Fußball Oberliga
: SSV Reutlingen gegen TSG Backnang – SSV dreht das Spiel furios

Abstiegskampf, wie ihn sich die Fans wünschen: Der SSV Reutlingen lässt sich den Schneid nicht abkaufen und gewinnt daheim gegen die favorisierte TSG Backnang mit 4:3.
Von
Larissa Renz,
Wolfgang Gattiker
Reutlingen
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Fussball OL | SSV Reutlingen vs. TSG Backnang: Fussball OL | SSV Reutlingen (rot) vs. TSG Backnang (schwarz) // 2025-04-26 // Foto: Joachim Baur // #9 Konstantinos Markopoulos (SSV Reutlingen)

War, wie der Rest des SSV Reutlingen, voll auf der Höhe: Konstantinos Markopoulos (Mitte) erzielte den 2:1-Treffer für den SSV im Spiel gegen die TSG Backnang.

JoBaur
  • SSV Reutlingen gewinnt 4:3 gegen TSG Backnang in spannendem Abstiegskampf.
  • TSG führt durch Lekaj, SSV antwortet mit Toren von Toth, Markopoulos und Plattenhardt.
  • Vochatzer erhöht auf 4:1, Lekaj und Veselaj verkürzen. SSV kämpft bis zum Schluss.
  • Puseljic erhält Gelb-Rot, SSV rückt auf einen Punkt an Essingen und Bissingen heran.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Entgegen aller Widrigkeiten“, diese Worte würden das Heimspiel am 29. Spieltag der Saison des SSV Reutlingen gegen die TSG Backnang gut zusammenfassen. Die Hausherren waren kaum zu stoppen, obwohl sie erneut in Rückstand gerieten und ab der 75. Minute nur noch zu Zehnt auf dem Feld waren. Am Ende feierten sie in einem 4:3-Torfestival den wichtigen, dreifachen Punktgewinn im Abstiegskampf.

Die Gäste kamen als das „Team der Stunde“  und Favorit ins Kreuzeichestadion, die Reutlinger waren gewarnt – und dürften dementsprechend überrascht gewesen sein. Bereits nach wenigen Minuten im Spiel wurde offensichtlich, dass hier für den SSV echt was gehen könnte. Die TSG-Abwehr zeigte früh erste Unsicherheiten und eröffnete den Gastgebern viele Räume, die diese zu bespielen wussten. So konnte der SSV in der zweiten und sechsten Spielminute die ersten Torschüsse verzeichnen. Die Gäste brauchten ein wenig, um ins Spiel zu kommen, ab der 20. Minute aber agierten sie sicher und kreierten selbst Chancen. Den Kopfball von Patrick Tichy in der 25. Minute konnte SSV-Torhüter Marcel Binanzer in höchster Not abwehren. Acht Minuten später zappelte der Ball dann doch im Netz: Nach Foul an ihm selbst, traf Gentian Lekaj zur 1:0-Führung für die TSG – und küsste den SSV, ohne es zu wissen, so richtig wach.

Der SSV zeigt mal so richtig, was in ihm steckt

Denn in kommenden elf Minuten drehte die Mannschaft unter Trainer Alexander Strehmel das Spiel auf links: Den Anfang macht Yannick Toth (33. Minute), der völlig frei den 1:1-Ausgleich erzielen durfte und erneut die großen Lücken in der TSG-Defensive entblößte. In der 43. Minute beendete Konstantinos Markopoulos seine Torflaute und brachte den SSV mit 2:1 in Führung. In die Pause entließ Luca Plattenhardt ekstatischen Reutlinger Anhang mit seinem ersten Saisontor und dem 3:1-Pausenstand.

Da war erstmal tief durchatmen angesagt, bevor es dann in eine wilde, zweite Hälfte ging. Die Ausgangslage war klar: Die TSG würde alles, was ging, nach vorne schmeißen; die Reutlinger konnten, mit der Führung im Rücken, ohne Druck aufspielen, so der Plan. Doch die TSG spielte besser, vor allem in der Offensive kamen die Gäste zu einigen Freistößen und Abschlüssen. Der SSV blieb bei seiner Taktik und presste weiterhin hoch, tat sich aber sichtlich schwerer. Die defensive Schwäche der Gäste konnten die Reutlinger nicht mehr ganz so oft ausnutzen: Tom Schiffel ließ in der 68. Minute eine der wenigen Chancen auf das mutmaßlich entscheidende 4:1 liegen.

Ab der 75. Minute fehlte Sladan Puseljic seiner Mannschaft nach der gelb-roten Karte. Trotz dessen waren es erneut die Hausherren, die einnetzten: Der eingewechselte Leander Vochatzer verwertete eine schöne Flanke von rechts und läutete mit seinem 4:1-Tor eine hektische Schlussphase ein. Denn nach dem Tor spielte nur noch die TSG. In der 81. Minute, wieder per Foulelfmeter, brachte Lekaj sein Team ins Spiel. Vier Minuten später erhöhte Shaben Veselaj den Druck auf dezimierte Reutlinger, nur noch 4:3. Der Ausgleichstreffer lag in der Luft, erst der Schlusspfiff in der 90.+3 erlöste schwer kämpfende Reutlinger. Der SSV gewinnt knapp und furios, aber in keinem Fall unverdient. Das Team schiebt sich auf einen Punkt an den TSV Essingen und Bissingen (beide 38 Punkte) heran.

Stimmen zum Spiel

Tom Schiffel, SSV Reutlingen: „Für die Fans war das ein gutes, spannendes Spiel. Mir wäre ein langweiliges Spiel mit 4:1 lieber gewesen.“

Jonas Vogler, SSV Reutlingen: „Dieser Sieg war mehr als wichtig. Wir haben den Plan des Trainers gut umgesetzt.“

Marcel Binanzer, SSV Reutlingen: „Wichtig war, dass wir drei Minuten nach dem Rückstand schon zurückgekommen sind. Wir waren voll konzentriert – auch in der Kabine.“

Alexander Strehmel, Trainer SSV Reutlingen: „Das ist Abstiegskampf pur, das war eines von vielen Endspielen. Der Wille und der Kampf waren da, nur die zwei Elfmeter tun uns weh. Genauso aber müssen wir gegen Ravensburg auch spielen.“

Mario Marinic, Trainer TSG Backnang: „Der SSV hat toll gekämpft, daher ist der Sieg verdient. Wir haben zu viele Bälle verloren und nicht genügend Zugriff gehabt.“

So spielten sie

SSV Reutlingen: Binanzer, Plattenhardt, Puseljic, Schiffel, Vogler, Adrovic (63. Gaiser), C. Hodgson (46. Vochatzer), Toth, Markopoulos (87. Kuengienda), Meiser, Ruzicka (76. Dierberger)

TSG Backnang: Schleicher, Müller, Sadler (78. Babic), Tichy, Özen (78. Hornek), Benkeser (46. Paterno), Geldner, Gleißner, Greco (46. Veselaj), Lekaj, Santoro (64. Gürsel)

Tore: 0:1 Lekaj (33., FE), 1:1 Toth (36.), 2:1 Markopoulos (43.), 3:1 Plattenhardt (44.), 4:1 Vochatzer (79.), 4:2 Lekaj (81., FE), 4:3 Veselaj (85.)

Gelb-rote Karte: Puseljic (75.)

Schiedsrichter: Tobias Bartschat