2025/26 sind eindeutig: 623 Kinder nahmen an den abgehaltenen Kursen teil. Doch warum widmet die TSG dem Kindersport eine eigene Abteilung?

Aufwachsen mit der Bewegung

„Wir fahren da unser eigenes Modell und arbeiten seit Jahren daran, Eltern und Kindern von 0 bis 11 Jahren ein qualitativ hochwertiges und breites Sportangebot machen zu können“, so Gönninger im Gespräch mit dieser Redaktion. Um genau zu sein, gibt es die Sportschule seit über zehn Jahren. Inspiriert von anderen Sportmodellen soll durch geübtes Trainingspersonal Kindern, speziell nach Alter und körperlichen Gegebenheiten aufgeteilt, der Spaß an der Bewegung und die Entwicklung der Motorik ermöglicht werden. „Nachhaltigkeit beginnt in diesem frühen Alter. Eltern, die diese Verbindung zum Sport in so jungem Alter etablieren, leisten wichtige Arbeit“, so Gönninger. Der TSG-Verantwortliche meint damit nicht nur, dass seine Übungsleiter an jedem Wochentag etwas zu tun haben,

„Wir sind ein Teil des Settings, damit ein Kind gesund aufwachsen kann. Uns entgeht auch nicht, dass viel zu viele Kinder inzwischen Adipositas und orthopädische Probleme haben“, merkt er kritisch an. Entsprechende Anfragen nach Sonderkursen haben auch die TSG in den vergangenen Jahren erreicht, geplant ist ein solches Angebot aber bis auf Weiteres nicht. Eine besorgniserregende Entwicklung, wie Gönninger unterstreicht, daher „sind solche Kursangebote bei anderen Großsportvereinen längst üblich“. Überlegungen für die Gründung einer TSG-betreuten Herz-Gruppe wurden aber verworfen, zu gering die Anmeldezahlen.

Sonst sehen genau diese Zahlen aber zufriedenstellend aus: In den vergangenen Jahren musste die TSG nie groß Werbung betreiben; besonderer Beliebtheit erfreut sich auch die vor einem Jahr ins Leben gerufene Ballschule, die zur Kindersportschule zählt, wie Gönninger berichtet. Auffällig ist bei den Zahlen und erhobenen Statistiken etwas anderes: „Der Großteil der Kinder in der Sportschule ist unter acht Jahre alt. Ab acht Jahren geht es eigentlich in die Sparten“, führt Gönninger aus, „da haben die Kinder schon herausgefunden, wo ihre Fähigkeiten und Stärken liegen.“ Wie viele Kinder aus der Sportschule später tatsächlich im Verein bleiben, lässt sich laut Gönninger aber nicht exakt nachvollziehen. Gegenüber dieser Zeitung gibt er dennoch eine Schätzung: „Ich würde meinen, dass mehr als 50 Prozent entweder bei der TSG oder anderen Sportvereinen unterkommen.“ Mit diesem Effekt zeigt sich der Vorsitzende zufrieden.

Vorsitzender der TSG Reutlingen, Toni Gönninger, sieht den Vereinssport im Wandel.

Geschäftsführer der TSG Reutlingen, Toni Gönninger, sieht den Vereinssport im Wandel.

TSG Reutlingen

Doch was ist mit den Kindern über acht Jahren? „Die erreichen wir seltener. Wenn Sport bis dahin nicht in den Alltag und das Bewusstsein integriert ist, wird es schwer. Dann ist die Konkurrenz mit anderen Aktivitäten und Schule bereits groß“, gibt Gönninger zu. Bewegungsmangel, Übergewicht: Ab dieser Altersgruppe nehmen die Fälle noch einmal drastisch zu. Das Problem sei aber nicht nur, dass es durchaus schwierig sein könne, direkt in einer Sparte zu starten, sondern „der Zugang zum Sport und den Vereinen ist viel zu kompliziert“. Langwierige Anmeldung, Vereine als Mikrokosmen, Mitgliedsbeiträge – alles das seien Hürden. Vor allem während der Corona-Pandemie sei da manches zutage getreten, wie Gönninger meint. „Wir bemerken es alle seit Jahren, dass Vereinsleben einen anderen Stellenwert bekommt. Mir fehlt es nur manchmal, dass wir daraus Schlüsse ziehen und uns offen der Frage stellen, wie wir die Menschen in die Vereine bekommen.“ Da sei auch die TSG noch mehr in der Pflicht.

Und nicht nur die Sportler-Seite bringt ihre Herausforderungen mit sich, da ist Gönninger eindeutig: „Der Kindersport als eigene Abteilung muss sich selbst tragen. Die Mitgliedsbeiträge sind nicht ohne, aber unser Angebot ist nur durch Ehrenamtliche nicht stemmbar“, macht Gönninger auf die Hintergründe aufmerksam. Der Trend sei aus seiner Sicht unübersehbar: Immer mehr Vereine würden hauptamtliche Mitarbeiter binden und brauchen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Wobei da der Druck durch das eingeführte Gesetz auf Ganztagesbetreuung noch größer geworden sei. Ab dem Grundschulalter besteht ein Anspruch, das zählt auch während der Schulferien. Die TSG arbeite bereits mit mehreren Schulen zusammen, doch „es könnte noch mehr Zeit und Raum für Sportangebote geben“, merkt Gönninger an.