Karriere im Spitzensport
: Tennisprofi auf Umwegen: Noah Schlagenhauf und der Weg in die USA

Die Zeit am College in den USA ist für Noah Schlagenhauf vorbei. Ab jetzt muss er als Tennisprofi auf eigenen Beinen stehen. Wie ein Tennisspieler lebt und was ihm die Zukunft bringen soll.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Tennis 2. BL | TV Reutlingen: Tennis 2. BL | TV Reutlingen I / Maenner // 2024-07-26 // Foto: Joachim Baur // Noah Schlagenhauf

Um sich seinen Traum von der Tenniskarriere erfüllen zu können, hat Noah Schlagenhauf (hier bei einem Zweitliga-Spiel des TV Reutlingen) seine Heimat verlassen und ist in die USA gegangen.

Joachim Baur
  • Tennisprofi auf Umwegen: Noah Schlagenhauf setzt nach College-Zeit in den USA auf die Profi-Karriere.
  • Er scheiterte zuerst bei ITF-Punktejagd, ging dann aufs College und fand dort Förderung.
  • USA boten Training, Stipendium und Einnahmen – in Deutschland wären Kosten zu hoch.
  • Er spielte trotz Ermüdungsbruch, gewann Selbstvertrauen und kehrte nach Nürtingen zurück.
  • Jetzt pendelt er zwischen Ligen und Turnieren, sucht eine Akademie und rät jungen Spielern zu USA.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Den direkten Weg an die Spitze des Tennissports gibt es nicht, da ist sich Noah Schlagenhauf ganz sicher. „Ich hatte immer diesen Traum. Selbst wenn ich nur ein paar Jahre mitmachen kann, aber ich wollte immer Tennisprofi werden“, sagt der junge Sportler mit Nachdruck. Seit er 13, 14 Jahre alt war, hat der heute 23-Jährige nach Wegen gesucht, um auf rotem Sand seinen Lebensunterhalt zu verdienen. „Damals wusste ich nicht, was die Entscheidung für die Sportkarriere noch alles mit sich bringen würde“, sagt Schlagenhauf mit einem Lächeln. Um den Durchbruch zu schaffen, nahm er einen Umweg von rund 7944 Kilometern auf sich – wie viele deutsche Tennisspieler, die in die Weltspitze wollen, besuchte Schlagenhauf ein College in den USA.

Ein Schritt, viel mehr ein Sprung, den er eigentlich nicht wagen wollte, wie er im Interview mit dieser Zeitung zugibt. Eigentlich wollte er es auf eigene Faust schaffen. „Ich habe mit 18, 19 versucht, mir bei ITF-Turnieren die nötigen Punkte zu erspielen, die es braucht, um hochzukommen“, erzählt er. Ohne Erfolg. Selbstreflektiert musste er sich nach kurzer Zeit eingestehen, dass es auf diese Art nicht klappen würde; anders als in den Staaten gebe es in Deutschland nicht genug Förderungen und bezahlbare Trainingsangebote. „Jetzt, im Nachhinein, kann ich sagen, dass es absolut die richtige Entscheidung war, in die USA zu gehen. Ich weiß, dass da viele auch andere Erfahrungen machen. Ehrlich gesagt, ich wollte es erst auch nicht. Ich konnte es mir nicht vorstellen, aufs College zu gehen“, beschreibt Schlagenhauf seine Gefühlslage. Seine Schwester, die bereits in den USA am College war, und seine Mutter hätten ihn in seinem Entschluss bestärkt und unterstützt, doch „ich habe mir dann gesagt, dass ich es ja nicht machen muss, wenn mir das nicht gefällt.“

Ein Neuanfang in den Staaten

Über sein Leben und seine Zeit am College in Mississippi kommt Noah Schlagenhauf schnell ins Schwärmen. Sein Bild und seine Einstellung hätten sich komplett gewandelt, gibt er zu. „Ich habe mich dort nicht nur sportlich, sondern auch menschlich entwickelt“, sagt er. Dem amerikanischen System, dass junge Sportler sich nicht zwischen Schule und Sport entscheiden müssten, kann der Spieler des TV Reutlingen viel abgewinnen. Viel wichtiger sei aber die finanzielle Unterstützung, die in den USA an der Tagesordnung sei. „Ich bekam dort die Trainingseinheiten gezahlt, Stipendium, und inzwischen kann man dort mit Spielen für die University auch Geld verdienen, wenn man gut ist“, verrät er. Er habe sich über die Zeit etwas ansparen können, was ihm die erste Zeit nach dem College erleichtere. Die Scouts der amerikanischen Unis sind derweil weltweit unterwegs. Wie im Falle von Noah Schlagenhauf sprechen sie die Spieler, die bereits auf einem hohen Level sind, an und machen ihnen Angebote. Ein vergleichbares Trainingsangebot, wie er es in den USA hatte, würde in Deutschland viel tausend Euro kosten – eine Tatsache, die viele Familien unter Druck setze und manchen Traum früh beende.

Umsonst sind die finanziellen Zuwendungen nicht. Die Erwartungen sind durchaus hoch. Um in einem so leistungsorientierten Umfeld zu bestehen, das hat Noah Schlagenhauf am eigenen Leib erfahren, müsse jeder bisweilen über die eigenen Grenzen hinausgehen. „Ich habe in den USA mit einem Ermüdungsbruch Matches bestritten. Das hätte in Deutschland so nie stattgefunden“, berichtet er. „Nicht, dass es schlau ist, mit so einer Verletzung zu spielen, aber es hat mich abgehärtet.“ Sein Glaube an sich selbst sei größer geworden: Trotz Handicap hätte er seinen Teil zu einer guten Saison der Mannschaft beitragen können. Das hätte ihm auch den Respekt der Trainer vor Ort verschafft.

Mit wenig Pause tausende Kilometer um die Welt

Nun ist Schlagenhauf fertig mit dem College und zurück in seiner Heimat Nürtingen. Als ausgelernter Profi sozusagen muss er auf eigenen Beinen stehen – und mit dem eigenen Auto viele tausend Kilometer zwischen diversen Ligaspielen und Turnieren hinter sich bringen. „Ich genieße die Ligaspiele mit der Reutlinger Mannschaft, in ausländischen Ligen und auf Turnieren bin ich oft auf mich gestellt. Da ist das mit der Wertschätzung einfach etwas anderes, als hier in der Heimat“, beschreibt Schlagenhauf seinen Alltag. Momentan suche er nach einer gut gelegenen Akademie und ziehe einen Umzug in mitteleuropäische Gefilde in Betracht. „Ich würde gerne in der Region und in der Nähe meiner Eltern bleiben, aber es würde auch Sinn machen, die Fahrtstrecken kürzer zu halten“, so fasst er sein Dilemma zusammen. Zu viele Turniere, zu viel Zeit auf der Straße, schlage sich auf seine sportliche Leistungsfähigkeit nieder, diese Erfahrung habe er bereits gemacht.

Druck, dass es mit dem Tennis zwingend etwas werden muss, verspürt Noah Schlagenhauf nicht. Auch mit Rückschlägen könne er gut umgehen. „Tennis ist ein großer Teil von mir. Ich liebe es. Aber ich definiere mich nicht nur über’s Tennis“, sagt er nachdenklich, „ich reise und koche gerne. Ich weiß, dass es irgendwie weitergeht.“ Solange ein Profi-Dasein in irgendeiner Form in Aussicht stünde, müsse aber alles andere warten, betont er.

Nicht, dass es schlau ist, mit so einer Verletzung zu spielen, aber es hat mich abgehärtet.
Noah Schlagenhauf
Tennisspieler

Doch wie ist es nun, in einer Sportart groß werden zu wollen, deren Zugänge bisweilen nicht so leicht zu nehmen sind? „Ich rate allen jungen Spielern: Probiert euer Glück in den USA. Viele sind wegen der finanziellen Aspekte viel zu schnell abgeschreckt, aber Tennis gibt einem so viel Positives“, rät Noah Schlagenhauf Spielern und ihren Eltern zu Mut. „Selbst, wenn es nichts mit mir geworden wäre, für mich wäre es viel schlimmer, wenn ich es nicht einmal probiert hätte.“